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Das jüdische Echo · 1925-04-17 · 16 (17.4.1925) · p. Seite 290

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
16 (17.4.1925)
Date
1925-04-17
Page
Seite 290 (sequence 18)
Language
German
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290 Das Jüdische Echo Nr. 16 fen Wasser im Haus hat, darf bis Mozae Schabbat kein Wasser nehmen“ — und ich sah keinen, der daraufhin heimgegangen wäre, auch der kleine Junge mit den Pajes und seine vielen Kameraden nicht. Als aber dann endlich schon in der Mittaghitze der Beamte kam, um die Leitung zu öffnen, da haben ihn die Chassidim trotz allen Widerstandes zu gehen gezwungen und die vielen Wartenden mußten leer heimgehen, auch die Araber. — In Meah Schearim, dem jüdischen Viertel wurde nach Schabbat geöffnet und dort saßen viele Hunderte von Menschen bis tief in die Nacht, um ihr Quantum Wasser für einige Tage zu bekommen. Das ist ein kleines Bild unserer gegenwärtigen Lage. Und jetzt haben wir erst Nissan. Alles sieht dem Sommer mit trüben Erwartungen entgegen. Die Ernte wird schlecht werden, weil fast alles verdorrt ist, und die zu erwartende Teuerung wird Hunger bringen. Der Wassermangel wird vereint mit der Hitze zu Krankheiten und Seuchen führen. Wohl ist die Regierung bemüht, dem Übel nach Möglichkeit zu steuern. Zunächst wird sie wohl die gesamte Bautätigkeit in Jerusalem einstellen lassen. Aber das bringt wieder die vielen Bauarbeiter um ihr Brot. Ferner projektiert man in Eisenbahnwaggons von auswärts Wasser zu bringen und eventuell wird es möglich sein, bei der Regierung Wasser zu kaufen und die Zisternen füllen zu lassen. Aber bis jetzt ist noch keine Aussicht vorhanden, daß der Not endgültig gesteuert werden könnte, ' S D D Literarisches Echo Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden hat ihr bereits angekündigtes Gesamtverzeichnis der geschlossenen und halboffenen Einrichtungen der jüdischen Wohlfahrtspflege in Deutschland herausgegeben. (Erschienen bei F. A. Herbig, Berlin.) Das 75 Seiten starke Büchlein ordnet in übersichtlicher Tabellenform im Teil I die Anstalten und Einrichtungen nach dem Zweck, dem sie dienen, und im Teil II nach Ländern und Provinzen. Das Buch enthält Angaben über Namen, Adressen, Gründungsjahr, Träger, Bettenzahl, Personal und vor allem auch über Aufnahmebedingungen und Zweck. Dieses Anstaltsverzeichnis wird allen jüdischen Gemeinden, Wohlfahrtsorganisationen, Vereinen, Anstalten und interessierten Einzelpersonen ein willkommener Führer sein. Es ist gegen Voreinsendung von Mk. 1.50 bei der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen äuden, Berlin C. 2, Rosenstr. 2/4, zu beziehen. „Der Jude.“ Eine Monatsschrift. Herausgegeben von Dr. Martin B u b e r. Jüdischer Verlag. Das 12. Heft des 8. Jahrgangs ist soeben erschienen und hat folgenden Inhalt: Siegmund Kaznels o n : Der Zwang zur Weltpolitik / Hans K o h n : Das neue Arabien / Hermann Glenn: Jüdische Rentenbank / Walter Preuss: Die Kwuzah / Gustav Mayer: Lassalle und das Judentum. — Bemerkungen: Eduard Strauss: Das Heilige und die Form. Umschau: Jaques Adler: Die Agrarindustrie in Palästina / Gertrud Benzion: Das Paulinenstift zu Hamburg / Fritz Goitein: Franz Rosenzweig: Jehuda Halevy deutsch. Eingelaufene Bücher Jakob Loewenberg, Kämpfen und Bauen. Der Gedichte „Aus jüdischer Seele“, vierte vermehrte Auflage. Verlag von M. Glogau jr., Hamburg 1925. 