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Das jüdische Echo · 1915-04-08 · 15 (8.4.1915) · p. Seite 265 [263]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
15 (8.4.1915)
Date
1915-04-08
Page
Seite 265 [263] (sequence 18)
Language
German
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265 Das Jüdische Echo rischen Heimat, namentlich an der Preßburger Jeschiwah, die Schätze der Thoragelehrsamkeit sich erworben hatte, die ihn, abgesehen von seiner Persönlichkeit an sich,in erster Linie zu seinem seltenen Wirken in unserer Mitte befähigten. Was er in dieser langen Zeit als Lehrer, als TD 2 , in der ersten Zeit auch als Schochet und schließlich als Berater von Jung und Alt geleistet hat und wie er, namentlich unter den Heranwachsenden, nitPDJ rülp gewesen ist, das ist wenigstens andeutungsweise bei seinem 25 jährigen Jubiläum zum Ausdruck gekommen und kann an diesem frischen Grab nicht näher geschildert werden. Nur einige Streiflichter und Erinnerungen mögen helfen, uns sein Bild in Ganzheit vor Augen zu stellen- Das nmiDl ynp y?, mit dem er an den LPiOU ü'W vor den Tlfty trat und das etwa bei derHITns des Mussaf des l. Neujahrtages, bei den Selichoth von Kol Nidrej oder beim letzten n?nn nDNi im Mussaf von Jom Kippur besonders erschütternd »sich wie Wasser ausgoß“ und seine Gemeinde mitriss, sie ■der niltfiM und der D'ömn rHD näherbringend — dieses Mitschwingen seines Herzens noch mehr als der seltene und starke Wohlklang seiner Stimme und als sein treues Anschmiegen an Sinn und Trennung der Worte und andiealtenNiggunimwares,was ihn zu einem so einzigartigen, unersetzlichen Vorbeter stempelte, der dem rein Musikalischen zuliebe niemals Höheres zurücktreten ließ. Die Frühlings¬ und Liebesweisen, die er in die nil-Hymnen hineinzulegen verstand, werden wir an den kommenden Festtagen besonders schmerzlich vermissen. Wie seine Schüler an ihm hingen und welchen Einfluß sie aus seinen, alte HTirn npL^n atmenden und verbreitenden Schiurim (vom Elementarunterricht bis zu den Tiefen des TlftPnn CP) verspürten, geht deutlicher als aus langen Schilderungen vielleicht aus einer kurzen Episode hervor: als vormehr als 20 Jahren an ihn ein ehrenvoller Ruf der „Adaß Jisroel“ in Berlin gelangte, dessen günstige Bedingungen namentlich in Richtung erhöhter Lern-und Lehrmöglichkeiten seinen Weggang von hier fast unvermeidlich erscheinen ließen, da kamen eines Freitag abends nach Schul ein paar Knaben in seine Wohnung hinauf, um ihm unter Tränen zu klagen: wenn er fortginge, so erschiene ihnen das unerträglich,so wüßten sie nicht, wie sie den unter seiner Führung begonnenen Weg von nVIXSl min stetig und sicher fortsetzen könnten; dieses Flehen seiner Schüler hat wohl zusammen mit den aufopfernden Bemühungen seiner Ohel Jakob-Gemeinde ihn zum Bleiben an seiner Wirkungsstätte vermocht. Seine eigene mnnpnn fürs „Lernen“ konnte der Fernstehende am besten im Anschluß an die unvergleichlichenrwn unseres Rabbiners bewundern, wenn er wochenlang immer wieder den und jenen Gesichtspunkt erörterte, prüfte und weiterführte; mit solchen Überlegungen auf den Lippen und Gedanken hat er uns denn auch verlassen. Lind all das war begleitet von einer rührenden Bescheidenheit, die umso deutlicher wurde, je mehr man ihn kannte; Details vpn seinem Streben, nicht öffentlich als der ÜCH TD?n zu erscheinen, der er war, wage ich auch heute nicht an die Öffentlichkeit zu ziehen. Die Menschenliebe, die es bewirkte, daß er in seltenem Grade nur Freunde hatte, ging Hand in Hand mit