Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1925-03-27 · 13 (27.3.1925) · p. Seite 217

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
13 (27.3.1925)
Date
1925-03-27
Page
Seite 217 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/9072829-9103075-9153800--06588-9079301
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 13 Das Jüdische Echo 217 ihrer völligen Auscheidung aus den Kulturvölkern sind sie unter Fremdenrecht zu stellen. Der jüdische Kultus ist zu verbieten, da er unter dem Deckmantel religiöser Gebräuche in Wahrheit unsittliche und staatsfeindliche Bestrebungen pflegt; die Synagogen sind zu schließen, die rabbinisc.hen Schriften zu beschlagnahmen und zu vernichten.“ Völkischer Antrag auf Streichung der Staatszuschüsse für die Rabbiner Thüringens. Weimar. (J.T.A.) Die völkische Fraktion des thüringischen Landtags hatte vor einiger Zeit bei der Beratung des Kirchenetats im Haushaltausschuß beantragt, daß die für die Landesrabbiner jährlich bereitgestellten 5000 Mark nicht mehr gezahlt werden sollten. Dieser Antrag hatte durch die Unterstützung einiger Rechtsparteien eine Mehrheit im Haushaitauschuß gefunden. Inzwischen hatten die thüringischen jüdischen Gemeinden eine Klage wegen der nicht erfolgten Weiterzahlung angestrengt. Nunmehr kam die Angelegenheit vor das Plenum des Landtags. Die Demokraten und einige Volksparteiler stimmten für die Weiterzahlung der Staatszuschüsse an die Rabbiner, die Völkischen und eine Anzahl Deutschnationale und Landbundmitglieder stimmten dagegen, während sich die gesamte Linke und ein Teil der Rechtsparteien der Stimme enthielt. Der völkische Antrag wurde abgelehnt. Antisemitische Verdächtigungen gegen Regierungsdirektor l)r. Weiß. B e r 1 i n. (J.T.A.) Regierungsdirektor Dr. Weiß, der frühere Leiter der Abteilung IA des Berliner ‘Polizeipräsidiums, ist zum Leiter der Berliner Kriminalabteilung ernannt worden. Er wird seine Stellung am 1. April d. J. antreten. — Die antisemitischen Zeitungen wenden sich dagegen, daß ein Jude auf einen so wichtigen Posten berufen worden sei. Die ,,D eutsche Zeitung“ weist darauf hin, daß „eine Unzahl Kriminalfälle, in die Ostjuden verwickelt sind“, zur Erledigung stehen und fragt: „Wird Dr. Weiß bei der entscheidenden Verfolgung dieser Fälle die nötige Unparteilichkeit aufbringen?“ Stadtrat Dr. Herz in Spandau abermals abgcbaci. Berlin. (J.T.A.) In der letzten Sitzung der Spandauer Bezirksversammlung empfahl der Ausschuß, den Stadtrat und Vizebürgermeister Dr. Herz, dessen erster Abbau ja vom Kanvmergermht aufgehoben worden war, erneut und endgültig abzubauen. Der Antrag wurde wiederum mit den Stimmen aller bürgerlichen Bezirksverordne ten gegen die Sozialdemokaten angenommen. -- Wie erinnerlich, hat das Kammergericht, welches den Abbau des Dr. Herz als ungesetzlich aufhob, in seiner Begründung hervorgehoben, der Abbau verstoße gegen de Verfassung, weil Dr. Herz wie dies aus dem Abbaubeschluß hervorgeht als Jude und Sozialdemokrat getroffen werden sollte. Der XIV. Zionistenkongreß in Wien. Die Zionistische Exekutive hat im Einvernehmen mit dem Präsidium des Aktionskomitees beschlossen, dem Aktionskomitee die Einberufung des XIV. Kongresses für Mitte August nach Wien vorzuschlagen. In Ausführung des Beschlusses wurde an die Mitglieder des A.C. ein Zirkularschreiben versandt mit der Aufforderung, diesem Beschluß ihre Zustimmung zu geben. (Ziko) Fortgesetzter Wassermangel