Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 13 (27.3.1925)
- Date
- 1925-03-27
- Page
- Seite 211 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 13 Das Jüdische Echo 211 Dr. Klee In München Zu Sonntag, 22. März, vormittags hatte die Zionistische Ortsgruppe München zu einem Vortrag des Mitglieds des Landesvorstandes der Z.V.f.D. Herrn R.-A. Dr. Alfred Klee über „Gegenwart und Zukunft des deutschen Judentums“ eingeladen. Der Einladung waren viele Hunderte gefolgt, so daß der 500 Personen fassende Cherubin-Festsaal fast bis auf den letzten Platz gefüllt war. Dr. Klee hat durch seine früheren Vorträge sich die größten Sympathien des Münchener jüdischen Publikums, auch des nichtzionistischen, erworben und sein Name zieht die in ihrer jüdischen Einstellung verschiedensten Kreise mächtig an. So sah man im festlichen Saale Vertreter fast aller jüdischen Körperschaften und Vereine, u. a. Mitglieder des hiesigen Gemeindevorstandes, der Logen, der Zentralvereinsvorstandschaft usw., die nicht gerade zu den häufigen Besuchern derartiger Veranstaltungen gehören. Der für Münchener Verhältnisse geradezu glänzende Besuch der Versammlung ist wohl ausschließlich dem Herrn Dr. Klee vorausgehenden Namen als führender Persönlichkeit des deutschen Judentums und unübertroffenem Redner zu danken. Nach einigen warmen Begrüßungsworten des Vorsitzenden der Versammlung, Herrn R.A. Dr. Eli Straus, der Herrn Dr. Klee als wohlbekannten und hochgeschätzten Gast der Münchener Judenheit einführte, erhielt Dr. Klee das Wort. Der Redner begann mit dem Hinweis auf das nunmehr unmittelbar bevorstehende frohe Ereignis der Eröffnung der hebräischen Universität in Jerusalem, an dem die gesamte Kulturwelt den innigsten Anteil nehme. Balf our, der Urheber der bekannten englischen Regierungsdeklaration, sehe es als die Erfüllung eines seiner schönsten Lebensträume an, in eigener Person den Akt der Eröffnung dieses Institutes zu vollziehen. Nach dieser mit Beifall aufgenommenen Einleitung ging der Redner auf sein eigentliches Thema ein. Er begann mit der Schilderung einer erschütternden Erinnerung an seinen letzten Münchener Besuch, wo er Zeuge eines ergreifenden Dankgottesdienstes der hiesigen Gemeinde für die Abwendung der Gefahren jener Tage gewesen sei. Die Einsetzung eines besonderen Fasttages der Münchener jüdischen Gemeinde zur Erinnerung an die glücklich überstandene Gefahr habe in ihm den tiefsten Eindruck hinterlassen. „Sind wir noch Juden?“ Mit diese Frage eröffnete der Redner seine Ausführungen. Dr. Klee antwortet mit der Überzeugung eines an die unverwüstliche Kraft des jüdischen Volkes und seine Zukunft tief Glaubenden: „Wir sind wieder Juden“. Der Versuch der letzten Generationen in Deutschland, aus dem Judentum einen Torso zu machen, es zu konfessionalisieren, in das Prokrustesbett einer durch Landesgrenzen eingeengten lokalen Angelegenheit einzuzwängen,, habe glücklicherweise völlig Schiffbruch gelitten. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit All-Israels habe den Sieg davongetragen. Die Juden der Gegenwart seien auch in Westeuropa wieder zu einer Gemeinschaft geworden, deren auszeichnendste Eigenschaft die Pflege der Gesinnung der Solidarität sei. Die Bindungen des Leides, des gemeinschaftlichen Schicksals zeigten allüberall ihre unwiderstehliche Gewalt. Die Solidarität verlange aber die völlige Aufhebung von Unterscheidungen zwischen Juden und Juden. „Ich hasse“, ruft der Redner aus, „das Wort Ostjude, ebenso wie ich das Wort Westjude hasse. Es gibt für mich nur eine jüdische Gemeinschaft. Und so gibt es auch nur eine Gemeinde, die der Mittelpunkt alles jüdischen Lebens und Denkens sein muß.“ Der Redner geht dann des Näheren auf den Pflichtenkreis der jüdischen Gemeinde ein. Die Gemeinde dürfe keine bloße Kultusgemeinde sein. Sie müsse ein lebendiger Ast am Baum des Gesamtjudentums werden, eine Art Mikrokosmos des Gesamt judentums darstellen. Voraussetzung für diese gesamtjüdische Einstellung sei die Anerkennung des Prinzips der Gleichberechtigung aller Mitglieder. Dr. Klee fordert die absolute Gleichberechtigung, sowohl hinsichtlich des aktiven wie des passiven Wahlrechts. Die Gemeindepolitik dürfe nicht von der Rücksicht auf die kleine Schar der Naumann- 1 e u t e, die die Ostjudenhetze mitmachen, bestimmt werden. Die Gemeinde, die schon vor alters den schönen und zutreffenden Beinamen einer „Mutter in Israel“ erhalten hat, müsse ihre schützenden Fittiche über alle ihre Kinder ausbreiten. Freilich folgen aus dem Prinzip der Gleichberechtigung auch gleiche Verpflichtungen. Es dürfe keine Ausflüchte und Entschuldigungen geben. Keiner habe das Recht, sich diesen Pflichten zu entziehen. Alle müßten in Reih und Glied stehen und sich in Opferfreudigkeit gegenseitig zu überbieten suchen. Der oftmals in der Gleichberechtigungsfrage der Ostjuden erhobene Einwand, daß zivilisatorische Unterschiede bestünden, sei nicht stichhaltig. Die Verwischung dieser Unterschiede sei eine Angelegenheit von wenigen Jahren. Falls man aber unter diesem Einwand verstehen wolle, daß es sich um moralische Wertunterschiede handle, so habe sich das jüdische Volk auch dort, wo es unter ständigem wirtschaftlichen Druck lebe, nach 1900jähriger Befehdung durch die Nichtjuden auf einem sehr respektablen moralischen Niveau erhalten, wenn man etwa den heutigen moralischen Niedergang europäischer Völker nach bloß vierjähriger Kriegführung in Vergleich zieht. „Sind die anderen um so viel DAS HAUS KRELL-UCKO THEATINERSTR.16 TELEFON 27831—32 BIETET BESONDERE PREISVORTEILE IN KLEIDERSTOFFEN - SAMT UND SEIDE DAMEN- UND JUNGMÄDCHEN-KONFEKTION TEPPICHEN — GARDINEN - DECKEN