Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 15 (8.4.1915)
- Date
- 1915-04-08
- Page
- Seite 257 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 15 Das Jüdische Echo 257 Bayreuth Berlin (J.T.A.) Wie schon mitgeteilt, hat Siegfried1 Wagner, der in den letzten Jahren in Bayreuth das Hackenkreuzlertum förderte und deshalb jedem Juden den Besuch der Festspiele unmöglich machte, einen für die Presse bestimmten Brief an einen Berliner Rechtsanwalt gerichtet, in welchem versichert wird, „daß die diesjährigen, wie alle kommenden Festspiele in Bayreuth losgelöst von jeder Tagespolitik stattfinden, und1 daß sie im Geiste des Stifters lediglich dem höheren Zwecke der Kunst zu dienen bestimmt bleiben.“ Anknüpfend daran veröffentlicht der Schriftsteller Josef C h a p i r o, der bekanntlich Gerhard Hauptmann sehr nahe steht und Gespräche mit ihm herausgibt, in der letzten Sonntagsnummer des „Berliner Tageblatt s“ unter der Überschrift „Für Bayreuth — gegen Siegfried Wagner“ einen Artikel, in welchem es u. a. heißt: „Dieses Vorgehen ist bezeichnend für Herrn Wagner, der die Bayreuther Festspiele vergangenen Sommer zu einer völkischen Feier, zu einer Ehrung General Ludendorffs auf Kosten der ahnungslosen Bayreuth-Pilger ausgestaltet hatte. Nun verspricht er, daß die kommenden Festspiele frei von jeder politischen oder konfessionellen Schattierung sein werden. Aber dasselbe sagte er auch im Winter 1923/24, als er nach Amerika gekommen war, um bei den reichen amerikanischen, meist aus Deutschland stammenden Juden Geld für Bayreuth zu sammeln." Herr Chapiro schildert dann eine Begegnung mit Siegfried1 Wagner im Hause eines auch in Deutschland durch seine Wohltätigkeit bekannten jüdischen Amerikaners. Siegfried Wagner drückte gegenüber Chapiro seine Freude darüber aus, daß man in München mit Kurt Eisner und mit der „Jüdisch-kommunistischen Saubande“ schnell fertig geworden wäre. Wagner drückte seine große Wertschätzung für General Ludendorff aus und sagte, die „Jüdische Presse“ sei an allem schuld. Er sei bei dem, Hitlerputsch selbst in München gewesen, die Hitlerianer hätten sich musterhaft benommen. Alles was man den Nationalsozialisten vorwerfe, ihre Gewalttaten und Überfälle auf Juden in Nürnberg und München, seien Erfindungen — kurz und gut, Bayern und die Hitlerleute seien Opfer der Verleumdungen der „Jüdischen Presse“. Er sagte weiter, es sei bedauerlich, daß ein Mann wie Otto H. Kahn, der bekannte amerikanische Bankier und Kunstmäzen, für Bayreuth nichts spenden wolle, solange in Bayern Pogromstimmung herrsche. „Wenn man ihm doch begreiflich machte,“ sagte er, „daß das nur Verleumdungen der jüdischen Presse sind!“ Dies Tischgespräch Wagners verbreitete sich in den New-Yorker Musikkreisen, wo die Juden 80 % Konzertbesucher bilden, und diese fehlten bei seinen Konzerten. So kam es, daß die amerikanische Tournee des Sachwalters des Bayreuther Erbes ein Fiasko war. Der Artikel schließt: „Für diejenigen, ob sie nun Deutsche sind oder nicht, die die Wagnersche Kunst lieben und für die Existenz der Bayreuther Festspiele sorgen und Opfer bringen wollen, ist es von größter Wichtigkeit, daß sich Herr Siegfried Wagner, der nun, nach so vielen Skandalen großmütig, patronisierend versichert, daß man „dieses Jahr“ in Bayreuth alle, welchen Glaubens und welcher Abstammung sie auch sein mögen, gleich behandeln wird, von den Festspielen zurückziehe und zwar aus künstlerischen und ethischen Rücksichten, da die Politik, wenn es sich um Kunst handelt, in den Begriff „Ethik“ eingeschlossen ist. Für Bayreuth und gegen Siegfried Wagner — das sei die Parole der Verehrer Richard Wagners in der ganzen Welt!