einem sonnigen, optimistischen Temperament; besonders seit sich sein Herzenswunsch erfüllt, seit ihm noch längeren Jahren seine Gattin den ersehnten Sohn geschenkt hatte, war er ein yon innen heraus dankbar glücklicher Mann, der das Größerwerden des Sohnes in D'Dt^nxTinTinnnpt^n voll Freude begleitete und sich der HD] freute, ihn an eine JeschiwahseinerHeimat schicken zu können. Mit Gattin und Sohn bleiben wir alle trauernd zurück, unter dankbaren Tränen gedenkend, was wir ihm verdanken, unter Bangen uns sagend, daß wir keinen wahren ’pIDIl Ift'iy finden können. Er aber ist hingegangen, zwar jung an Jahren, aber ohne Leiden, in einer wahren np'tW nrPD, in der doppelten Schönheit des hingebungsvollen Lebenswirkens und der lauteren Herzensreinheit, die ihm und uns die gestrige Htm unseres Rabbinersv/J als Kontrast zu dem "TI-Thema CSV gegenüber ^H) vor Augen rückte. Wir rufen ihm dankbarzu: DTtf ’-DD rPS^EP .□^y^ 'n pin p hy “pninstso p p*in Du hast Dich doppelt an Schönheit ausgezeichnet vor den Menschenkindern, Anmut ergoß sich auf Deine Lippen; darum segnete Dich der Weltenrichter für die Ewigkeit. München, 11. Nissan Adolf Fraenkel Die Beerdigung des Herrn Kantor Rotter fand am Montag Nachmittag unter zahlreicher Beteiligung statt. Des Monat Nissan halber gedachte Herr Rabb. Dr. Ehrentreu nur in kurzen Worten des Verblichenen. Seine Ansprache schloß mit dem ,,E1 mole rachamim“-Gebete. Am 26. April findet in der Synagoge Herzog Rudolfstr. ein Trauergottesdienst um den Dahingegangenen statt. Literarisches Echo Arthur S a k h e i m. Das jüdische Element in der Weltliteratur. Sielten Vorträge. Verlag Hazoref, Buchhandlung Goldschmidt, G. m. b. H., Hamburg, 1924. 191 S. Halbl. Mk. 5.50. Auf engen Raum gedrängt gibt Sakheim umfassendes Wissen in dieser jüdischen Literaturgeschichte, denn eine solche stellen die sieben Vorträge dar, keine Analyse jüdischer Eigenart, wie der Titel vermuten ließe. Trotzdem wird kein Leser enttäuscht sein, denn die „Schalheweth Jah“, der jüdische Impetus durchglüht das Werk. Diese lebendige Kraft macht das Buch zu einem „Zeugnis“. Die Hingabe an den Stoff reißt mit. Die Sprache ist demgemäß impulsiv und subjektiv gefärbt; die Häufung der Superlative von allem Anfang an wirkt allerdings im abschwächenden Sinne und gibt der verdienstvollen Vortragsreihe allzusehr den Charakter des Dithyrambus. Auch würden die Stellen, in denen sich der Verfasser über Flüchtlinge aus dem Judentum und Judenfeinde äußert, vielleicht stärkere Wirkung ausiiben, wenn er sich mancher fast trivaler Zornesäußerung enthielte. Aus starker Belesenheit heraus gibt Sakheim eine abgerundete Übersicht über die jüdische Literatur (soferne sie nicht rein religiösen Charakter trug) seil Abschluß des Kanons, darüber hinaus — und damit begibt er sich auf sein eigentliches Gebiet, dessen eingehende Bearbeitung durch die zu weit gesteckten Grenzen etwas leidet — wird die M i t a rb e i t von Juden an der Weltliteratur und d e re n Beeinflussung d urch jüdische Lite r a t u r und j ii d i - s'ches Wesen aufgezeigt. Daß das zwischen Philo, Gabirol und Kurt Hiller weitgespannte Netz vielfach mit schlagwortartiger Charakteristik chronikartig wirkt, ist natürlich und auch nicht wertlos. Dies Buch, das man als „Literature juive vue ä travers un temperament“ bezeichnen möchte, wird Vielen Anregung zur Vertiefung geben. Und damit ist bei der beklagenswert geringen Beschäftigung Vieler mit jüdischen Dingen schon manches

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