Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 15 (8.4.1915)
- Date
- 1915-04-08
- Page
- Seite 253 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 15 Das Jüdische Echo 253 schaft über allen Parteizwistigkeiten stehe. Nachdem Balfour am Schlüsse seinen guten Wünschen für die Zukunft des neuen wissenschaftlichen Institutes Ausdruck gegeben hatte, erklärte er die Universität von Jerusalem für eröffnet. Nach Schluß der Eröffnungszeremonien veranstaltete das Komitee der Hebräischen Universität ein Festessen zu Ehren der Repräsentanten der verschiedenen Universitäten und Akademien, die den Eröffnungsfeierlichkeiten beigewohnt hatten. Für die Eröffnungsfeierlichkeiten ist eine Dauer von drei Tagen vorgesehen. (Ziko.) Berlin (J.T.A.). Die Rabbiner der Berliner Jüdischen Gemeinde sandten zur Eröffnung der Hebräischen Universität in Jerusalem ein in hebräischer Sprache abgefaßtes, in warmen Tönen gehaltenes Begrüßungstelegramm ab. Die Fraktion der Jüdischen Volksparte i in Vorstand und Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde hat ihrerseits beschlossen, ein in hebräischer Sprache abgefaßtes größeres Begrüßungstelegramm zur Eröffnung der Hebräischen Universität nach Jerusalem abzusenden. Das Vereinigte Komitee für Jüdische Auswanderung in Berlin (Emigdirekt) sandte am 31. März aus Anlaß der Eröffnung der Hebräischen Universität zu Jerusalem das folgende Telegramm ab: Das Vereinigte Komitee für Jüdische Auswanderung begrüßt die Eröffnung der Jüdischen Universität Palästinas als ein hervorragendes nationalkulturelles Ereignis, welches in die Herzen der jüdischen Emigranten Mut und Hoffnung sät. Unterzeichnet ist das Telegramm, von den Mitgliedern des Präsidiums des Emigrationsdirektoriums Dr. A. Klee, Dr. K r a i n i n und Dr. Brutzkus. Der Rektor der Universität in Wien sandte an das Komitee der Hebräischen Universität in Jerusalem ein Begrüßungsschreiben, in welchem bedauert wird, daß die Wiener Universität unter den gegenwärtigen Verhältnissen noch immer nicht in der Lage ist, einen persönlichen Vertreter zu entsenden. In Verbindung mit der bevorstehenden Eröffnung der Universität in Jerusalem, die ein Traum Theodor Herzls war, gaben die Wiener Zionisten die Parole aus, am Sonntag den 29. März zum Grabe Theodor Herzls zu pilgern. 10000 Wiener Juden besuchten an diesem Tage das Herzl-Grab. An der Spitze des Zuges schritten die österreichischen Mitglieder des Zionistischen Aktionskomitees und das Landeskomitee der österreichischen zionistischen Vereinigung. Die jüdischen Studentencrganisationen, die Sportklubs und die Jugendvereinigungen, ebenso die zionistische Frauenorganisation, Misrachi und Hitachduth nahmen korporativ teil. In Wien hat sich ein Komitee aus alten Freunden Theodor Herzls gebildet, welches es sich zur Aufgabe gesetzt hat, die sterblichen Überreste des Begründers der modernen .zionistischen Bewegung zur Bestattung nach Palästina zu überführen. Das Komitee wird an den kommenden Zionistenkongreß mit der Aufforderung herantreten, einen feierlichen Beschluß über die Überführung der sterblichen Überreste des großen zionistischen Führers zu fassen. Oberrabbiner G h a j e s aus Wien hat 5 Stipendien für die Hebräische Universität mit nach Jerusalem gebracht; zwei im Betrage von je St. 120, drei von St. 100. Die ersten zwei wurden gestiftet von Herrn Ing. Emilio Stock, Triest. die übrigen dlrei von der Fondatione Vittoria Marpogo, Triest. Bayruth (J.T.A.). Die Mitglieder der Mosul- Kommission des Völkerbundes, die die Aufgabe haben, die Grenzen des Mosul-Distrikts festzusetzen und die türkisch-englische Streitfrage im Irak zu entscheiden, sind nach Beendigung ihrer Untersuchungen am 28. März in Bayruth eingeti offen. Sie wurden von dem französischen Oberkommissar für Syrien General S a r r a i 1 empfangen. Sämtliche Kommissionsmitglieder, mit Ausnahme des Vorsitzenden, begaben sich nach Jerusalem, wo sie wahrscheinlich der Universitätsfeier am 1. April beiwohnen werden. Jerusalem (J.T.A.). Professor Rappard, der frühere Direktor und jetziges Mitglied der Mandatskommission des Völkerbundes, weilt gegenwärtig in Jerusalem, um der Unversitätsfeier beizuwohnen. Nachdem er von einem Besuch in Tel-Aviv zurückgekehrt war, drückte er seine große Bewunderung über die Leistungen der Juden im Städtebau aus. Tel-Aviv, sagte er, hat eine große Zukunft. Ich wünschte, ebenso an die Erfüllung der Ziele des Völkerbundes glauben zu können, wie ich an die große Zukunft von Tel- Aviv glaube. Genf (J.T.A.). Die Malaria-Kommission der Gesundheits-Sektion des V öl k e r b u nd e s geht jetzt daran, eingehende Untersuchungen über die Verhältnisse der Malariaseuche in Ägypten, Palästina und Syrien anzustellen. Die Untersuchungen beginnen im Mai und enden im September. Es handelt sich darum, die beste Methode zur Bekämpfung der Malaria in den gefährdeten Ländern herauszufinden. Jerusalem (J.T.A.). Die arabischen Kulturinstitute in Damaskus entsandten den berühmten arabischen Gelehrten Nashashibi nach Jerusalem, damit er sie bei der Eröffnung der hebräischen Universität vertrete. Universitätsfeier in München Die Zionistische Ortsgruppe in München veranstaltete am Abend des 1. April, des Tages der Eröffnung der Universität in Jerusalem, einen Festakt im Bibliotheksaal der israelitischen Kultusgemeinde. Obwohl die Einladungen hiezu erst in letzter Stunde versandt werden konnten, war der Besuch sehr stark. Außer Herrn Rabbiner Dr. B a e r w a 1 d und Herrn Oberstlandesgerichsral Prof. Dr. Neumeyer, dem 1. Vorsitzenden der Kultusgemeinde, waren viele bekannte Persönlichkeiten der Gemeinde, der einzigartigen Bedeutung der Feier bewußt, zu der Veranstaltung erschienen. In seinen Begrüßungsworten skizzierte Herr Dr. Eli Straus die Bedeutung des Tages und schilderte das langsame Werden des Universitätsgedankens. Dieser war wohl schon auf dem Wiener Zionistenkongreß im Jahre 1913 in Angriff genommen worden, seine Verwirklichung jedoch mußte durch den Weltkrieg eine starke Verzögerung erleiden. Eine der ersten Handlungen, die den neuen Aufbau einleiteten, war die Inangriffnahme des lange schlummernden Gedankens der Universität gewesen. Nun konnte unter den Auspizien Lord Balfour s, des Schöpfers der bekannten Deklaration, durch die der Palästinagedanke des jüdischen Volkes in sein entscheidendes, die Verwirklichung bringendes Stadium getreten ist, auch die ersten Anfänge des Universitätsaufbaues der Öffentlichkeit übergeben werden.