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Das jüdische Echo · 1915-04-08 · 15 (8.4.1915) · p. Seite 260

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
15 (8.4.1915)
Date
1915-04-08
Page
Seite 260 (sequence 12)
Language
German
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260 Das Jüdische Echo Nr. 15 Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden im Jahre 1924*) 4. Archiv für wissenschaftliche Arbeiten und Information Wie bereits hervorgehoben, hat die Z. W. St. sich ununterbrochen bemüht, ein Archiv zu schaffen, in welchem das gesamte für die jüdische Wohlfahrtspflege betreffende Material sorgfältig zusammengetragen wurde. Zur Zeit verfügt die Zentralwohlfahrtsstelle über eine ausgezeichnet ausgebaute Anstaltskartothek, über ein umfangreiches Material auf dem Gebiete der halboffenen und der offenen Fürsorge. Es finden dauernd Umfragen bei den örtlichen Zentralen, Landesverbänden und Anstalten über die allerverschiedensten Detail-Angelegenheiten statt, so u. a. über die Besoldungsverhältnise in den Einrichtungen, über die wirtschaftliche Lage der Anstalten selbst, über die Zahl der zur Verfügung stehenden Plätze, über die Höhe der Pflegesätze, über das Verhältnis der Wohlfahrtsstellen zu den Behörden usw., sodaß nahezu über jede einzelne in Betracht kommende Frage sich zuverlässiges Material im Archiv befindet. Die Z. W. St. betrachtet es aber nicht nur als ihre Aufgabe, dieses Material im Archiv zu behalten, sondern sucht es der Öffentlichkeit in möglichst weitem Ausmaße zugängig zu machen und hat aus diesem Grunde in dem letzten Jahre dauernd in ihrem Nachrichtendienst Auszüge aus dem Archiv über Anstaltswesen, Erholungsfürsorge usw. publiziert, einen besonderen Anstaltskataster zusammengestellt, der gedruckt bereits vorliegt und der Öffentlichkeit übergeben wird. Sie hat sich ferner in Verbindung mit dem Deutsch-Isr. Gemeindebund in starkem Maße an den Vorbereitungen zur Herausgabe des Handbuches der jüdischen Gemeindeverwaltung und Wohlfahrtspflege beteiligt. Sie ist endlich mit den Vorbereitungen zur Herausgabe eines besonderen wissenschaftlichen Handbuches der jüdischen Wohlfahrtspflege beschäftigt. Durch den Nachrichtendienst hat die Z. W. St. versucht, von Zeit zu Zeit die ihr angeschlossenen Gemeinden, Organisationen und Anstalten auf dem Laufenden zu erhalten über die wichtigsten Fragen im Wohlfahrtswesen und über Leistungen der Z. W. St. Unabhängig davon ist die Presse aller Richtungen ständig mit Material versorgt worden, wenngleich zuzugeben ist, daß nach dieser Richtung noch viel zu tun übrig bleibt. 5. Wirtschaftsfürsorge Es liegt in der ganzen wirtschaftlichen Situation der Nachkriegszeit und der Stabilisierungsperiode begründet, daß die Z. W. St. sich außerordentlich stark auf dem Gebiet wirtschaftlicher Fürsorge betätigen mußte. Man muß hierbei eine Reihe von Operationen unterscheiden. Einmal handelte es sich darum, die letzte Verteilung der Jointg e 1 d e r, die im Jahre 1924 200 000 Doll, betrugen, auf Grund eines neuen Schlüssels vorzunehmen. Es wurde hierbei in besonders starkem Maße die offene Fürsorge berücksichtigt, nachdem in den früheren Ausschüttungen insbesondere die Anstalten Gegenstand der Fürsorge gebildet haben. Die Z. W. St. ist auf Grund der Erfahrungen und) auf Grund sorgfältiger Berichte systematisch vorgegangen und hat die von Joint zur Verfügung gestellten Gelder ohne jeden Abzug von Verwaltungsunkosten in