Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 15 (8.4.1915)
- Date
- 1915-04-08
- Page
- Seite 254 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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254 Das Jüdische Echo Nr. 15 In tiefschürfender Rede führte nach ihm Herr Dr. Nachum G o 1 d m a n n die große Bedeutung dieses Tages für die Juden der gesamten Welt aus. Er verwies darauf, daß mit den ersten Universitätsinstituten auf dem Berge Skopus neben den erfolgreichen Anfängen eigener jüdischer Arbeit auf den Gebieten des Ackerbaus, des Siedlungswesens und sonstiger wirtschaftlicher Zweige nun auch die freie Entwicklung jüdischen Geistes gewährleistet sei. Wie vor 150 Jahren mit dem Wirken Moses Mendelssohns die individuelle Emanzipation der Juden eingeleitet wurde, so bedeute der heutige Tag die Emanzipation des Judentums in der Welt. Bezeichnend für diese Zielsetzung sei die Auswahl der als Keimzellen der Universität gedachten, nunmehr eröffneten beiden Forschungsanstalten: Ein Institutum Judaicum als Pflanzstätte jüdischer Geisteswissenschaft, in der, unbeeinträchtigt durch Apologethik und sonstige dem Galuth eigentümliche Hemmungen, der freie Schwung der jüdischen Forschung gewährleistet wird; daneben soll in einem, den Bedürfnissen des Landes in besonderem Maße angepaßten, naturwissenschaftlichen Forschungsinstitut die allgemeine Wissenschaft eine Pflegestätte erhalten. Zwischen diesen Polen soll mit der Zeit der Vollausbau der neuen Universitas litterarum erfolgen. In hebräischer Sprache Zeigte nach ihm Herr A rgasi die Bedeutung des neuen Werkes. Er skizzierte das Werden des neuen Jischuv überhaupt, an dessen Anfang durch das hebräische Gymnasium bereits ein Wegweiser jung-jüdischen Geistes gestellt war, und feierte in der neuen Hochschule nicht nur die Erfüllung jüdischen Strebens, sondern auch eine Erfolg versprechende Basis einer die semitischen Völker des nahen Orients umfassenden und zusammenführenden Geistigkeit. Mit zu Herzen gehenden Worten begrüßte Herr Oberstlandesgerichtsrat Pr. Dr. Neumeyer namens der jüdischen Gemeinde die neue Universität, die ein Symbol gemeinsamer jüdischer Arbeit sein werde. Mit den Dankesworten an ihn und die Erschienenen verband zum Schlüsse Herr Dr. Straus die freudige Feststellung, daß die eine Aufgabe der neuen Schöpfung, das Judentum unter dem Zeichen des Geistes zu einen, bereits sich in dem aus allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung Münchens erfolgten Besuch der Versammlung, sich zu erfüllen beginne. Unter den Klängen der „Hatikwah“ wurde der feierliche Akt geschlossen, dessen erhebende Bedeutung noch lange hinaus wirken wird. Zbi. Glückwunschadresse und Präsent der Israelitischen Kultusgemeinde in München Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde München hat beschlossen, der Universität Jerusalem zur Gründungsfeier die photographische Wiedergabe der in der bayer. Staatsbibliothek in München befindlichen berühmten Handschrift des babylonischen Talmuds aus dem 14. Jahrhundert zu widmen und die Gabe in Begleitung einer in deutscher und hebräischer Sprache abgefaßten Glückwunschadresse an die Leitung der Universität Jerusalem zu übersenden. Von der Nationaibibliothek In Jerusalem Wir stellen im Folgenden eine Reihe von Meldungen der letzten Tage zusammen, die zeigen, wie günstig das Ereignis der Eröffnung der Hebräischen Universität auch auf die Entwicklung und Förderung der Jerusalemer Nationalbibliothek gewirkt hat. Im Januar 1925 zählte die Nationalbibliothek zu Jerusalem rund 85 000 Bände. Allein vom Sommer 1920 bis Januar 1925 wurde sie um 53 000 Bände vermehrt. Als die Bibliothek von der Zionistischen Executive übernommen wurde, war sie 32 000 Bände stark. Die durchschnittliche Zahl der Bibliotheksbesucher ist monatlich ca. 2000. Die Leihbibliothek hat 12 000 Abonnenten. * Die Verwalter der Wolffsohn-Stiftung haben beschlossen, deren Mittel in Höhe von Jß 25 000 für die Errichtung eines Gebäudes für die Nationalbibliothek in Jerusalem zu bestimmen, die mit der Hebräischen Universitätsbibliothek vereinigt werden soll. Der KKL hat auf Antrag der Stiftungsverwaltung beschlossen, einen geeigneten Boden in der Nähe der Universität auf dem Skopus für das Gebäude der Nationaibibliothek zu erwerben und der Stiftung zur Verfügung zu stellen. * In Jerusalem langten in diesen Tagen 2132 Bände an, welche die letzten, von dem Begründer der Jüdischen Nationalbihliothek Dr. Joseph Chasanowitsch, für die Bibliothek hinterlassenen Werke darstellen. Die Bücher sind auf Kosten des Warschauer Vereins der Freunde der Universität gebunden und transportiert worden. Die von Dr. Chasanowitsch hinterlassenen Handschriften, u a. ein handschriftliches Buch des Begründers des Esperanto, Dr. Samenhof, werden von dem Präsidenten des Vereins, Herrn Stawski gelegentlich der Eröffnung der Universität persönlich überreicht werden. Auf InitiativekonOberrabiner Dr. M. Ehrenprei s wurde in Stockholm ein Komitee zu Gunsten der Jerusalemer Bibliothek gegründet. Dem Komitee ge< hören drei jüdische und drei christliche Gelehrte an. Es sind dies außer Dr. Ehrenpreis die Herren Fredrik Book, Professor für Literaturgeschichte, Mitglied der Schwedischen Akademie und Chefredakteur des „Swenska Dagebladet“; Carl David Josephson, Professor für Frauenheilkunde in Upsala; Ragnar Josephson, Dozent für Kunstgeschichte in Upsala, ein Dichter, der zusammen mit Dr. Ehrenpreis die schwedische Anthologie hebräischer Lyrik herausgegeben hat; H. Schück, Professor für Literaturgeschichte in Upsala, Präsident der schwedischen Akademie und des vorjährigen Komitees für den Nobelpreis; Erik Stave, Professor für Theologie und Bibelwissenschaft in Upsala. Das Komitee hat bereits mit der Arbeit begonnen und hat anläßlich der Eröffnung der Universität — bei welcher Professor Fredrik Book teilnahm — der Bibliothek ihr erstes Geschenk überreicht. * Mr. Oscar Strauss, der frühere Staatssekretär für Handel der Vereinigten Staaten und einstiger amerikanischer Botschafter in Konstantinopel, teilte am 12. März Herrn Dr.Weizmann telegraphisch mit, daß er beschlossen habe, der hebräischen Universität in Jerusalem seine gesamte, etwa 5000 Werke zählende Bibliothek zu schenken. Die eine Hälfte der Bibliothek wird Herr Strauss sofort der Bibliothek