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Das jüdische Echo · 1915-04-08 · 15 (8.4.1915) · p. Seite 252

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
15 (8.4.1915)
Date
1915-04-08
Page
Seite 252 (sequence 4)
Language
German
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252 Das Jüdische Echo Nr. 15 Die Eröffnung der Hebräfschen Universität in Jerusalem Am 1. April fand unter großen Feierlichkeiten die Eröffnung der Hebräischen Universität in Jerusalem statt. Wir geben anbei den Bericht der „B. Z. a m Mittag“ wieder, die unter der Überschrift „D ie Muster- Universität von Jerus a 1 e m“ folgenden Funkspruch ihres Jerusalemer Korrespondenten vom 1. April veröffentlicht. „Die Eröffnung der Universität erfolgte heute nachmittag um 3 Uhr unter großen Feierlichkeiten. Am Noirdabhang des Skopusberges mit dem Blick auf das Tote Meer waren Tribünen für 6000 Festgäste errichtet, dar unter für die Abgeordneten von 35 Universitäten und 14 wissenschaftlichen Instituten Europas und Amerikas, die zumeist in ihren farbenprächtigen mittelalterlichen Trachten erschienen waren. Unter den Gästen sah man Lord B a 1 f o u r, den ägyptischen Oberkommandierenden Lord A 11 e n b y, den Städtebauer G e d d e s, Prof. Gide u. a. m. Balfours Rede bei der Eröffnung rief besonderen Beifallssturm dadurch hervor, daß Lord Balfoujr seine Rede i n hebräischer Sprache begann. Am gestrigen Abend war Jerusalem prächtig illuminiert. An einem Fackelzug nahmen etwa 40 000 Personen teil. Er bewegte sich durch die Stadt nach dem Regierungsgebäude, wo Lord B a 1 f o u r, Sir Herbert Samuel und Professor W eizma n n längere lebhafte Ovationen dargebracht wurden. Heute findet die Grundsteinlegung der Einstein-Stiftung für Physik statt. Piof. Einstein schenkte der Universität Jerusalem das Manuskript seiner Arbeit über die Relativitäts-Theorie. In Palästina herrscht überall Ruhe. Arabische Führer nahmen die Einladung zur Eröffnung der Universität nicht an, verkaufen aber die Karten an jüdische Touristen, die Jerusalem überfluten. Weiter wird aus Jerusalem gemeldet, daß sich auch junge Araber für den Besuch der Universität anmelden. Die Hebräische Universität werde keinen numerus clausus haben, und jeder Wißbegierige, dessen Vorbildung ihn befähigt, werde den Vorlesungen folgen können. Da die Unterrichtssprache die hebräische sein wird1, haben sich einige junge Araber bereit erklärt, hebräisch zu lernen, das ja eine Schwestersprache des Arabischen ist. Die meisten jungen Araber wollen sich bei der juristischen und der philosophischen Fakultät inskribieren, aber auch die medizinische Fakultät wird starken arabischen Zuspruch erhalten. Allerdings dürfte die Eröffnung der medizinischen Fakultät noch ziemlich lange auf sich warten lassen. Von den bereits tätigen Universitätsinstituten ist das mikrobiologische Institut dasjenige, das die größte Aufmerksamkeit der wissenschaftlichen Welt auf sich gelenkt hat. Die elf Säle, die für dieses Institut bestimmt sind, wurden mit allen für diese Disziplin erforderlichen Einrichtungen versehen. Das Institut wird1 von Prof. Dr. Rosenthal geleitet und erst nach seiner Ankunft eröffnet werden. Das von Prof. Dr. F o d o r geleitete chemische Institut hat 30 Säle zur Verfügung und gilt laut Urteil der Fachgelehrten als eine Anstalt, wie sie Europa kaum aufzuweisen hat.“ * * * Die Feier der Eröffnung der Hebräischen Universität in Jerusalem begann mit einem zu diesem Zweck verfaßten religiösen Weihegebet des Oberrabbiners des Britischen Reiches Dr. Hertz, der im Anschluß an das Gebet in einer Ansprache auf die Einzigartigkeit dieser jüdischen Universität hinwies, die sich werde hüten müssen, zu einer Nachahmung der europäischen oder amerikanischen Hochschulen zu werden. Sie werde den Beitrag des Judentums zu den Schatzkammern der Menschlichkeit leisten. Sodann sprach Professor Weizmann, dbr u. a. betonte, daß die Sprache der Universität hebräisch sein werde, aber sie werde den Angehörigen jedes Glaubensbekenntnisses und jeder Nation offen stehen. Die Politik werde in diesen Räumen vollkommen ausgeschaltet sein. Er sprach die Hoffnung aus, daß die Universität bald über ihre ersten Anfänge hinauswachsen und sich ihrer berühmten Schwestern in der Alten und in der Neuen Welt würdig erweisen werde. Sodann ergriff der High Commissioner Sir Herbert Samuel das Wort, der namens der britischen und der palästinensischen Regierung der Universität die besten Wünsche für ihr Gedeihen aussprach. Sie werde für alle Teile der Bevölkerung Palästinas sowie für das ganze Menschengeschlecht gleich wert sein. Aus den Sümpfen werden Gärten erblühen. Hier werde ein „Ner-Tomid“, ein ewiges Licht leuchten und von hier die Welt erleuchten. Sir Herbert Samuel schloß mit dem Segensspruch „Gesegnet seist du, der du uns diese Zeit erleben ließest.“ Nach Sir Herbert Samuel hielt Lord B a 1 f o u r die Eröffnungsrede, in der er laut einem Funktelegramm des „Berliner Tageblattes“ etwa folgendes ausführte: „Menschen aus den verschiedensten Teilen der Welt, die alle verschiedene Sprachen sprechen und dennoch eine Muttersprache haben, sind hier versammelt in einem Land, in dem jeder Schritt eine geschichtliche Erinnerung bedeutet. Der heutige Tag hat in der Geschichte des Volkes, das dieses kleine Land Palästina zum Mittelpunkt großer Religionen machte, die Bedeutung eines Wendepunktes, Von diesem Hügel aus, auf dem wir uns befinden, führten die Römer die Belagerung Jerusalems und brachten ein großes Kapitel dler jüdischen Geschichte zum Abschluß. Nach der Zerstörung Jerusalems, nach der Zerstreuung der Juden in alle Teile der Welt hat eine geeinte jüdische Kultur aufgehört, doch hat sie weitergelebt in den Nationen, denen sich die Juden angeschlossen haben.“ Im weiteren Verlauf seiner Rede gab Lord! Balfour der Überzeugung Ausdruck, daß die Gründung der Universität sich trotz aller Hindernisse als ein voller Erfolg erweisen werde. Alle zuständigen Stellen versicherten, daß die moderne hebräische Sprache sich so gut entwickelt habe, daß sie den Bedürfnissen der modernen Wissenschaft durchaus gerecht werde. An großen Gelehrten fehle es den Juden nicht. Drei große Theorien der neueren Zeit, nämlich die Evolutionsthorie, die neuere Psychologie und die Relativitätstheorie, seien von Juden (Bergson, Freud und Einstein) begründet worden. Die Juden hätten ein wichtiges Interesse an der Bearbeitung der Probleme, die für die Menschheit von Bedeutung seien. Sodann forderte Lord Balfour die Araber zur Zusammenarbeit mit den Juden auf, indem er sagte: Wenn auch Differenzen unvermeidlich seien, dürfe man doch nicht vergessen, daß die Wissen-

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