Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 13 (27.3.1925)
- Date
- 1925-03-27
- Page
- Seite 208 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9072829-9103075-9153800--06579-9079292- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
208 Nr. 13 Das Jüdische Echo Hiermit streifen wir schon den dritten Gesichtspunkt. Das Prinzip der gegenseitigen Hilfe ist auch von Bedeutung für die große internationale sozialistische Bewegung. Wir deutschen Sozialdemokraten stehen solchen Versuchen sehr kritisch gegenüber. Aber im jetzigen Abschnitte der Entwicklung gewinnt der Versuch in Palästina für uns sehr viel an Interesse und Bedeutung. In verschiedenen Formen wird versucht, für den sozialistischen Gedanken die Wirklichkeit zu erobern. In Rußland der große Versuch der Zertrümmerung des alten, um einen neuen Aufbau herzuleiten. In P a 1 ä s t i n a wird ohne Gewalt versucht, aus einem verwahrlosten Lande fruchtbare Arbeitersiedlungen zu bilden. Wird es gelingen, das Genossenschaftsprinzip, das jetzt, da die Vorbedingungen bereits geschaffen wurden, da große Ziegeleien und Großmühlen vorhanden sind, zum Aufbau einer rationellen Landwirtschaft weiterzuführen? Wird man aufrecht erhalten können all das, was die Pioniere in schwerster Arbeit aufgebaut haben? Denen, die dort arbeiten und allen, die ihnen solidarische Hilfe leisten und ihre wertvolle Arbeit fördern, kann ich als Sozialdemokrat den herzlichsten Glück w unsch aussprechen. Möge ihre Arbeit im Interesse ihres Volkes, im Interesse des internationalen Sozialismus von Erfolg gekrönt sein!“ Stürmisch begrüßt führte als Dritter der Veteran des internationalen Sozialismus Eduard Ber nstein folgendes aus: „Wer gewohnt ist, die Dinge vom großen geschichtlichen Gesichtspunkt aus zu betrachten, kann nicht verhehlen, daß die zionistische Bewegung ein, ich möchte sagen, naturgemäßes Produkt einer allgemeinen Reaktion ist, die durch Europa zieht. Wir leben in der Zeit einer großen Reaktion, allerdings neben der großen Bewegung der Sozialdemokratie. Die gegnerischen Strömungen führen den Sammelnamen Antisemitismus. Eine Bewegung, die im allgemeinen mit den dem Sozialismus entlehnten Argumenten kämpft. Eine Bewegung, die vorgibt, den Kapitalismus zu bekämpfen, die aber den reichen Juden nichts tut und sie verschont. Der Antisemioer(ud)en sic »^Smyrna-Flamme“ zu lOPfa. mit Stroßmunbrtück in eleganter Bfectipackung 5igarettenfabrik Dibolb, HIQndien iismus richtet sich hauptsächlich gegen den armen Juden. Die Bewegung, die sich um das arbeitende Palästina konzentriert, zeigt einen Idealismus, an den man nicht mehr geglaubt hat. Und darin finde ich etwas Großartiges, nicht nur für das Judentum, sondern für die ganze Welt. Eine falsche Auslegung der marxistischen Auffassung hat den Idealismus aus ihr herausdebattiert. Was geschieht Großes ohne Idealismus? Wer ein bischen alt geworden ist, so wie ich, und sich erinnert, was er gesehen hat an Opferwilligkeit, der kann sich freuen an dem Heutigen. Unsere großen Vorkämpfer haben auch über die Judenfrage geschrieben, aber was sie geschrieben haben, ist teilweise falsch. Sie haben nur den wohlhabenden Juden erwähnt und sie haben nicht gesehen, daß im Osten Millionen von Juden leben, die Proletarier sind. Heute sehen wir es aber. Es sind Millionen im Osten und in den Vereinigten Staaten. Aber gerade New York, das bisher offen stand, schließt sich jetzt ab. Das allerdings ist auch ein Moment, das wir früher nicht kannten, weil wir diese Bewegung nicht verstanden, aus dem der Zionismus hervorgegangen ist. Heute stehen die Probleme ganz anders. Was in Palästina gschaffen wurde, erinnert mich an die Geschichte des internationalen Sozialismus. Gerade an Palästina sieht man, was Hingebung leisten kann. Es ist eine begeisternde Erfahrung, die uns aus dieser Bewegung entgegenweht und das darf sich niemand verhehlen, auch der nicht, der dieser Bewegung zweifelnd gegenüberstehl. Es ist positive Arbeit geschaffen worden. So stehe ich dieser Bewegung gegenüber und darum hat sie meine volle S y m p a t h i e. Sie war nicht vergebens. Das ist der Gedanke, der mich erfüllt. Ich stehe ja auch, wie mein Kollege Löhe von sich bemerkte, dieser Bewegung als Laie gegenüber. Ich bin in ganz anderen Auffassungen aufgewachsen und stehe auch jetzt im Leben in einer Arbeit, die es mir unmöglich macht, dem Zionismus die Aufmerksamkeit zu widmen, die er verdient. Ich empfinde aber, daß hier etwas ist. das notwendig ist und darum kann ich nur sagen: Ich glaube, aus dieser Bewegung wird Großes hervorgehen. Ich kann der Bewegung nur eines wünschen, daß sie bei allem, was sie national erstrebt, nicht den großen internationalen Gedanken vergißt, daß sie ihm das gibt, was ihm gebührt. In diesem Geist kann ich nur mit den Worten Lobes schließen. Ich wünsche Euch zu allem Erfolg und beglückwünsche Euch zu allem, was bereits geschehen!“ PORZELI.A N-Nl K1» K KLAGE MÜKCHEX THEATINERSTRASSE 23 gegenüber der Feldherrnhalle GRÖSSTE AUSWAHL IN G E B R A U CS H S P O R Z E LL AN TÄGLICHE L A G E R E K G Ä N U N G