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Das jüdische Echo · 1925-04-17 · 16 (17.4.1925) · p. Seite 280

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
16 (17.4.1925)
Date
1925-04-17
Page
Seite 280 (sequence 8)
Language
German
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280 Das Jüdische Echo Nr. 16 des praktischen Lebens nicht in Gebrauch. Eine ungeheure Wirkung hat die Übersetzung der hebräischen Bibel aut die gesamte englisch sprechende Welt gemacht. Eine Sprache, die sogar in der Übertragung soviel Lebenskraft beweist, muß immer lebendig bleiben. Sie wird sich als Sprache der Laboratorien ebenso bewähren, wie sie als Sprache der B'ibel schöpferisch tätig war. Grundlos ist die Furcht, daß es der Universität an Lehrern fehlen wird. Juden wie Bergson, Freud und Einstein, Repräsentanten des jüdischen Geistes, haben die Wissensgebiete nach allen Richtungen hin befruchtet und umgestaltet. Die Universität ist eine hebräische Universität, und ihre Sprache muß hebräisch sein. Es ist aber ein Irrtum zu glauben, daß die Araber aus dieser Universität nicht weitesten Nutzen ziehen werden. Ich hoffe, die Araber werden sich jener dunklen Zeiten erinnern, da die Zivilisation unter der Knute der Barbaren lag und da Juden und Araber sich gemeinsam bemüht haben, die ersten Strahlen des Lichts in die Dunkelheit zu senden und sie zu durchbrechen. Wenn Juden und Araber in der Aufklärung Europas damals zusammenarbeiteten, warum soll jetzt in Palästina eine jüdisch-arabische Zusammenarbeit nicht möglich sein? Wohl bestehen unvermeidliche Schwierigkeiten in den Religionsunterschieden, aber ich hoffe, diese Unterschiede werden die großen Bestrebungen, die die Juden mit so großem Gelingen verfolgen, nicht unterbinden. Alle wissen, daß Lernen nicht trennt, sondern eint. Das Studium vereinigt die Kräfte aller Menschen für die allgemeinen Kulturinteressen. Lord Balfour schloß mit dem Ausdruck des Glaubens, daß die Universität großen Zielen entgegengeht, und daß die Menschen, die in ihr lehren und lernen werden, den Besten nicht nachstehen werden. Mit dieser Hoffnung und in diesem Geiste eröffne ich die Universität. Die Rede Lord Balfours, der in der roten Rektoratstracht eine imponierende Erscheinung bot, machte auf die illustre Zuhörerschaft sichtlich einen tiefen Eindruck. Als Lord Balfour die Estrade verließ, wurden ihm große Ovationen, ® sttYffl mm Nestor Gianadis Cigaretten zu denen Sir Herbert Samuel das Zeichen gab, bereitet. * Am Tage der Abreise Lord Balfours aus Jerusalem, am 5. April, wurden ihm im Namen des jüdischen Palästina Andenken an seinen Besuch im heiligen Lande überreicht. Die Zionistische Exekutive schenkte Lord Balfour ein wundervolles Pergamentrollen-Manuskript der Bücher Esra und Nehemia. Der Waad Hair (jüdischer Staatsrat in Jerusalem) überreichte ihm einen Teppich mit Bibelinschriften. Das Direktorium des Nationalfonds schrieb Lord Balfours Namen in das Goldene Buch des Keren Kajemeth ein. Lord Balfour dankte gerührt. * Die palästinensisch-arabische Zeitung „L i s s a n e 1 Ar ab“ drückt in ihrer Ausgabe vom 5. April ihre Genugtuung über das Bestehen der hebräischen Universität aus. Die Zeitung sagt, die kulturelle Arbeit der Juden in Palästina und die Energie der Zionisten seien allen Lobes wert. Es steht nun fest, daß an der Feier der Universitätseröffnung 300 Araber teilgenommen und sich in die Gastliste eingetragen haben. * Das Universitäts-Komitee der Zionistischen Exekutive in London hat anläßlich der Eröffnung der Hebräischen Universität in Jerusalem eine Broschüre in deutscher Sprache veröffentlicht, die in eingehender Weise über die Entwicklung des Universitätsprojektes und die weiteren Ziele der Universitätsleitung Aufschluß gibt. Die Broschüre ist sehr schön ausgestattet und enthält eine Reihe von Abbildungen der Entwürfe des Professors Patrick Geddes und der jetzt eröffneten Baulichkeiten. Das Erscheinen dieser Broschüre wird von allen Freunden der Universität mit lebhaftem Interesse begrüßt werden. Die Broschüre ist im Buchhandel für Mk. 1.— zu haben. Eindruck der Universitätseröffnung in Hmerika Zwei große Spenden in Gesamthöhe von 350 000 Dollar New York (J.T.A.). Nach der großen Kundgebung unter freiem Himmel, die am 1. April aus Anlaß der Universitätseröffnung in Jerusalem in New York stattfand, wurde eine geschlossene Versammlung abgehalten, an der 3500 Personen teilnahmen. Der Präsident des Amerikanisch- Jüdischen Kongresses Rabbiner Qr. Stephen S. Wise, der der Hauptredner war, erklärte, daß er sich der zionistischen Organisation, die er im Jahre 1921 zusammen mit Oberrichter Brandeis und Richter Mack verlassen hatte, wieder anschließen werde. Dr. Wise war zur Zeit seines Austritts aus der Organisation Mitglied des Großen Aktionskomitees der Zionistischen Weltorganisation und Vize-Präsident der Amerikanischen Zionistischen Föderation. — Mr. David W. S im o n s aus Detroit erklärte, daß er der Universität 7500 Dollar schenke, außerdem ein Grundstück für die Universitätsbibliothek aus eigenen Mitteln erwerben wolle. Mr. Samuel Untermeyer, der Präsident des amerikanischen Keren Hajessod, schenkte 4000 Pfund für die Ausgestaltung des auditorium maximum der Universität und sandte ein entsprechendes Telegramm an die Universitätsleitung nach Jerusalem ab.

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