Monatsraten den in Frage kom¬ *) Siehe Nr. 10, 11 und 12 des „Jüd. Echo“. menden Einrichtungen der geschlossenen, halboffenen und) offenen Fürsorge übermittelt, indem sie das Ausführungsorgan des Reichsausschusses der jüdischen Gemeinden Deutschlands zur Verteilung von Auslandsspenden bildete. Hierbei war Gelegenheit gegeben, auf dem Gebiete der Sozialreform wichtige Forderungen, so hinsichtlich der Besoldung, der Wirtschaftsführung usw. zur praktischen Durchführung in den Anstalten zu bringen. Das Reich hat auch im Jahre 1924 der freien Wohlfahrtspflege nicht unerhebliche Gelder zur Verfügung gestellt. In den ersten Monaten fanden Ausschüttungen an die Anstalten auf Grund des § 61 des Finanzausgleichgesetzes statt, und es wurden von d!er Z. W. St. 106 640 Mk. nach den von dem Reichsarbeitsministerium aufgestellten Grundsätzen an sämtliche Einrichtungen der jüdischen Wohlfahrtspflege zur Verteilung gebracht. Von da ab erfolgten die Zuwendungen an die Spitzenverbände zwecks Weiterleiitumg an ihre Einrichtungen hauptsächlich in Form von Darlehen. Es sind der Z. W. St. im Laufe des Jahres 1924 149 500 Mk. zur Verfügung gestellt worden, von denen 62 200 Mk. an die der Z.W.St. angeschlossenen Anstalten als Darlehen herausgegeben worden sind. Die Z. W. St. war immer wieder bemüht, die Anstalten auf die Möglichkeit, zu einem billigen Zinssatz Kredite zu bekommen, hinzuweisen, und wird auch in Zukunft jede Gelegenheit ergreifen, um notleidende Anstalten, namentlich solche, die des Ausbaues bedürfen, aus den Reichsmitteln zu fördern. Ein Bruchteil der Reichsmittel wurde dazu verwendet, um Anstalten die sich in größter Notlage befanden und nicht in der Lage waren, Darlehen aufzunehmen, durch Hergabe von Geldern wieder zu sanieren, vor allem aber sind in einer überaus großen Anzahl von Fällen Unterstützungen an Einzelpersonen im Lande draußen gewährt worden für Unterbringung in Anstalten, für Wiederaufrichtung von Existenzen, wo keine leistungsfähigen Träger zur Hilfsleistung vorhanden waren. Es liegt dies daran, daß ein großer Teil der Gemeinden, namentlich der kleinen, noch nicht in der Lage ist, aus eigenen Kräften notleidende Angehörige ihrer Gemeinschaft, Kleinrentner, Kriegsbeschädigte in ausreichendem Maße zu unterstützen und1 ferner daran, daß Provinzialverbände, die ergänzend eingreifen müßten, zum Teil noch nicht vorhanden, zum Teil nicht genügend finanziell ausgebaut sind. Für ganz besondere Zwecke sind der Zentralwohlfahrtsstelle teils vom Reich, teils von großen allgemeinen Sammlungen Mittel zur Verfügung gestellt worden, so vor allem für die Tuberkulosefürsorge für erkrankte Schwestern. Es wurde ein Betrag von 27 000 Mk. an die Z. W. St. überwiesen, mit deren Hilfe eine große Anzahl von Schwestern in Heilstätten untergebracht werden konnte. Es sind noch Mittel vorhanden, um auch weiterhin helfend eingreifen zu können. Vom Zentralausschuß für die Auslandshilfe, von der Sammlung „Deutsche Nothilfe“ sind regelmäßige Zuschüsse auch an die Z. W. St. gelangt, die an die notleidenden Stellen weitergeleitet worden sind. Ganz besonderen Nachdruck hat die Z. W. St. auch im abgelaufenen Jahre auf die Hebung der Selbsthilfe gelegt. Sie hat sich bemüht, allenthalben die Sammeltätigkeit wieder in Gang zu bringen, und hat auf einer Tagung der örtlichen Zentralen und Landesverbände im Juni 1924 das überaus wichtige Gebiet der Finanzierung der

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