Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 16 (17.4.1925)
- Date
- 1925-04-17
- Page
- Seite 291 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16 Das jüdische Echo 291 den ersteren hatte er für sich die geistige Aristokratie, das einsame Leben gewählt, im Sinne der letzteren war er der Volksmensch, der Zionist. In seinem Drama „Die goldene Kette“ zeigt er die drei Stufen der Entwicklung des ostjüdischen Volkes: das Gesetz (Talmud), das Rachmones, den Jeusch (die Verzweiflung). Das Erlösungsproblem packte er in seiner Art an: Die Erlösung wird eine jüdische Erlösung durch ewigen Schabbos sein. Perez ist somit ein nationaler Dichter; er ist aber auch ein Volksdichter, der die Sprache des niederen Volkes herausgearbeitet und daraus eine Literatursprache gemacht hat. Er hat den armen Chassid auf die europäische Bühne gestellt. Zuletzt gründete er in Warschau die jüdische Volksschule und befaßte sich mit dem jüdischen Kinde. Gerade das ostjüdische Kind wird Perez nicht vergessen. Die Zuhörer spendeten dem Vortragenden starken, langanhaltenden und wohlverdienten Beifall. Sodann sang Frau Kammersängerin Else Buschhoff drei jüdische Lieder und zwar im Gegensatz zu den Volksliedern, die sie am Schalitabend vortrug, in jiddischer Sprache. Ihre weiche, tragfähige Stimme fand allgemeinen Anklang und besonders das humoristische „Jume, Jume“ erregte Entzücken. Nach einer kleinen Pause las Herr S. Eisen eine von Perez’ chassidischen Novellen: „Mekubolim“ (die „Kabbalisten“). Eisen zeigt, daß er in den Geist der Geschichten von Perez wohl eingedrungen ist; leider war seine Aussprache nicht für alle Zuhörer verständlich. Zum Schluß rezitierte Herr Bruno Kluger zwei Gedichte von Perez und eines von Loewy, das Perez gewidmet ist. Klugers Vortrag ist voll Andacht, aber die Gebärden und Grimassen! Er müßte ein guter Jomkippurchasen sein, allein für den Vortragstisch hat er aus der jüngsten Kritik im Echo leider noch nichts gelernt. Auch den beiden Vortragenden wurde reicher Beifall zuteil. Alles in allem, eine sehr gute Leistung des Kulturvereins. Dr. F. S. | Fra« Jofianoa Kolin BillmanQ n"y | Im hohen Alter von 84 Jahren entschlief am 6. April (12. Nissan) Frau Johanna Kohn, geb. Billmann. In der Verewigten verliert die israelitische Gemeinde München eine ihrer hervorragendsten Arbeiterinnen auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege; werktätige Nächstenliebe, ohne Ansehen der Person und des Standes, bildeten den Grundzug ihres ganzen Daseins. Treu der Tradition ihres Elternhauses, der hochangesehenen Familie Billmann, war sie bemüht, den Wegen ihrer frommen Ahnen in Ehren zu folgen. Nach dem Tode ihrer Mutter im Jahre 1873 übernahm sie deren Stelle im israelitischen Frauenverein und war seit vielen Jahren dessen erste Vorsteherin. 1874 trat sie der Frauenchewra bei und es kam in den vielen Jahren, bis vor ganz kurzer Zeit, keine weioliche Leiche zum israelitischen Friedho, welcher sie nicht den letzten Liebesdienst erwies. 1924 wurde ihr aus Anlaß dieser fünfzigjährigen Tätigkeit, sicher eine sehr seltene Erscheinung, die Ehrenmitgliedschaft der Chewra Kadischa verliehen. Dem „Verein für Ferienkolonien und zur Bekleidung von'Schulkindern“, den sie mit begründet hatte, war sie ein tatkräftiges Vorstandsmitglied; an der Schaffung des Ferienheims in München-Krumbach war sie in hervorragender Weise beteiligt. Auch das Kuratorium des israelitischen Schwesternheims zählte sie zu seinen eifrigen Mitgliedern. Neben dieser umfangreichen Vereinstätigkeit war sie bis zu ihrem Ableben bemüht, unzähligen Hilfsbedürftigen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Das Andenken an diese wahrhaft innerlich religiöse Frau wird in der Gemeinde hoch in Ehren gehalten werden. rD'iin J. F. * Die Beerdigung der Frau Johanna Kohn fand unter großer Beteiligung statt. Nach Herrn Rabbiner Dr. Bärwald sprachen noch Herr Oberstlandesgerichtsrat Prof. Dr. Neumayer namens des Vorstandes der Gemeinde und Herr Justizrat Leo Oppenheimer für die Vereine, welchen die Verblichene nahe stand. Gemeindliche Lehrkurse Der Lehrkurs über neuhebräische Poesie von Dr. Max Mayer findet am Samstag, 25. April abends 9 Uhr im Bibliotheksaal der Gemeinde seinen Fortgang. Das Thema des 3. Vortrags lautet: Der Realismus in der neuhebräischen Literatur (2. Teil). Hebräische Kurse München Die hebräischen Kurse sind auf folgende Zeiten festgesetzt (vorbehaltlich nachträglicher evtl. Änderungen): 1. Neuer Anfängerkurs für Schulpflichtige (I a) Montag und Donnerstag abends 6—7 Uhr. 2. Neuer Anfängerkurs für Erwachsene (I b) Montag abends 8—9 Uhr und Mittwoch abds. 7—8 Uhr. 3. Bisheriger Anfängerkurs (Ila) Montag abends 7—8 Uhr und Mittwoch früh 6.30—7.30 Uhr. 4. Bisheriger gehobener Anfängerkurs (II b) Dienstag und Freitag früh 6.30—7.30 Uhr. 5. Bisheriger fortgeschrittener Kurs (III) Montag und Donnerstag früh 6.30—7.30 Uhr. 6. Leichter Bibelkurs (Richter, Ruth) Donnerstag abends 7—9 Uhr. 7. Bibelkurs für Geübte (Hiob) Dienstag abds. 7—9 Uhr. 8. Kurs der historischen hebräischen Grammatik (Formenlehre). Sonntag früh 10.30—12 Uhr. (Zu diesem bereits seit längerem bestehenden Kurs können neue Schüler nicht aufgenommen werden). 9. Freunde des lebendig gesprochenen hebräischen Wortes finden sich zu dem Konversationsklub Samstag nachmittags 5—7 Uhr ein. Sämtliche Kurse finden im Klublokal, Ottostr. 2, statt. Leiter der Kurse Dr. Max Mayer. Anmeldungen täglich (außer Samstag und Sonntag) von 9—12 und 3—6 im Unterrichtslokal, Ottostr. 2. Beginn der Kurse Montag, den 20. April. Gemeindenu.Vereins-i cho Jüdischer Kulturverein München Samstag, den 18. April 1925, abends halb 9 Uhr findet im kieinen Sitzungssaal der Gemeinde, Herzog Maxstraße 5 Rgb. I, ein geselliges Zusammensein mit literarischen und musikalischen Vorträgen in ungezwungener Reihenfolge statt. Gäste herzlich willkommen. Voranzeigen. Samstag, den 25. April 1925 liest Herr Manfred Sturmann aus eigenen Werken. Samstag, den 2. Mai 1925 1. Abend des Vortragsziklus von Jos. L ö w y : Die Entstehung des jüdischen Theaters. Lag Beomer findet ein Theater- Abend mit künstlerischen Darbietungen und Tanz statt.