Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 13 (27.3.1925)
- Date
- 1925-03-27
- Page
- Seite 216 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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216 Das Jüdische Echo Nr. 13 Der Vorsilzende der Versammlung, Oberstlandesgerichtsrat Prof. Dr. Silberschmidt, begrüßte die Vertreter des Kultusministeriums, der Kreisregierung von Unterfranken und der Stadt Würzburg. Oberregierungsrat Dr. Hoff m a n n der Regierung von Unterfranken wies auf die bedeutungsvollen Aufgaben der religiösen Körperschaften hin und wünschte der Tagung ein gutes Gelingen. Warme Worte fand Oberbürgermeister Dr. Löffler in der Anerkennung der fruchtbaren Zusammenarbeit jüdischer und christlicher Bürger. Ein einleitender Vortrag des Distriktsrabbiners Dr. Hanove r -Wiirzburg wendete sich gegen den materialistischen Geist der Zeit. Es folgte der Bericht des Präsidenten des Verbandes, Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer, der die Entwicklung des Verbandes in den letzten schweren Jahren darlegte. Vor Beginn der Verhandlungen gedachte der Vorsitzende des Hinscheidens des Reichspräsidenten. Es standen zur Beratung und Beschlußfassung: die Jahresrechnung und der Haushaltplan 1925. die Sicherung der Ruhegebaltsbezüge und der Hinterbliebenenversorgung von Gemeinde- und Anstaltsbeamten durch den Verband, die Übernahme der Pensions- und Reliktenkasse bayerischer Rabbiner durch den Verband, die Inventarisierung von Kultgegenständen und Erhaltung kulturgeschichtlich wertvoller Kultstätten, die zwangsweise Etatisierung des gemeindlichen Haushaltes durch den Verband entsprechend den Vorschriften des religionsgesellschaftlichen Steuergesetzes, Schiedsgerichte und Schiedsgerichts-Ordnung, die Gebietserweiterung der Kultusgemeinden, die Anstellung von Bezirkswanderlehrern. Der Etat zeigte einen Abschluß von 275 000 Mk., die in der Hauptsache durch Landesumlagen in der Höhe von 3 Prozent der Reichs- und Landessteuern zu decken sind. Im Mittelpunkt der Beratung aber stand die Schaffung eines Beamten rechts für die Beamten der Gemeinden, der Distrikte und des Verbandes. In fruchtbarer Erörterung wurden die einschlägigen Fragen soweit gefördert, daß ihre endgültige Festlegung in der nächsten Tagung erfolgen kann. Gegenstand eingehender Beratung war weiterhin die Klarstellung und Ausgestaltung des Rechts der Distriktsrabhinate, ein Problem, dessen Lösung seit Jahrzehnten angestrebt wird. Den Abschluß der Verhandlungen bildete die vom Verband zum ersten Male unter Zuziehung der karitativen Vereinigungen des Landes durchgeführte soziale Tagung. Hier wurden zunächst die Leistungen für soziale Zwecke im Haushaltplan des Verbandes besprochen. Es wurde die Errichtung eines Siechenh e i m e s für das Land in die Wege geleitet, für das die Kultusgemeinde der Landeshauptstadt als ersten Betrag 20 000 Mark zur Verfügung stellte. Unter der mit herzlichem Dank aufgenommenen Mitwirkung von Vertretern der Zentral wohlfahrtsstelle der deutschen Juden in Berlin wurden die Aufgaben und Ziele der Wohlfahrtspflege in Deutschland und insonderheit der jüdischen Wohlfahrtspflege in Bayern erörtert. Es wurde über jüdische Jugendpflege und über Wanderarmenfiirsorge berichtet. Mit Stolz blickt der Verband auf den erfolgreichen Verlauf seiner 3. Tagung zurück, die der Vorsitzende mit warmen religiösen und vaterländischen Worten schloß. Zum Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden Berlin. (J.T.A.) In den Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden sind seitens der Berliner jüdischen Gemeinde gewählt worden: Justizrat M a k o w e r , Justizrat L i 1 i e n t h a 1 , Frau Helene M e y e r - Stargard, Justizrat Sonnenfeld, Prof. Dr. Türk, Kammergerichtsrat Wolff (alle von der Liberalen Vereinigung); Direktor Kare w s k i und Dr. A. Klee (Jüdische Volkspartei); Dr. Galewski (konservativ); Dr. Freund (keiner Partei angehörig). Wie wir hören, wird die Jüdische Volkspartei gegen dieses Wahlergebnis in der Repräsentantenversammlung Protest erheben. Die Liberale Partei, auf die nur 5,2 Sitze hätten entfallen können, hat 6 Sitze erhalten; die Jüdische Volks partei, welche auf 3 Sitze Anspruch hätte, hat nur 2 Sitze bekommen; die Iv o n s e r v a I i v en erhielten einen Sitz. Unberücksichtigt geblieben sind die Religiöse Mittelp a r t e i und die Poale-Zion. Sämtliche Proteste gegen die Wahlen zum Verbandstag des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden sind abgelehnt worden. Die in der Provinz Ostpreußen gelegene jüdische Gemeinde A 11 e n s l e i n hat einen Beitritt zum Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden ah gelehnt. Über das Motiv ist nichts bekannt. Wie der J.T.A.-Vertreter erfährt, ist die Gemeinde Allenstein, abgesehen von der Gemeinde Frankfurt a. d. Oder, die einzige jüdische Gemeinde von einiger Bedeutung in Preußen, die den Beitritt zum Landesverband abgelehnt hat. Dabei sind natürlich jene Gemeinden nicht berücksichtigt, die dem H a 1 li e r s t ä d t e r orthodoxen Verbände angehören. Aus der Hamburger Jüdischen Gemeinde In der Hamburger Repräsenlanten-Versammlung vom 11. März wurde auf Antrag des zionistischen Repräsentanten Dr. Kalmus bei der Etatberatung mit zehn gegen vier Stimmen beschlossen, dem Zöntralverein die bisher alljährlich bewilligte S u b v e n t i on der Gemeinde von Mk. 2000 für 1925 zu entziehen, da er nicht mehr als eine neutrale Organisation anzusehen sei. Die für Palästina eingestellten Mk. 1500 wurden debattelos bewilligt. Aus der jüdischen Welt Maurenbrechers JudenentrecLtungsantrüge. Leipzig. (J.T.A.) Das „Neue Sächsische Kirchenblatt“ bringt einen ausführlichen Bericht über die unlängst stattgefundene Tagung völkisch-gesinnter Geistlicher. Studienral Dr. Niedlich (Berlin) entrollte drei verschiedene Auffassungen der „Deutschkirchler“: die eine, will „das Alte Testament überhaupt streichen, weil es zu jüdisch ist; um heilig zu sein“; die zweite wünscht, daß „das Alte Testament nur berücksichtigt wird, um den Gegensatz des jüdisch-materialistischen Geistes zum christlichen darzulegen“; die dritte Auffassung will „deutschen Geist in das Alte Testament gießen“. Der dieser Tage zur Deutschvölkischen Freiheitsbewegung übergetretene frühere Chefredakteur der „Deutschen Zeitung“, Maurenbrecher, brachte als Pastor den folgenden Antrag ein: „Die Gleichberechtigung der Juden ist aufzuheben. Bis zu