Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 16 (17.4.1925)
- Date
- 1925-04-17
- Page
- Seite 287 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9072829-9103075-9153805--06659-9079374- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 16 Das Jüdische Echo 287 Aus der Jüdischen Weit Völkische Propaganda für einen numerus clausus in der Justizverwaltung Bayerns München. (J.T.A.) In einer von den vier völkischen Vereinigungen veranstalteten Versammlung hielt Dr. Rohmeder einen Vortrag und kündigte die Einbringung eines Antrags im bayerischen Landtag an, der folgendermaßen lauten soll: „In der Justizverwaltung Bayerns sind in Zukunft jüdische Richter nur im Verhältnis der jüdischen Bevölkerung zur Gesamtbevölkerung des Landes (1:99) anzustellen.“ Der Redner führte weiter aus: Im Hundertsatz ist die Zahl der jüdischen Richter in den Berufungsinstanzen, besonders in den Landgerichten, am stärksten vertreten; doch auch in die Landesgerichte, ja selbst in das Oberste Landesgericht ist der jüdische Richter bereits eingedrungen. Im gesamten bayerischen Richterpersonal von 1718 richterlichen Personen ist das Judentum (mosaische und getaufte Juden, sowie jüdische Abkömmlinge der ersten Geschlechtsfolge) mit 147, das sind 8,5 Prozent vertreten. Dies sei ein unerträgliches Mißverhältnis. Es wäre zu wünschen, daß sich in der Bücherei eines jeden Gerichtes oder in der Handbücherei eines jeden Richters die folgenden Bücher befänden: 1. eine gerichtlich durch vereidigte jüdische Sachverständige anerkannte deutsche Übersetzung aus dem Schulchan-Aruch; 2. „Die Geheimnisse der Weisen von Zion“; 3. eine deutsche Übersetzung von Henry Fords zweibändigem Werke „Der internationale Jude“. Philipp Schiff in Frankfurt a. M. gestorben Berlin. (J.T.A.) Nach einer Mitteilung aus Frankfurt a. M. ist dort vor einigen Tagen im Alter von 83 Jahren Herr Philipp Schiff verschieden. Der Verstorbene war ein Bruder des weltbekannten New Yorker Bankiers und Pilanthropen Jacob Schiff. Beide Brüder entstammten einer Familie, die seit Jahrhunderten in Frankfurt a. M. ansäßig war und großes Ansehen genoß. Der Verstorbene hat sich in der jüdischen Wohlfahrtspflege rühmlich hervorgetan, ^mmiiniinyBii/iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiTiuiuiüMüiüiuiL'nMKMHinttMnmnjmmiiimmmTiTnr.iHiiiiniiLiHiinuiUumtlUüUllliyHllliüfe GASTSTATTEN PRBYSIJfG PAL« AI iS Der vornehme Aufenthalt bei mässigsten Preisen Menu Mk. 3.— u. 4.— Tischbestellnng: Telefon 25 8 97 |nimiiiimmiMiiiniiiniinHiiiniMiiii|i er hatte die Initiative zur Gründung der Henry- Budge-Stiftung ergriffen und war auch in hervorragendem Maße an der Finanzierung der Frankfurter Universität beteiligt. Er besaß eine hohe Bildung und stand im religiösen Leben dem konservativen Judentum nahe. Regen in Jerusalem — Ende der Trockenheit Jerusalem. (J.T.A.) Nach langer Zeit der Trockenheit fiel am 3. April in Palästina reichlicher Regen. Die Freude im Lande, insbesondere in der Hauptstadt, die empfindlich an Wassermangel litt, ist ungeheuer. Der Regen ging den ganzen Tag nieder. 8000 neue Zertifikate für Palästina-Einwanderer Laut den in den verschiedenen Palästinaämtern eingelaufenen Berichten hat die Palästinaregierung der Zionistischen Exekutive für die nächsten sechs Monate 8000 neue Zertifikate für nach Palästina einwandernde Chaluzim zugeteilt. Von diesen 8000 Zertifikaten erhält das Warschauer Palästinaamt 3000, wovon 1500, die für die Monate Mai, Juni und Juli bestimmt sind, also 500 pro Monat, bereits assigniert sind. Eine Freilichtbühne in Palästina Wie uns aus Palästina berichtet wird, ist an der Schwelle zwischen Tel Aviv und Jaffa von Herrn David Haltrecht ein hebräisches Theater geschaffen worden, das im Freien spielen wird. Gerade in Palästina, wo infolge der langen Wärmeperiode der Aufenthalt in geschlossenen I^äumen während vieler Monaten des Jahres mit großen Unzukömmlichkeiten verbunden ist, dürfte dieser gegen 500 Sitze fassenden ersten hebräischen Freilichtbühne größere Bedeutung zukommen. Die offizielle Eröffnung des Theaters findet am 9. April — in Palästina gibt es bekanntlich nur einen Feiertag — statt. Eine Gartensiedlung der Bne Brith in Jerusalem Bekanntlich hat der palästinensische Bne Brith eine Bodenparzelle in Entfernung von 30 m von Giwath Saul zwischen dem Wege nach Jaffa und dem alten Wege nach Mozzah erstanden, wo nach dem ursprünglichen Plane eine vollständige Gartenstadt hätte angelegt werden sollen. Nach den neueren Plänen will man sich jedoch mit der Gründung einer Gartensiedlung begnügen. Diese Siedlung soll in 100 Bauparzellen eingeteilt werden. 77 Mitglieder sind bereits eingetragen und 23 Plätze sind noch zu vergeben. Eine Kwuzah der Arbeiter des Hassolel hat von sich aus 14 Dunam erstanden und sich dieser Bne Brith-Siedlung angeschlossen. Laut dem dieser Tage erstatteten Rechenschaftsbericht steht für diese Siedlung bereits ein Kredit von 200 000 Dollar bereit, der an die ersten 100 Mitglieder gegen 6 Prozent Verzinsung und Rückzahlung binnen 20 Jahren verteilt werden soll. Man hofft, Ende dieses Jahres mit den Bauten beginnen zu können. (Ziko) Geschenk der Tschecho - Slovakischen Regierung an die Jüdische National- und Universitätsbibliothek in Jerusalem Die tschecho-slovakische Regierung, welche bereits vor zwei Jahren der jüdischen National- und Universitätsbibliothek wertvolle Bücher gesandt hatte, spendete neuerlich eine Sammlung von Büchern über die kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung der tschecho-slovakischen Republik während der letzten Jahre.