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Das jüdische Echo · 1925-04-03 · 14 (3.4.1925) · p. Seite 228

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
14 (3.4.1925)
Date
1925-04-03
Page
Seite 228 (sequence 4)
Language
German
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228 Das Jüdische Echo Nr. 14 — Die Betriebskosten des Instituts, die sich im laufenden Jahre auf 4000 Pf. belaufen, werden aus Beiträgen des Universitätsfonds, des Keren Hajessod und des amerikanischen Ärzte-Komitees gedeckt. Die Gesamtkosten des Aufbaues und der Einrichtung des naturwissenschaftlichen Instituts (einschließlich der Gelände- und Baukosten) beliefen sich auf 40 000 Pfund. Im Anschluß an diese Institute, die den Charakter von Keiminstituten einer naturwissenschaftlichen und medizinischen Fakultät tragen, sollen weitere Forschungsinstitute ausgebaut und diesen in dem Maße, wie die Aufnahmefähigkeit dies Landes für Angehörige der akademischen Berufe wächst, propädeutische Lehrinstitute angegliedert werden. Aus diesen wird in allmählicher Entwicklung die naturwissenschaftliche und medizinische Fakultät der Universität erwachsen. Schwieriger noch als die Gründung der ersten naturwissenschaftlichen Institute gestaltete sich der Aufbau der geisteswissenschaftlichen Abteilung. Denn gerade auf diesem Gebiete lag, angesichts der einseitigen Hinneigung der Juden zu geistigen Berufen, die Gefahr der Heranbildung eines geistigen Proletariats. Man hat daher auch beschlossen, zunächst nur Forschungs-Institute für Vorgerückte zu schaffen, die zunächst der wissenschaftlichen Behandlung der kulturellen Probleme Palästinas, insbesondere dem Aufbau eines neuen jüdischen Kulturlebens und der Erforschung des ihm nahestehenden arabischen Kulturkreises gewidmet sein soll. Diesem Programm entsprechend soll das nun eröffnete I n s t i t u t für judaistische und orientalische Studien der Erforschung des gesamten überlieferten jüdischen Kulturgutes, der hebräischen Sprache, der jüdischen Religion, Literatur, Philosophie. Rechtswissenschaft und Kulturgeschichte, ebenso wie der Behandlung des arabischen Kulturschatzes dienen. In seinen Rahmen fällt ferner die Erforschung Palästinas und seiner kulturellen Geschichte. Die Vorlesungen am Institute haben bereits am Chanukah begonnen; es lesen dort zur Zeit eine Reihe führender jüdischer Gelehrter Europas und Amerikas. Einen wesentlichen Bestandteil des ersten Komplexes der Universität bildet die Universitäts-Bibliothek. Sie ist mit einem Bestände von 70 000 Werken heute bereits die größte Bibliothek des Landes. Ihre Sammlung ist besonders reichhaltig auf dem Gebiete der Judaica, dagegen noch sehr arm auf dem Gebiete der modernen Natur- und Geisteswissenschaften. Zur Förderung der Bibliothek haben sich in vielen Ländern Vereine und Komitees gebildet, die auf Grund cier ihnen von der Bibliotheksleitung in Jerusalem erteilten Instruktion eine systematische Sammelarbeit betreiben. Doch bleibt in dieser Hinsicht noch sehr viel zu tun übrig und die bevorstehenden Feierlichkeiten anläßlich der Eröffnung der Universität sollten besonders in Zentral-Europa, wo bisher verhältnismäßig noch nicht sehr viel auf diesem Gebiete geleistet worden ist, den Anstoß zu einer intensiveren Sammeltätigkeit für die Bibliothek, deren Bedürfnisse durch die Eröffnung der ersten Universitätsinstitute sehr gewachsen sind, geben. Die Vorbereitungen für die Errichtung eines großen Neubaues, für den die Kuratoren der David1 Wolffsohn-Stiftung beschlossen^ haben, das gesamte Kapital der Stiftung des verstorbenen Präsidenten der Zionistischen Organisation zur Verfügung zu stellen, sind zur Zeit im Gange. Die Bibliothek bildet heute bereits ein Zentrum für die höhere wissenschaftliche Arbeit im Lande. Sie steht im engen wissenschaftlichen Verkehr mit den deutschen, amerikanischen und englischen Instituten für Palästina-Forschung und gibt seit dem vergangenen Frühjahr eine bibliographische Vierteljahrszeitschrift unter dem Namen „K i r j a t h Sepher“ heraus. So stellen sich die Anfänge dieses neuen indischen geistigen Zentral-Instituts in Palästina dar. Sie sind in ihrer ganzen Anlage als K e i m - Inst i t u t e geplant, aus denen in organischer Entwicklung die Fakultäten herauswachsen sollen. In welcher Weise und in welchem Tempo diese Entwicklung sich vollziehen wird, hängt in gleichem Maße von der Entfaltung des jüdischen Lebens in Palästina ab, wie von der ideellem und materiellen Mitarbeit der Judenheit der Diaspora. Es sollen anläßlich der Eröffnung der Universität in verschiedenen Ländern „Vereine von. Freunden und Förderern der Universität“ geschaffen werden, um einerseits in der Diaspora ein lebendiges Interesse für dieses neue jüdische Geisteszentrum zu erwecken und die Mitarbeit aller jüdischen geistigen Menschen, denen dieses Werk teuer ist, an seinem geistigen Aufbau zu gewinnen und um andererseits die Mittel für seine Unterhaltung und' seinen weiteren Aufbau zu sichern. Von der erfolgreichen Durchführung dieser doppelten Aufgabe hängt die weitere Entwicklung der Universität ab. Zur Eröffnung der Hebräischen Universität Wir bringen im Folgenden gerne die Ausführungen unseres geschätzten Mitarbeiters Herrn J. A r g a s i, der als palästinensischer Bürger und! ausgezeichneter Kenner seines Landes am ehesten dazu berufen ist, seine Gedanken zur Eröffnung der Hebräischen Universität in Jerusalem zu äußern. Es war vor sieben Jahren. Nach der Eroberung des Landes durch die Engländer und dem feierlichen Einzuge Lord Allenbys in Jerusalem kam Prof. Chaim Weizmann als offizieller, von England anerkannter Führer des jüdischen Volkes nach Palästina. Nach langen schweren Kriegsjahren herrschte Frühling in der Natur und in den Herzen der palästinensischen Juden. Waren es doch die ersten Wochen der Befreiung, die ersten Tage der „Judea Liberta“. In eben dieser Zeit, die man als Wendepunkt in der Geschichte des jüdischen Volkes und seiner Heimat ansehen muß, legte Chaim Weizmann auf dem Skopus-Berge bei Jerusalem den Grundstein zur Hebräischen Universität. Damit übernahm das jüdische Volk die Pflicht der Verwirklichung jenes Traumes vom geistigen Vorkämpfertum unserer national-kulturellen Renaissance, der Schaffung eines bedeutenden geistigen Zentrums in Palästina. Nunmehr wird, nach sieben mühseligen und schweren Jahren Palästina-Aufbau, die Universität feierlich eröffnet. Der „Jischuv“ . ist voll der Freude und des Jubels. Denn wir hoffen und glauben, daß auf dem Skopus-Berge etwas Neues im Entstehen begriffen ist. Was ist uns diese Universität? Sie ist nicht bloß als Krönung des hebräischen Schulwerks Palästinas geschaffen; sie soll auch nicht mit der Tatsache des „Numerus clausus“ für jüdische Studenten an vielen Universitäten Europas in ursäcli-

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