Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 15 (8.4.1915)
- Date
- 1915-04-08
- Page
- Seite 263 [261] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9072829-9103075-9153802--06634-9079349- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 15 Das Jüdische Echo 263 freien Wohlfahrtspflege zum Gegenstand besonderer Beratungen gemacht. Auf dieser Tagung wurde einstimmig der Beschluß gefaßt, daß die Z. W. St. die Durchführung der Sammlung in allen Teilen Deutschlands energisch in die Hand nehmen müßte. Zu Beginn des Jahres wurde in Berlin die Sammlung „Jüdische Not“, die sich bereits im Jahre 1923 bewährt und durchgesetzt hatte, fortgeführt und ausgebaut. Eine große Zahl von Spendern, von denen ein Teil sich im Laufe der Zeit auch zu regelmäßigen Zuwendungen entschlossen hatte, sind mit zum Teil recht bedeutenden Beiträgen beteiligt, so daß aus dieser Sammlung ein Betrag von insgesamt Mk. 180 000 zur Verteilung gebracht werden konnte. Im Verlauf der Sommermonate ruhte die Sammlungstätigkeit, um im November nach einem neuen Plan wieder aufgenommen zu werden. Die schwierige Lage der jüdischen Wohlfahrtseinrichtungen, die durch die Inflation nahezu ihr gesamtes Stiftungsvermögen verloren haben, die auch nicht mehr auf ausländische Zuwendungen rechnen konnten und von denen daher mit Grund die Aufnahme von parallelen zufälligen Sammlungen befürchtet werden mußte, erheischte dringend die Schaffung von regelmäßigen monatlichen Zuschüssen, durch die wenigstens ein Teil der Fehlbeträge in den Budgets gedeckt werden konnte. Es war uns also zur Aufgabe gestellt, einen Kreis von Förderern zu gewinnen, die sich zur Leistung von regelmäßigen Monatsbeiträgen verpflichteten, die nach Prüfung des Bedarfs in gerechter Weise auf die einzelnen Anstalten zu verteilen waren. Zunächst wurde nach Einstellung einer besonderen finanziell-organisatorischen Kraft dieser Versuch in Berlin unternommen und ist, soweit es sich bisher übersehen läßt, im: ganzen erfolgreich gewesen, wenn auch natürlich die bisher einlaufenden Beiträge nur einen Teil des ungeheuren Fehlbetrages in den Budgets, nicht aber die ganze erforderliche Summe zu decken in dler Lage sind. Um jede Konkurrenz mit den Mitgliedsbeiträgen der Vereine, die nach wie vor selbstverständlich notwendig sind, auszuschalten und zugleich den zentralen Charakter der Sammlung scharf zu betonen, wurde als Minimum-Beitrag Mk. 50.— monatlich festgesetzt. Der gute Erfolg dieser Berliner Aktion wird bestimmt auch zur Nachahmung in den übrigen größeren Gemeinden, vielleicht auch in den Landes- und Provinzialverbänden reizen. Gegenwärtig sind Sammlungen in Frankfurt a. M. im Gange, bei denen bereits die Berliner Erfahrung verwertet wird. Es wird Aufgabe des bei der Zentralwohlfahrtsstelle neu geschaffenen Dezernates sein, den örtlichen Zentralen undi den Landesverbänden bei der richtigen Durchführung ihrer Sammelaktionen in jeder Weise behilflich zu sein. Ueberkinger Sprudel Süddeutschlands führendes Tafelwasser Generaldepot Eduard Kühles, München Tel 20 5 42 Ledererstr. 12 Jüdische Tuberkulosenhilfe in Davos Kürzlich ist in Davos ein Verein unter dem Namen „Jüdischer Verein (Kehillath-Jisraei) Davos“ gegründet worden. Dieser Verein bildet die jüdische Gemeinde in Davos und läßt sich als solche auch die üblichen Gemeindearbeiten, wie Synagogenverwaltung etc. angelegen sein. Naturgemäß ist hier die Fürsorgetätigkeit die wichtigste Aufgabe einer jüdischen Gemeinde. Denn Hunderte von Juden kommen jährlich hierher, um Heilung von der Tuberkulose zu suchen. Die Länge der zur Wiederherstellung unbedingt notwendigen Kur braucht nicht nur die geringen Mittel der Armen auf, sondern bringt auch die Kranken aus dem Mittelstand in größte Not. Daher kommt es, daß von den tuberkulös Erkrankten der weitaus größte Teil — nur die ganz Wohlhabenden ausgenommen — schließlich auf öffentliche Hilfe angewiesen ist. Die furchtbaren Leiden der Kriegs- und Nachkriegszeit haben die Zahl der Tuberkulose-Erkrankungen in erschreckendem Maße ansteigen lassen. Die katastrophale Wirtschaftslage der jüdischen Massen im Osten hat einen günstigen Nährboden für die Ausbreitung dieser Volksseuche geschaffen. Aber auch in den Ländern Mitteleuropas wütet die Tuberkulose als Folge der schlechten Ernährungsverhältnisse im letzten Jahrzehnt mehr denn je. Ein großer Teil der Schweizer Juden hat sich bereits seit mehreren Jahren zu einem Hilfsverein für jüdische Lungenkranke in der Schweiz zusammengeschloss e n und eine jüdische Heilstätte in D a - v o s errichtet. Dieser Hilfsverein bringt jährlich die Summe von rund 100 000 Schw. Franken auf, eine im Verhältnis zur Zahl der Schweizer Juden sehr beträchtliche Leistung. Dennoch ist und bleibt es für ihn ein Ding der Unmöglichkeit, allen aus verschiedenen Weltteilen zu ihm gelangenden Gesuchen um Aufnahme in seine Heilstätte zu entsprechen, sowie den vielen, für einen Aufenthalt in Davos zugereisten Petenten zu willfahren. Daher hat der Schweizer Hilfsverein immer von neuem einen Appell an das Ausland gerichtet, eine großzügige Hilfe zu organisieren. Leider ist dieser Ruf ungehört verhallt. Der Jüdische Verein Davos, zu dessen Mitgliedern die Leidensgefährten der bedürftigen Kranken zählen, kennt aus täglicher Anschauung am besten die Not der Tuberkulose, die es zu lindern gilt. Er ist deshalb die berufene Informationsstelle über alle Fragen, die den Tuberkulosekranken angehen. Vor allem muß er darauf hinweisen, daß die Hilfsmittel, die heute für bedürftige Lungenkranke hier zur Verfügung stehen, noch sehr beschränkt sind und daß daher ein planloses Herreisen mittelloser Patienten ohne Vorsorge tür die erforderlichen Kurkosten zu vermeiden ist. Nur eine Hilfe, die durch Zusammenfassung der berufenen jüdischen Hilfsorganisationen aller Länder in die Wege geleitet wird, kann den großen Aufgaben gerecht werden. Es kann festgestellt werden, daß die Arbeit des Jüdischen Vereins Davos, die sich jetzt darauf beschränken muß, Kurgäste zur Bereitstellung von Geldmitteln für die zu lindernde Not heranzuziehen, überall warmer Sympathie begegnet und tatkräftige Unterstützung findet.