“ Äus der Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde Berlin (J.T.A.). Die Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde hielt am 30. März eine Sitzung ab, in der sie sich mit dem von der Jüdischen Volkspartei ausgehenden Antrag, die Eröffnung der Hebräischen Universität zu Jerusalem am 1. April offiziell zu begrüßen, befaßte. Bekanntlich hat der Vorstand der Gemeinde in einer am 24. März abgehaltenen Sitzung bei Anwesenheit von 5 Vorstandsmitgliedern mit 3 gegen 2 Stimmen einen Antrag, die Hebräische Universität zu begrüßen, abgelehnt. Für den Antrag stimmten der Vertreter der Konservativen G a - lewski und der Vertreter der Jüdischen Volkspartei Herr Dr. Kollenscher; gegen den Antrag stimmten die drei liberalen Vertreter W o 1 f f, Mako w e r und Fuchs. Zwei stimmberechtigte Vorsteher, ein Liberaler und ein Volksparteiler, fehlten. Die Repräsentantenversammlung hat nunmehr von dem ablehnenden Beschluß des Vorstandes keine Kenntnis genommen und ihrerseits mit Einstimmigkeit beschlossen, ein in warmen Tönen gehaltenes Begrüßungstelegramm zur Eröffnung der Hebräischen Universität nach Jerusalem zu senden. Vorher hielt der Vorsitzende der Repräsentantenversammlung, Herr Dr. Stern, eine große Rede, in der er die Bedeutung der Hebräischen Universität in Jerusalem und ihres Judaistischen Institutes eingehend würdigte. In derselben Sitzung befaßte sich die Repräsentantenversammlung mit dem Anträge, die Nationalbibliothek in Jerusalem finanziell zu unterstützen. Vor einiger Zeit hatte Herr Prof. Dr. Heinrich L o e w e , den Antrag gestellt, dieser Bibliothek eine Subvention zu gewähren. Diesem Antrag wurde damals nicht stattgegeben, sondern beschlossen, einen gewissen Betrag für Bibliothekswesen im allgemeinen bereitzuhalten. Jetzt aber wurde dieser Beschluß dahin modifiziert, daß die Jüdische Gemeinde die Summe von 10 000 Mark für Bibliothekswesen mit besonderer Berücksichtigung des Judaistischen Institutes der Hebräischen Universität in Jerusalem bereitstellt. Praktisch bedeutet dieser Beschluß soviel, daß der gesamte Betrag dem Judaistischen Institut zugute kommen wird. In dieser Sitzung kam auch die Vertretung der Berliner Jüdischen Gemeinde im Rate des Preussischen Landesverbandes zur Sprache. Wie schon mitgeteilt, hat der Vorstand der Gemeinde zu dem Rat des Landesverbandes 6 Vertreter der liberalen Vereinigung, 2 Vertreter der Jüdischen Volkspartei und einen Konservativen gewählt; ferner den keiner Partei angehörenden Herrn Dr. Ismar Freund. Die jüdische Volkspartei, die der Zahl ihrer Wähler nach auf 3 Vertreter im Rate Anspruch erhebt, protestierte gegen dieses Wahlergebnis. Die Abstimmung zeitigte aber das Ergebnis, daß die Repräsentantenversammlung den Beschluß des Vorstandes bestätigte, demgemäß die Fraktion der Jüdischen Volkspartei über nur 2 Vertreter im Rate verfügt. Nach Verkündigung des Abstimmungsergebnisses verließen die Vertreter