Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 16 (17.4.1925)
- Date
- 1925-04-17
- Page
- Seite 288 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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288 Das Jüdische Echo Nr. 16 Das „Leichen-Gesetz“ vom rumänischen Senat angenommen Bukarest. (J.T.A.) Der rumänische Senat hat die Gesetzesvorlage über die Versorgung der medizinischen Fakultäten mit Leichnamen zu Sezierzwecken angenommen. Die letzte Bestimmung des Gesetzentwurfes lautet bekanntlich, daß die Zulassung jüdischer Studierender zum Sezieren davon abhängig ist, daß von den jüdischen Gemeinden eine entsprechende Anzahl jüdischer Leichen zur Verfügung gestellt werden. Das Gesetz gelangt demnächst vor die Kammer, aber auch dort scheint die Annahme desselben gesichert. Unter der Judenschaft Rumäniens hat die Annahme dieses Gesetzes einen niederdrückenden Eindruck gemacht. Die jüdischen Gemeinden Rumäniens hatten gegen die Einbringung einer, solchen Gesetzesvorlage interveniert und sich bereit erklärt, auch ohne Gesetz die nötige Anzahl Leichen beizustellen. Hungersnot in der Ukraine Berlin. (J.T.A.) Nach den letzten hier eingetroffenen Meldungen nimmt die Hungersnot in der Ukraine immer mehr zu. Das ukrainische Rote Kreuz meldet als Folge der Hungersnot massenhafte Skorbuterkrankungen in den Distrikten Odessa, Cherson und N i c o 1 a j e w. Auch die offizielle sowjet-russische Presse bringt ständig Meldungen über die Ausbreitung der Hungersnot. Die in Charkow erscheinende Zeitung „Der Kommunist“ teilt mit, daß in den Gouvernements Charkow, Odessa, Donez, Podolien und Wolhynien 750 000 hungernde Kinder registriert worden sind. In allen diesen Gouvernements ist der größte Teil der jüdischen Bevölkerung in der Ukraine konzentriert. Es ist darum erklärlich, daß die Juden und die jüdischen Kinder unter der Hungersnot besonders zu leiden haben. Der in Rußland weilende Vertreter des Exekutiv- Komitees der Jüdischen Welthilfskonferenz teilt mit, die Not unter der jüdischen Bevölkerung der Ukraine übersteige jetzt diejenige in den Jahren der großen Hungersnot. Jüdisehe Enzyklopädie in hebräischer und deutscher Sprache Berlin. (J.T.A.) Der unter der Redaktion der Herren Dr. Jacob Klatzkin und Dr. Nahum Goldmann stehende Verlag „Eschkol“, der durch die Herausgabe von Standard-Werken des klassischen jüdischen Schrifttums bekannt ist, hat bereits mit den Vorarbeiten für die Herausgabe einer umfassenden Enzyklopädie des Judentums in hebräischer und deutscher Sprache begonnen. Die Enzyklopädie steht unter der Leitung des Herrn Dr. Jacob Klatzkin (als Chefredakteur) und Dr. J. N. S i m c h o n i (als Generalsekretär der Redaktion). Es werden Verhandlungen mit namhaften Gelehrten geführt, die als permanente Redaktionsmitglieder die Leitung bestimmter Abteilungen übernehmen sollen. Die Enzyklopädie wird in 10 Bänden zu je 50 Druckbogen im großen Lexikonformat nach neuen Gesichtspunkten, die von denen der bisherigen Enzyklopädien abweichen, bearbeitet und geordnet. Es wurde ein wissenschaftliches Komitee als wissenschaftlicher Beirat der Enzyklorädie konstituiert, das sich aus folgenden Mitgliedern zusammensetzt: Achad Haam, Rabbiner Dr. Baeck- Berlin, Dr. Bernfeld-Berlin, Prof. Dr. Büchler- London, Oberrabbiner Dr. Chajes-Wien, Oberrabbiner Prof. Dr. Brody-Prag, Prof. Dr. Dubnow- Berlin, Prof. Dr. Elbogen-Berlin, Dozent Dr. Epstein-Berlin, Prof. Dr. Gutman-Berlin, Dr. Jacob Klatzkin-Berlin, Prof. Dr. Simonsen-Kopenhagen, Dozent Dr. Torczyner-Berlin, Prof. Dr. G. Weil-Berlin. Ein ansehnlicher Teil der erforderlichen finanziellen Mittel ist bereits gesichert. So hat die Berliner Jüdische Gemeinde 20 000 M. als Subskription pränumerando bewilligt. Auch die Gemeinden in Frankfurt a. M., München, Köln, Leipzig usw. haben entsprechende Subventionen in Aussicht gestellt. Das Finanzinstitut des Unternehmens ist eine Aktiengesellschaft mit Anteilen von mindestens 1000 Mark. Eine Anzahl Herren haben bereits größere Beträge (je 5000 Mark und mehr) gezeichnet und eingezahlt. Auch die Bne-Brith-Kreise unterstützen das Unternehmen tatkräftigst, ebenso die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums und die Jüdische Akademie für die Wissenschaft des Judentums. Das Kapital steht unter der Kontrolle des bekannten deutschen Finanzmanns Herrn Jacob Goldschmidt, Direktors der Darmstädter Bank. Die Kosten des ganzen Unternehmens belaufen sich auf etwa eine Million Mark. Die deutsche Ausgabe soll, 2000, die hebräische 3000 Exemplare umfassen. Dem deutschen Komitee gehören eine große Reihe führender jüdischer Persönlichkeiten an, so u. a. in Berlin die Herren Direktor Dr. Jacob Goldschmidt, Generalkonsul Eugen Landau, Prof. Sobernheim, Rabbiner Dr. Baeck und Prof. Elbogen. Moses Men d eis oli n-Aus Stellung ln Dessau Berlin (J.T.A.). In der Anhaitischen Landesbücherei zu Dessau ist eine Moses Mendelsohn- Ausstellung eröffnet worden, die auch die gesamte Aufklärungsperiode umfaßt. Der Eröffnung ging ein Vortrag des Bibliothekassessors Dr. Wahl über das Thema „Moses Mendelsohn und seine Geistesrichtungen“ voraus, in welchem Mendelsohns Bedeutung für das Geistesleben des 18. Jahrhunderts, seine Beziehungen zur Aufklärung und ihren führenden Männern und seine Verdienste für das Judentum, das er — wie sich der Vortragende ausdrückte — „aus der Nacht sozialer und wirtschaftlicher Unterdrückung und geistiger Unfreiheit einem neuen Morgen entgegenführte“, gewürdigt wurden. In drei großen Vitrinen bietet sich ein umfangreiches Material, bei dessen Sammlung die Nachkommen Mendelsohns den Veranstalter unterstützt hatten, dem Beschauer dar. In der ersten sind die Werke Moses Mendelsohns, nach dem Erscheinen chronologisch geordnet, meist in Erstausgaben ausgestellt. Aus der Zeit der literarischen Fehde mit L a v a t e r, der ihn vergeblich zum Christentum bekehren wollte, liegt ein äußerst interessanter und wertvoller Brief Mendelsohns an den Erbprinzen von Braunschweig vor. Originell sind die Briefe, die er an seine Braut Fromet Gugenheim in Hamburg geschrieben hat; sie sind in hebräischer Kursive im Jahre 1762 verfaßt und 1859 von einem Dr. Steinheini erstmalig transkribiert worden. Neben Mendelsohns Hauptwerken in Erstausgaben ist auch seine Übersetzung des Pentateuch (1780) und der Psalmen (1783), von denen eine erste Niederschrift