Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 15 (8.4.1915)
- Date
- 1915-04-08
- Page
- Seite 264 [262] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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264 Das Jüdische Echo Nr. 15 Hus der Geschichte der württembergischen Judenheft Entstehung der Gemeinde Tübingen. Die israelitische Gemeinde Wankheim,* *) aus der die israelitische Gemeinde Tübingen hervorgegangen ist, datiert seit etwa anno 1775, in welcher Zeit Israelitein aus Braunsbach, dem Schwarzwald und namentlich Hohenzollern (wo die Juden unter gar vielen kleinen und kleinlichen Bedrückungn zu seufzen hatten, wie zum Beispiel nur der älteste Sohn gegen ein festgesetztes Entgelt heiraten durfte, während die Jüngeren erst mit dem Eintritt in das, ich glaube 35. Lebensjahr mit dieser Erlaubnis beglückt wurden) von dem damaligen Grundherrn Wankheims, Freiherrn von Saint-Andre die Genehmigung zur Niederlassung erhielten. Ihnen folgten bald' weitere Familien nach, bis sich eine kleine, arme, dürftige Gemeinde bildete. Arm und dürftig deshalb, weil sie mit Lasten und Abgaben in überreichem Maße gesegnet war; außerdem mußte jedes Familienoberhaupt dem Gutsherrn jährlich 12 fl. Schutzgeld zahlen. Nichtsdestoweniger wurde, obwohl von keiner Seite irgend ein Zuschuß gewährt wurde, in einem gemieteten Lokal ein Betsaal hergerichtet und ein Vorsänger angestellt, der auch den Kindern Religionsunterricht zu erteilen hatte. Für den Begräbnisplatz sorgte der Gutsherr, dem aber für jeden Sterbefall eine Gebühr zu entrichten war, und zwar für einen Erwachsenen 2 fl., für ein Kind 1 fl. Erst im Jahre 1845 ging der Friedhof an die israelitische Gemeinde über. Gemäß dem Erlaß von 1828 und 1832 wurde die Gemeinde Wankheim (-Tübingen-Dußlingen) dem Rabbinat Mühringen unterstellt. Nunmehr begnügte sie sich nicht mehr mit dem Betsaal, der an hohen Festtagen so wie so die Anzahl der Beter nicht fassen konnte (unter welchem Übel zum Beispiel die jetzige Tübinger Synagoge gewiß nicht leidet) und machte es mit großen Opfern und' Kollekte möglich, an den Bau eines Gotteshauses zu gehen, das auch im Jahre 1835 durch den damals zuständigen Rabbiner, späteren Kirchenrat Herrn Dr. Wassermann eingeweiht wurde. Nachdem sich durch die 48 er Revolution die namentlich uns Juden einengenden Fesseln etwas gelockert hatten, verzogen viele Familien nach Tübingen, Reutlingen, Nürtingen, Stuttgart, Regensburg und so kam es, daß die Gemeinde Wankheim bis auf einige Familien herabsank. Die Stadt Tübingen, deren Pflaster seit der Universitätsgründung (1477) von keines Juden Fuß mehr entweiht war, öffnete ihnen seine Tore ebenfalls erst nach dem Sturmjahr 1848, und zwar erhielt als erster Zuzugsrecht Herr Leopold Hirsch (Vater des jetzt noch in Tübingen lebenden Herrn Gustav Hirsch, der in seiner 48jährigen Tätigkeit als Gemeindevorsteher sich um das Gemeindeleben sehr verdient gemacht hat), dem erst nach mehr als zehnjähriger Pause weitere jüdische Familien aus Wankheim nachfolgten. Im Jahre 1882 stellte sich, nach vielen Anstrengungen der Kirche gegenüber der Oberkirchenbehörde, an denen besagter Herr G. Hirsch hervorragenden Anteil nahm, die Gemeinde auf eigene