Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 15 (8.4.1915)
- Date
- 1915-04-08
- Page
- Seite 258 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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25 Das Jüdische Echo Nr 15 der Jüdischen Volkspartei demonstrativ den Sitzungssaal, nachdem der Fraktionsvorsitzende Herr Dr. Alfred Klee erklärt hatte, angesichts der 14 000 volksparteilichen Wähler bedeute die Entscheidung der Majorität eine unerträgliche Vergewaltigung. Unter dem Eindruck der Kundgebung der Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde, hat der Vorstand der Gemeinde seinen vor kurzem gefaßten Beschluß, die hebräische Universität nicht zu begrüßen, aufgehoben und sich der Begrüßung durch die Repräsentantenversammlung angeschlossen. Moses Hess5 50. Todestag Am 6. April jährt sich zum 50. Male der Tag, an dem Moses Hess, der erste Theoretiker des jüdischen Nationalismus und Zionismus in Westeuropa, in Paris gestorben ist. Moses Hess wurde am 21. Januar 1812 in Bonn geboren; er stammte mütterlicherseits von ostjüdischen Gelehrten ab und erhielt seine Erziehung im wesentlichen durch seinen noch in der alten jüdischen Tradition lebenden Grossvater, der seine ganze Lebensrichtung entscheidend nach der jüdischen Seite beeinflußte. Er studierte an der Universität Bonn, insbesondere die Philosophie Spinozas und Hegels, führt dann ein unruhiges Wanderleben und gab im Jahre 1837 sein erstes wissenschaftliches Werk „Die Heilige Geschichte der Menschheit“ heraus, indem er sich dem Gedanken des Kommunismus näherte. 1841 veröffentlichte er dann „Die europäische Triarchie“, eine Philosophie der Politik, deren praktisches Ziel „Die vereinigten Staaten von Europa“ waren. Zusammen mit Karl Marx, Bruno Bauer und Max Stirner gründete Hess in diesem Jahre die linksradikale „Rheinische Zeitung“, bei der er Redakteur und später Korrespondent in Paris war. Er vertritt in dieser Zeitung in großen theoretischen Aufsätzen einen ethischen Kommunismus und wird so der Vater des modernen Sozialismus. Um die Mitte des Jahrhunderts beschäftigte er sich viel mit naturwissenschaftlichen Fragen und fand auf dem Wege über die Erkenntnis der Nationalität den Weg zum Judentum zurück. Die Frucht dieser Studien ist sein im Jahre 1862 erschienenes berühmtes Werk „Rom und Jerusalem“, das, in der Form von Briefen an einen Freund, bereits eine völlige theoretische Grundlage für den jüdischen Nationalismus und Zionismus gibt, in der Forderung der Errichtung eines jüdischen Staates in Palästinas gipfelt und so als der Vorläufer des „Judenstaates“ von Herzl bezeichnet werden kann. Das Erscheinen dieses Werkes bringt ihn in Verbindung mit chowewezionistischen Kreisen, insbesondere mit Hirsch Kalischer, dem er die Gründung einer großen jüdischen Gesellschaft zur Besiedlung Palästinas vorschlägt. Der Eindruck seines Werkes ist im übrigen sehr gering gewesen. Die jüdischen Zeitungen lehnten es sehr heftig abÄ ebenso die Führer des jüdischen Liberalismus in Deutschland, Ludwig Philipsohn und Abraham Geiger, der Hess „einen alten Romantiker mit neuen reaktionären Gedanken“ nannte. Heß beschäftigte sich bald wieder ausschließlich mit der sozialistischen Gedankenwelt, nahm in dem Kampf zwischen Marx und Lassalle für den letzteren Par¬ *) Wir werden in einer der nächsten Nummern des „Jüd. Echo“ eine eingehende Würdigung von Moses Hess Bedeutung als Vorläufer des modernen Zionismus veröffentlichen. D. Red. tei und arbeitete in dem von diesem gegründeten „Allgemeinen deutschen Arbeiterverein“, 1863 kehrte er nach Paris zurück, wo er auch gestorben ist. Seine Leiche wurde auf dem jüdischen Friedhof in Köln-Deutz beigesetzt. Heß gehört unstreitig zu den größten Geistern, die das deutsche Judentum im 19., Jahrhundert hervorgebracht hat, und ist der Vater der Gedankengänge des modernen politischen Zionismus.*) (Ziko) Aus der JüdischenWelt Deutschland Professor Eduard Rosenthal tritt von seinem Lehramt zurück. Berlin (J.T.A,). Der Staatsrechtslehrer der Thüringischen Landesuniversität, Geheimer Justizrat Prof. Dr. Eduard Rosenthal, der erst vor kurzem sein Mandat zum Thüringer Landtag niedergelegt hat, ist mit dem 1. April d. J. von seinen akademischen Pflichten entbunden worden. Wie erinnerlich, hat Prof. JLosenthal, der der Schöpfer der thüringischen Staatsverfassung ist und mehrere Jahre Präsident der demokratischen Landtagsfraktion war, in einem Briefe an politische Freunde erklärt, die unaufhörliche Hetze der Rechtsparteien gegen ihn als Juden hätte ihm jede politische Betätigung verleidejt. Es i^t nicht unmöglich, daß dieselbe Hetze Prof. Rosenthal veranlaßt hat, nunmehr auch auf sein Lehramt zu verzichten. Professor Dr. Teubler nach Heidelberg berufen. Zürich (J.T.A.). Der Professor der Alten Geschichte an der Universität Zürich, Dr. Teubler, hat zu gleicher Zeit 2 Berufungen, und zwar nach Freiburg i. Baden und Heidelberg erhalten. Prof. Teubler hat den Ruf nach Heidelberg als Nachfolger von Prof. Dr. v. Domaszcewski angenommen. Prof. Teubler ist bekanntlich mehrere Jahre Dozent an der Berliner Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums gewesen. Er war auch der eigentliche Anreger der Akademie für die Wissenschaft des Judentums, die in ihreq^ Anfängen nach seinen Plänen und Gedankengängen aufgebaut war. Prof. Teubler ist ein überzeugter Anhänger der zionistischen Bewegung und steht in enger Beziehung zu einer Reihe seiner in Palästina wirkenden Schüler. Eine Doktordissertation über die Rinderzucht in Palästina. An der Universität Halle promovierte Herr Salo Jonas, der bis vor einem Jahre bei der Kolonisationsabteilung der Zionistischen Palästina-Exekutive als Instruktor für Rinderzucht angestellt war, zum Doktor der Naturwissenschaften auf Grund einer Dissertation über die Rinderzucht in Palästina. (Ziko) 60. Geburtstag Dr. Bodenheimers. Am 21. März feierte Justizrat Dr. M. I. Bodenheimer in Köln seinen 60. Geburtstag. Bodenheimer ist schon in sehr jungen Jahren mit zionistischen Gedankengängen in Berührung gekommen. Im Jahre 1891 bereits veröffentlichte er eine Schrift „Syrien und Palästina als Zufluchtsort für die russischen Juden“ und gründete gemeinsam mit David Wolffsohn im Jahre 1893 die Kölner Zionistische Vereinigung als ersten Chowewe-Zionistischen Verein in Deutschland. Im Jahre darauf beteiligte er sich an der Gründung der Freien Israe-