Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 14 (3.4.1925)
- Date
- 1925-04-03
- Page
- Seite 236 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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236 Das Jüdische Echo Nr. 14 dies eine der ersten Publikationen des damals gegründeten „Jüdischen Verlags“. Als Privatdozent an der Universität in Genf hatte Dr. Weizmann Gelegenheit, die Organisation einer Hochschule kennen zu lernen, und seine Schrift zeugt von einer gründlichen Beherrschung der ganzen Materie. Damals stand es für ihn und seine Mitarbeiter aber noch nicht so fest, daß diese Universität unbedingt in Palästina sein müsse, und es wurde als Sitz derselben neben Palästina auch noch England oder die Schweiz in Aussicht genommen. Wiederum verging mehr als ein Jahrzehnt, ohne daß irgend etwas zur Verwirklichung des Universitätsprojektes getan wurde. Erst auf dem elften Zionistenkongreß in Wien im Jahre 1913 nahm der Plan konkrete Formen an, und heute kann man objektiv feststellen, daß die Beratung und Beschlußfassung über die Hebräische Universität den Hauptinhalt des Kongresses bildete. In einem groß angelegten Kulturreferat, das Ussischkin auf dem elften Kongreß hielt, bildete der Vorschlag zur Gründung einer Universität den wichtigsten Teil, und dieser Vorschlag wurde vom Kongreß einstimmig und mit ungeheurer Begeisterung angenommen. Wie ernst es den Proponenten damals um die baldige Schaffung der Universität war, geht am besten daraus hervor, daß von einigen wenigen Freunden der Idee auf dem Kongreß selbst nahezu eine halbe Million Goldmark in sichere Aussicht gestellt wurde. Unmittelbar nach dem Kongreß begann man mit den Vorarbeiten, und wiederum war es Dr. Weizmann, der sich vollständig für die Sache zur Verfügung stellte. Es ist kein Geheimnis, daß es seiner Initiative und Tatkraft beinahe gelungen war, die Finanzierung des gewaltigen Projektes für Jahre hinaus sicher zu stellen, und wäre nicht der Krieg dazwischen gekommen, so hätten wir höchstwahrscheinlich heute bereits die Hebräische Universität in Jerusalem. Die gewaltige Umwälzung, die der Weltkrieg hervorgerufen hat, und die dem jüdischen Volk wie so vielen anderen Völkern die Erfüllung jahrhundertealter Träume brachte, hat aus dem Träger und Exponenten des Universitätsgedankens den berufenen Führer des jüdischen Volkes gemacht, der dazu ausersehen wurde, unsere unverjährbaren Rechte vor dem Forum der Welt zu vertreten und zu verwirklichen. Aber seinen Lieblingsgedanken hat der Präsident der Zionistischen Organisation niemals aufgegeben. Seine noch während des Krieges nach Erez Israel unternommene Reise im Frühjahr 1918 galt in der Hauptsache der Grundsteinlegung der Hebräischen Universität auf dem Skopus. und in der von so viel Wundern und Romantik erfüllten Geschichte des Aufbaus von Erez Israel wird dieser Akt für immer denkwürdig bleiben. Als Dr. Weizmann im Jahre 1921 zum, erstenmale nach Amerika fuhr, um für den Keren Hajessod — als dessen erfolgreichster Werber — zu arbeiten, da hatte er unter anderen den festen Plan gefaßt, die materielle Grundlage für die möglichst rasche Errichtung der Hebräischen Universität zu schaffen. In seiner Begleitung befand sich damals bekanntlich Professor Albert Einstein, der es sich angelegen sein ließ, die jüdischen Intellektuellen Amerikas zu einer Organisation zusammenzuschließen, um die Sammlungen für die Universität auf eine möglichst breite Grundlage zu stellen. Wie stark der Gedanke der Hebräischen Universität speziell in Amerika Wurzel geschlagen hat, geht am besten daraus hervor, daß die zwei größten Spenden für die Universität von dort gekommen sind. Für Dr. Weizmann wird die Eröffnung der Hebräischen Universität ein Tag hoher Genugtuung sein, der ihn für manches, was er in den letzten Tagen an schweren Sorgen zu tragen hatte, entschädigen dürfte. Für Erez Israel und das jüdische Volk ist es ein hoher Festtag, würdig der Größe und des Ruhmes unserer Vergangenheit. (Ziko.) Das britische Weißbuch über das Palästinamandat Die Antwort der britischen Regierung auf die Fragen des Völkerbundes Das britische Kolonialamt veröffentlichte soeben als Weißbuch den ersten Jahresbericht über das Palästinamandat, der von der englischen Regierung dem Rate des Völkerbundes anläßlich seiner Tagung in Rom im Dezember vorigen Jahres vorgelegt wurde. Der Bericht enthält die Antworten der britischen Regierung als der Mandatarmacht über Palästina auf den vom Völkerbund vorgelegten Fragebogen, der die verschiedenen Punkte des Mandats enthält. Jüdisehnationale Heimstätte Frage: Welche Maßnahmen wurden getroffen, um in politischer und ökonomischer Hinsicht, sowie in den Fragen der Verwaltung jene Bedingungen im Lande zu schaffen, die die Errichtung der nationalen Heimstätte für das jüdische Volk sicherstellen? Welche Erfolge hatten diese Maßnahmen? Antwort: Die Gesetzgebung der palästinensischen Regierung hatte das allgemeine Ziel im Auge, für alle Gemeinschaften.und Klassen die gleichen Möglichkeiten zu schaffen und Unternehmungen zu fördern. Im Jahre 1920 wurde ein Gesetz erlassen, das die Einwanderung nach Palästina regeln sollte. Das Gesetz bezieht sich nicht ausdrücklich auf die jüdische Einwanderung, sondern bestimmt, daß die Frage der Einreise nach Palästina sowohl zu dauerndem als auch zu vorübergehendem Aufenthalt von Zeit zu Zeit den Bedingungen und Bedürfnissen des Landes entsprechend durch den Oberkommissar geregelt werden soll. In der Frage der jüdischen Siedlungen im Lande nahm die Regierung eine ähnliche Haltung ein wie hinsichtlich der Immigration; sie hob die von der türkischen Gesetzgebung auferlegten, für die Juden ungünstigen Unterscheidungen auf und schuf so für jeden die gleichen Möglichkeiten, Land zu erwerben und auf seinen eigenen Namen eintragen zu lassen. Die Juden haben in den letzten drei Jahren an Land erworben: im Jahre 1921 100 000 Dunam (etwa 25 000 Morgen) im Werte von 630 000 ägypt. Pfd.; 1922 45 000 Dunam im Werte von 700 000 ägypt. Pfd.; 1923 34 440 Dunam. Im Juni 1922 veröffentlichte die Regierung ein Weißbuch, welches eine Mitteilung über ihre Politik in Bezug auf Palästina enthielt. Im November 1923 veröffentlichte sie ein weiteres Weißbuch, enthaltend die Korrespondenz mit dem High Commissoner für Palästina über den Vorschlag der Bildung einer arabischen Agency. Jewish Agency Frage: Wann und in welcher Weise wurde die Jewish Agency offiziell anerkannt? Antwort: Eine von der Zionistischen Weltorganisation gewählte Kommission hat ihren Sitz in