Füße durch den Bau einer Synagoge, zu der Utensilien aus dem Gotteshaus der Muttergemeinde verwendet wurden, mit Zweigfilialen in Reutlingen und neuerdings auch Rottenburg, welch *) Das Dörfchen Wankheim liegt eine Stunde Wegs von Tübingen entfernt. ersterer ein dem eben beschriebenen analoger Werdegang zu prophezeien sein dürfte. Als Lehrer haben seitdem in Tübingen gewirkt: Thalmann, Ehrlich, Kann, Marx, Strauß, Gideon, Adler, Pollak, Lehrmann. Kuno Lehr mann. Februareingänge des Keren Hajessod Im Februar sind beim Keren Hajessod-Hauptbüro in London fast 44 000 St. eingegangen. Neben Amerika mit seinen rund 23 500 St. überwiesen Rumänien über 4700 St., Polen rund 4000 St. und Deutschland rund St. 3500. Auch die Überweisungen aus England und der Tschechoslovakei zeigten Fortschritte auf. Von der Gesamteinnahme von rund St. 44 000 sind ungefähr St. 4700 für die Hebräische Universität bestimmt, so daß für die Deckung des Palästina-Budgets nur ca. St. 39 000 übrig bleiben, ein Betrag, der keinesfalls die Erfüllung sämtlicher Verpflichtungen des Keren Hajessod ermöglicht. Es ist jedoch zu hoffen, daß die Eingänge des Keren Hajessod während der nächsten Monate ständig zunehmen werden. Die Gesamteingänge des Keren Hajessod betragen demgemäß per 28. Febr. 1925 St. 1 712 709.3.5. Leopold Rotter Am Vormittag des 5. April (11. Nissan) erlag der erste Kantor und Religionslehrer der orthodoxen Gemeinde Ohel Jakob, München, Herr Leopold Rotter einem Schlaganfall. Der Verlebte, welcher ein Alter von 56 Jahren erreichte, konnte im abgelaufenen Jahre sein 25-jähriges Jubiläum als Beamter von Ohel Jakob feiern und bei dieser Gelegenheit wahrnehmen, welch hoher Wertschätzung er sich allenthalben erfreute. Sein Vorbeten, wobei man neben der vorzüglichen gesanglichen Leistung auch das innerliche Fühlen der Gebete beobachten konnte, war mustergültig; nicht minder vortrefflich waren seine Leistungen als Lehrer. Zahlreiche bereits im Leben stehende Männer wissen davon Zeugnis abzulegen, welch wertvolle geistigen Schätze sie dem ausgezeichneten Lehrer verdanken. Seine hervorragenden Kenntnisse unserer Schriften befähigten ihn auch, weiteren Kreisen Lehrvorträge zu bieten, die gewürzt durch seinen reichen Humor, stets aufmerksame Zuhörer fanden. Sein geselliges Talent, gepaart mit einer gefälligen Toleranz, erwarb ihm auch viele Freunde außerhalb seines Wirkungskreises, welche mit seiner Gemeinde sein Hinscheiden beklagen. Möchte die allseitige Teilnahme, welche sich der trauernden Witwe und dem einzigen Sohne zuwendet, diesen einen kleinen Trost im schweren Leid bieten. Jakob F r ä n k e 1. * Die Festesvorbereitungen sind durch jähenTrauerton gestört, die Tage der Reinigung und Heiligung unserer Wohnungen haben in diesen ersten Nissanwochen — wie einst vor Jahrtausenden bei rDUn pfiPDil — einen schmerzlichen Höhepunkt der Läuterung und Entsühnung gefunden im Hingang eines P'Htt, der eine uns in dieser Stunde noch unfaßbare Lücke zurückläßt: Elieser Leopold Rotter 7//5JL Vor 27 Jahren hielt der Dreißigjährige den Einzug in unsere Gemeinde, aus Nordbayern kommend, wo er in einer DDH Tö?n m, Keila Ansbacher, die ideale Lebensgefährtin fand, nachdem er in seiner unga-