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Das jüdische Echo · 1915-04-08 · 15 (8.4.1915) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
15 (8.4.1915)
Date
1915-04-08
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 15 8. April 12. Jahrgang Pessach Jahrtausende sind dahingegangen, seil unser Volk aus der ägyptischen Knechtschaft erlöst wurde und gar viele Verfolgungen, folgenschwere Bedrückungen waren auch seit dieser Zeit uns auferlegt; gar oft solche, deren Abwehr nicht minder wunderbar erschien wie die Befreiung aus der Macht der Pharaonen. Und doch ist diese Begebenheit von so großer Bedeutung, daß wir ihrer nicht nur in so erhebender Weihe am Feste, das der Erinnerung hieran gewidmet ist, gedenken, sondern auch bei allen täglichen Gebeten, an Wochentagen, Sabbathen und Festen die göttliche Gnade erwähnen, welche uns der Fesseln Ägyptens entledigte. Dieses stete Gedenken an die Wundertaten im Pharaonenlande bildet für uns, wie Maimonides in seinem Werke ,,More Nebuchim“ ausführt, „neben einer nie versiegenden Quelle des Trostes und der Hoffnung in bitterer Leidenszeit auch ein sicheres Schutzmittel gegen Dünkel, Hochmut und Überhebung, ein dauernde Mahnung, in frohen und glücklichen Tagen die vorangegangenen traurigen und leidvollen nicht zu vergessen und stets in Demut und Bescheidenheit der Erlösung sich zu erinnern.“ Das Volk, das so lange unter der Zuchtrute entmenschter Herrscher am Nil geseufzt hatte, verstand die erhaltene Freiheit gut auszunützen. Unter weiser Führung hat es im Gegensatz zu seiner barbarischen Umwelt Gesetzen Folge geleistet, welche heute noch in der ganzen zivilisierten Welt als Muster dienen. Betrachten wir nur eine dieser Verordnungen, so sehen wir, daß eine solche in unseren so hoch entwickelten Kullurslaaten vielfach nicht auf Geltung rechnen kann. „Liebet den Fremdling, denn Fremdlinge wäret ihr im Lande Mizrajim.“ Wie viele Staaten bekennen sieh heute zu diesem Grundsatz? Erstickt nicht der Chauvinismus der zivilisierten Welt Europas und Amerikas diesen humanen Gedanken? Diese Ermahnung zur Liebe gegen Fremde finden wir noch an den verschiedensten Stellen unserer mündlichen und schriftlichen Lehre, so z. B. im Traktat Sukkoth durch eine Bemerkung unserer Weisen, daß am Hiiltenfeste siebzig Farren für das Wohlergehen der Völker zu opfern seien, je eines für jede Nation. Welch hohe Auffassung von der Menschenliebe bei einem Volke, das stets nur den Haß und die Feindschaft der Umwelt zu ertragen hatte! Neben dieser ethischen Aufgabe, an welche uns das Pessachfest mahnt, birgt es auch Zukunftshoffnungen für uns in sich. Wenn der Prophet uns zurufl „Siehe Tage kommen, spricht der Ewige, da wird nicht mehr gefragt werden: So wahr der Ewige lebt, der die Kinder Israels aus Mizrajim herausfiihrle, sondern: So wahr der Ewige lebt, der die Kinder Israels herausgeführt aus dem Lande des Nordens und aus allen Ländern, wohin er sie verstoßen hatte, und ich führe sie heim auf ihren Boden, den ich ihren Vätern gegeben“, so will er uns ermahnen, nicht nur der Leiden, die wir in Ägypten und später zu erdulden hallen, zu gedenken, sondern auch der Hoffnung Raum zu gehen, daß der Tag kommen wird, der Israel in das Land seiner Väter zurückführen wird. Mit Recht bemerkt ein Weiser hiezu: wenn man die Erhaltung des jüdischen Volkes seit dem Verlust seiner politischen Selbständigkeit als eines der größten Rätsel der Weltgeschichte betrachtet, so liegt in den prophetischen Verheißungen, welche die nationale Seite des jüdischen Volkes berühren, des Rätsels klare Lösung. Die Prophetenworte wollen uns nicht nur an die Leiden unseres Volkes erinnern, an die Leiden, die wir in Ägypten und später erduldet haben, sondern er will uns tröstend auf Tage hinweisen, wo Israel aus allen Ländern der Erde in das Land seiner Väter heimkehrt. Ohne diesen Hoffnungsstrahl, den die Worte des Propheten in ihm wachhalten, wäre unser Volk längst dem Untergang verfallen gewesen. Der jüdische Nationalismus in enger Verbindung mit seiner Religion bildet das Fundament, welches unser Volkstum gestützt und uns ermöglicht hat, nicht in den Fluten des Weltalls zu versinken. Wir sind Optimisten genug, um zu glauben, daß der Zeitpunkt einer neuen Ära für unser Volk nahe gerückt sei, und daß das Wort des Dichters des hohen Liedes: „Der Winter ist vorüber, Blumen schaut man am Boden, die Zeit des Sanges ist gekommen“, der Erfüllung entgegengeht. Allein diesem Optimismus können wir nur huldigen, wenn wir für unser Ziel schwere und wohlbedachte Arbeit leisten. Hiezu aber ist auch Einigkeit in unseren Reihen, Einigkeit in der gesamten Judenheit vonnöten. Möge das Pessachfest, das uns daran erinnert, daß das gesamte israelitische Volk befreit wurde, uns auch der Hoffnung Raum geben lassen, daß die Zeit nicht fern sei, wo wir ausrufen können: wir sind ein Volk ■— IHX □ V —; dann wird sieh auch erfüllen, was der Prophet Secharja am Schlüsse des 1. Kapitels aussprichl: „So spricht der Ewige: Wiederum werden überströmen meine Städte von Glück, wiederum hat der Ewige Wohlgefallen an Jerusalem“. Ivri.

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