in Palästina. ■ Ein jüdischer Fasttag. Jerusalem. (J.T.A.) Der Mangel an Wasser infolge des Ausbleibens von Regen nimmt in Palästina immer ernstere Formen an. Die Rabbinale von Jerusalem und Jaffa haben den 16. März als einen Fast- und Bußtag proklamiert. An diesem Tage wurden in allen Synagogen Bitlandachten um Regen abgehalten. Die Wasserreservoire Jerusalems vermindern sich trotz strenger Rationierung in einer beunruhigenden Weise. Die Feldfrucht verkümmert. Angesichts des erwarteten großen Touristenstroms wird die Lage als besorgniserregend angesehen. Die Regenperiode in Palästina dauert gewöhnlich von Mitte November bis Mitte April, so daß befürchtet wird, daß Jie Chancen eines starken Regenfalls, durch den die Cisternen aufgefüllt werden könnten, vorüber sind. Salomon Rossi In der Vortragsfolge des Synagogenkonzerts, das der Jüdische Gesangverein am 4. April veranstaltet, stehen an der Spitze der gesanglichen Darbietungen 2 Synagogenchöre von Salomon Rossi, eines jüdischen Tonmeisters, der Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts in Mantua gewirkt hat. Diese altehrwürdigen Schöpfungen aus der Blütezeit des italienischen Synagogengesanges, ihre Bedeutung nicht nur in musikalischer, sondern auch in kultureller Beziehung, rechtfertigen die Absicht, einige biographische Notizen über diesen bedeutenden Musiker den Lesern dieses Blattes zu vermitteln. Salomone Hebreo, wie Rossi genannt wurde, geb. um 1570 in Mantua, gehörte zu den namhaften Komponisten seiner Zeit, die nach der übertriebenen Kontrapunktik der Niederländischen Schule mit Erfolg zu einem einfach erhabenen Musikslil zurückkehrten, der in Palestrina seinen Gipfelpunkt erreicht hatte. Trotz seiner Zugehörigkeit zum Judentum wurde er am Fürstenhefe zu Mantua, wo auch seine Schwester Madaina Europa als Sängerin angestellt war, zum Kapellmeister ernannt. Als Zeichen besonderer Wertschätzung' gestaltete ihm Herzog Vincenzo I., ohne gelbes Abzeichen am Hut oder Barett ausgehen zu dürfen. ' Diesem Fürsten und anderen Fürstlichkeiten laliens widmete er seine in mehrfachen Auflagen erschienenen Kanzonetten, Madrigale und Symphonien. Aber auch der Synagogenmusik sollten R:\sris außergewöhnliche musikalische I ähigkeiten zustatten kommen. Die Chöre, die er im Laufe der vier Jahrzehnte seiner künstlerischen Betätigung für die Synagoge in Mantua geschrieben hatte, vereinigte er in einem Werke, 3 bis 8stimmige Gesänge enthaltend, das 1622 in Venedig unter dem Titel: Haschirim ascher lischlomoh. erschien. Allein, da allem Anschein nach nur die einzelnen Stimmen gedruckt wurden und diese zum Teil als verschollen galten, bleibt es das gar nicht hoch genug zu bewertende Verdienst des weiland Pariser Öberkantor Naumburg, der übrigens aus Bayern stammte und auch hier in München eine zeitlang seinen Studien oblag, unter Überwindung größter Schwierigkeiten 1877 einen Neudruck in Partitur hersteilen zu lassen. Ihm ist vor allem die Wiedererweckung der Rossischen Synagogengesänge zu danken, in denen wir das älteste schriftliche Dokument des Synagogengesanges überhaupt zu erblicken haben. Nach ihrer warmen Empfehlung durch zeitgenössische italienische Rabbiner, an deren Spitze Leon da Modena steht, ist anzunehmen, daß diese durch Würde und Erhabenheit ausgezeichneten synagogalen Kompositionen vielfach gesungen wurden. Daraus wäre zu folgern, wie schon damals

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.