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Das jüdische Echo · 1925-03-27 · 13 (27.3.1925) · p. Seite 214

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
13 (27.3.1925)
Date
1925-03-27
Page
Seite 214 (sequence 10)
Language
German
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214 Das Jüdische Echo Nr 13 fährlich werden könnten, nicht angenommen werden würden. Ein Vertreter der jüdischen Gemeinschaft im Völkerbundskomitee für Kalenderreform wird wahrscheinlich ernannt werden. Es stellt sich heraus, daß das Reformkomitee sich dessen nicht ganz bewußt war, welche tief einschneidende Wirkung in die jüdisch-religiösen Interessen die Institution der „blanken Tage“ haben könnte und mit welchem Befremden dieser Plan von der Judenschaft der ganzen Welt aufgenommen wurde. Nichtdestoweniger ist noch immer Wachsamkeit notwendig. Der jüdische Standpunkt wird auch der britischen Regierung dargelegt werden, auch die überseeischen jüdischen Gemeinden werden entsprechende Schritte hei ihren Regierungen unternehmen. * Vertreter jüdischer Organisationen wurden zu einer Konferenz in das Gebäude der N e w Yorker Staatsversammlung eingeladen. Gegenstand der Verhandlung war das Zwangssonntagsruhegesetz, welches über Antrag der Lords Day Alliance eingeführt worden ist. Captain Philipps forderte als Sprecher der jüdischen Abordnung, daß den Juden erlaubt werde, am Sonntag Handel zu treiben und ihren anderen Beschäftigungen nachzugehen, damit sie ihren S a b b a t h ungestört beobachten können. „Wir Juden“, sagte er, „bitten um keine Gunstbezeigung; wir fordern nichts als Gleichberechtigung. Meine Vorfahren gaben seit der Zeit der amerikanischen Revolution ihr Leben für dieses Land hin, und ich fühle mich berechtigt, die Ansprüche meiner Glaubensgenossen auf Gleichberechtigung mit den anderen Bürgern, d. h. daß man auch uns gestatten soll, unseren Wochenfeiertag zu halten, hier zu vertreten.“ Es sprachen dann noch Mr. Reznick, Mr. Savitzki und der Repräsentant des „Schomre Schabbos“-Komitees der Agudas Jisroel, Rabbiner Rubi n s. Eine Entscheidung wurde noch nicht getroffen. Zum Berliner Hlpenvereins- Skandal Anfechtung des Wa hlergebnisses Berlin (J.T.A.). Wie schon mitgeteilt, wurde bei der letzten Hauptversammlung der Sektion Berlin des Deutschen und österreichischen Alpenvereins der bisherige Vorstand wiedergewählt, der sich bekanntlich mit der Bedingung zur Wiederwahl gestellt hat, daß er in Zukunft befugt sein solle, eine Beschränkung in der Zahl der sich neu meldenden jüdischen Mitglieder, also einen n u - merus clausus für Juden, einzuführen. Wie nunmehr verlautet, wird das Wahlergebnis im Verwaltungsstreitverfahren angefocht e n werden. Einer der Gründe der Anfechtung besteht darin, daß es trotz des Willens einer Minorität von etwa 40 Prozent der anwesenden Mitglieder der Sektion zu einer Aussprache überhaupt nicht kam. Der Vorsitzende Hauptner gab zwar bekannt, daß von beiden Seiten je vier Redner mit beschränkter Redezeit sprechen würden. Aus der Versammlung kam aber der Antrag, ohne jede Aussprache sofort zur Abstimmung zu schreiten. Trotzdem Herr Hauptner mit den Führern der Opposition bereits eine Vereinbarung getroffen hatte, brachte er diesen Antrag zur Abstimmung und verschwieg die Vereinbarung. Die Mehrheit der Versammlung beschloß sodann, sofort in die Wahl einzutreten. Ein Vorschlag der Opposition, ihren Spitzenkandidaten, Senatspräsidenten Ger m e r s - h ausen, zu hören, wurde niedergebrüllt. Nachdem Dr. Hauptner wieder zum Vorsitzenden gewählt worden war, erklärte Hauptner, trotz des Widerspruches der Opposition, die ganze übrige Liste des alten Vorstandes sei ohne weiteres gewählt. Das „Berliner Tageblatt“ schreibt zu dem Ergebnis der Wahlen zum Vorstand der Berliner Alpenvereinssektion u. a.: „Die Sektion Berlin galt bisher als Hort der alten guten Tradition, politische und religiöse Momente überhaupt nicht in den Alpenverein hineinzutragen. Nachdem sie jetzt diese Tradition gebrochen und in wüsten Lärmszenen durch gewaltsame Wiederwahl des Vorstandes den numerus clausus und damit die Degradierung der jüdischen Mitglieder beschlossen hat, ergeben sich für die jüdischen und die zahlreichen christlich-deutschen Mitglieder der Sektion, die diesen Rückschritt in Unduldsamkeit und Gehässigkeit nicht mitmachen können, die Konsequenzen von selbst. Aber wir stimmen denen zu, die da mahnen, im Augenblick nicht auszutreten, sondern die weitere Entwicklung abzuwarten.... Das steht fest: Der 13. März 1925 ist ein dunkler Tag in der Geschichte des deutschen Alpinismus. Widerspruchslos werden sich die Freunde der Gleichberechtigung und der modernen Staats- und Weltauffassung dieses Geschehnis nicht gefallen lassen. Sie werden kämpfen um ihr gutes Recht auf die Alpen.“ * Die völkisch-nationalistischen Kreise treiben jetzt eine intensive Propaganda für die Einführung des Arierparagraphen, d. h. für den völligen Ausschluß von Juden. In einer von mehreren nationalistischen Zeitungen, darunter vom „Deutschen Tageblatt“ in Rostock veröffentlichten Notiz heißt es zum Schlüsse: „Hoffentlich sind wir im nächsten Jahre so weit, daß wir auch in der Sektion Berlin den Arierparagraphen einführen können. Jeder werbe bis dahin tüchtig und suche zwecks Erreichung dieses Zieles so viel völkische Mitglieder wie möglich in die Sektion hineinzubringen.“ Gräber Schändung in Bayern Bei Redaktionsschluß erfahren wir, daß in Königshofen i. Grbf. auf dem israelitischen Friedhof eine große Anzahl der alten Grabsteine um geworfen, aus mehreren die Marmorplatten herausgeschlagen und die Teile auf dem Friedhof zerstreut wurden. Nähere Nachrichten fehlen noch. Jahresversammlung des Hflfs- Vereins der Deutschen Juden Berlin (J.T.A.). Der Hilfsverein der Deutschen Juden hielt am 18. März abends in den Räumen des Logenhauses Kleiststraße seine ordentliche Jahresversammlung ab. Der Vorsitzende Herr Dr. James Simon erstattete den Bericht für das Jahr 1924. Er stellte fest, daß nach dem Niedergang in der Inflationszeit, in welcher der Hilfsverein sein Vermögen fast ganz verlor, nunmehr ein neuer Aufschwung sich bemerkbar macht. Überall stellen sich geeignete Persönlichkeiten dem Werke des Hilfsvereins zur Verfügung. Der Hilfsverein ist jetzt in rund 250 Orten Deutschlands durch Lokalkomitees oder Vertrauensleute vertreten. Der wei-

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