106 S. Jakob Lesczinsky, Der emes wegn di iden in Rußland, Berlin 1925. Wilhelm B ö 1 s c h e , Tierseele und Menschenseele, Stuttgart, Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde. Dr. Hans Wolfgang Behm, Von der Faser zum Gewand. Stuttgart, Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde. Hans Zulliger, Unbewußtes Seelenleben, Freuds Psychoanalyse in ihren Hauptzügen, Stuttgart, Franckh’sche Verlagsbuchhandlung. Dr. theol. et phil. Lorenz Dürr, Ursprung und Ausbau der israelitisch-jüdischen Heilandserwartung. Ein Beitrag zur Theologie des Alten Testaments. Berlin 1925. C. A. Schwetschke u. Sohn, Verlagsbuchhandlung. Sämtliche im Literarischen Echo besprochenen und in der Liste der eingelaufenen Bücher aufgeführten Druckwerke sind in der Ewer-Buchhandlung, München, Ottostr. 2, erhältlich. P*»rez-Gedächtnisfeier des jüdischen Kulturvereins München Der Jüdische Kulturverein J. L. Perez, der unter seiner neuen Leitung mit ganzer Kraft danach strebt, seinem Namen Ehre zu machen, veranstaltete zum Gedächtnis an den großen jüdischen Dichter, dessen Namen er trägt, am Ausgang des Sabbat Cholhamoed eine Feier anläßlich dessen zehnten Todestages. Es ist sehr bedauerlich, daß das jüdische Publikum Münchens den geistigen Bestrebungen, die im Kulturverein gepflegt werden, und den großen jüdischen Dichtern so wenig Interesse entgegenbringt; denn kaum 50 bis 60 Personen hatten der Einladung Folge geleistet. Die Säumigen haben sich um einen hochinteressanten, genußreichen Abend gebracht, der einen guten Abschluß zu den Jomtoftagen bildete. Die Feier begann mit einem altjüdischen Volkslied „Jeruscholajim“, für Klavier bearbeitet und in gehaltvoller, Stimmung erweckender Weise vorgetragen von Heinrich S c h a 1 i t. Reicher Beifall dankte dem bekannten Künstler, der später noch eine eigene Komposition zu Gehör brachte und außerdem in feinfühliger Art die Gesangsvorträge am Flügel begleitete. Die Gedächtnisrede hielt in jiddischer Sprache unser Münchener jiddischer Dichter und Literaturkenner Josef L o e w y. Aus dem bedeutenden Gehalt seines Vortrags, in dem sich Loewys ganze Begeisterung für die ostjüdischen Dichter widerspiegelte, wollen wir folgendes hervorheben: Peres war allseitig; er verkörperte die Zerrissenheit der jüdischen Seele, aber auch ihre Hoffnung. Er stand unter dem Einfluß von Heine wie auch von polnischen und russischen Dichtern, er wurde jedoch Herr über die fremden Elemente, die er in sich aufgenommen und verarbeitet hatte. Seine Hauptstärke liegt nicht so sehr in seinen Gedichten, von denen besonders seine sozialen gut sind, als insbesondere in seinen Novellen — man kann ihn geradezu den jiddischen Novellisten nennen — und in seinen Dramen. Zum jüdischen Roman erhob er sich nicht, allein seine Novellen stehen an Ausarbeitung der Charaktere dem Romane kaum nach. In ihnen war er Maskil, Dichter und Publizist zugleich. Er war in erster Linie Aufklärer, dann aber Realist, wie z, B. in seinem „Bonze Schweig“, und Kämpfer für die Unterdrückten und Schwachen, ähnlich wie sein Vorbild Dostojewski. Perez ist aber auch der jüdische Romantiker, der Romantiker des Chassidismus im Kampfe zwischen den Misnagdim und Chassidim. Von

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