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Das jüdische Echo · 1925-03-27 · 13 (27.3.1925) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
13 (27.3.1925)
Date
1925-03-27
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 15 27. März 12 Jahrgang Der deutsche Reichstagspräsident zum Palästina-Aufbau Im Rahmen einer Aktion für das arbeitende Palästina in Deutschland veranstaltete die jüdische sozialdemokratische Arbeiter-Organisation Poale Zion in Berlin Montag, den 16. März, in den Spichernsälen eine große sozialistische Kundgebung für das arbeitende Palästina. Zu den nahezu 2000 Versammelten sprach als erster der Sekretär des Weltverbandes Poale Zion, Mendel Singer. Er entrollte ein Bild von der Lage der Juden in Osteuropa und schilderte die Leiden der jüdischen Wanderer, vor denen die wichtigsten Einwanderungstore verschlossen werden. Palästina bildet schon jetzt ein wichtiges Einwanderungsland. Die Form der Siedlung in Palästina bedeutet einen neuen Versuch auf diesem Gebiet und entfesselt im jüdischen Volke neue schöpferische Kräfte und ungeheuren Idealismus. Am Schluß charakterisierte der Redner die Institutionen der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina und forderte zur Stärkung der Arbeiterkolonisation beizutragen auf. Als Zweiter sprach, von der Versammlung stürmisch begrüßt, Reichstagspräsident Paul Lobe: ,,Ich danke Ihnen für die sehr freundliche Begrüßung. Ich weiß nicht, ob Sie nicht voreilig waren, ob Sie sie nicht später zurücknehmen werden. In dieser Versammlung hat jetzt zu Ihnen ein Kamerad gesprochen, der in der Arbeit steht, der Einblick in alle Einzelheiten hat. Sie werden merken, jetzt spricht ein Laie, der diese Dinge von außen betrachtet, ein deutscher Parlamentarier, ein Parteiführer, der diese gewaltigen Dinge zunächst nur mit dem Auge eines wohlwollenden Beobachters oder Beurteilers betrachtet. Mir war es nicht, wie meinem Freunde Macdonald, vergönnt, sich von dem in Palästina bereits Erreichten zu überzeugen. Deshalb muß ich mich wohl erst recht als Laie betrachten. Von diesem Standpunkt aus will ich nun versuchen, das Werk des arbeitenden Palästina einzuschätzen. Ich sehe darin drei Gesichtspunkte: Einen allgemein-politischen, der auch in der deutschen Politik eine gewisse Rolle spielt, einen speziell jüdischen und einen internationalen, der die Durchführung des Prinzips der gegenseitigen Hilfe in der Genossenschaftsarbeit betrifft. Vorerst wollen wir den politischen Gesichtspunkt betrachten. Es ist die Rückkehr eines lange Zeit von Land und Heimat entfremdeten Volkes zur manuellen Arbeit von Stadt und Land. Hier beginnt bereits die Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus, der auch in unserem Lande unter Hitler und Ludendorff immer wieder auftaucht. Uns handelt es sich aber nicht so sehr um die Parteien, die offen entgegentreten, sondern um die, die angeben, keine Antisemiten zu sein und es doch sind. Sie sagen, das jüdische Volk hat sich der Landarbeit und auch sonstiger manueller Arbeit entzogen und ist nur in den Handel und die geistigen Berufe übergegangen. Das ist eine begrenzte Beurteilung. Zur Zeit, als ich in Schlesien war, mußte ich bloß über die Grenze nach Sossnowice gehen, um Tausende von Juden, die sich mit manueller Arbeit beschäftigten, zu sehen. Vom Droschkenkutscher bis zum Schneider waren überall Juden zu finden. Es waren sogar viele aus Galizien und Polen, die mehr als einen Beruf gehabt haben. Es waren Weber aus Lodz, die auch Schneider und Schuhmacher waren. Auch in Breslau, wo ich 25 Jahre als Redakteur beschäftigt war, habe ich Juden als Buchdruckerarbeiter angetroffen. Diese Beweise genügen aber nicht für den Westen. Hier wies man darauf hin, daß viele Juden sich den rein geistigen Berufen und dem Handel gewidmet haben. Wer die historische Entwicklung kennt, weiß, daß die Juden Jahrzehnte hindurch von Landerwerh, von der Urproduktion und auch vom Handwerk ausgeschlossen und deshalb auf einige bestimmte Zweige des Wirtschaftslebens angewiesen waren. Das sehen wir ja auch zum Beispiel an den ostpreußischen Junkern, die sich gemäß ihrer Abstammung auf das Militärische verlegt hatten. Dies alles sind aber nur theoretische Beweise. Hoch über der Theorie steht das Beispiel, das die jüdischen Arbeiterpioniere in Palästina geliefert haben. Ich wreiß, es gibt beachtenswerte Gelehrte, die behaupten, es ist vielleicht gerade der Beruf der Juden, mit ihrem Geiste alles zu durchdringen. Seht doch die lange Reihe bedeutender jüdischer Dichter, Maler, Komponisten und Politiker, das soll die eigentliche Aufgabe der Juden sein. Wer genauer zusieht, überzeugt sich aber bald, daß dies nicht für alle gilt, vielleicht nur für eine Oberschicht. Betrachten wir die Juden in Rußland, Polen und Amerika, die ein elendes Proletarierleben führen. Da kommen wir aber schon zum zweiten Gesichtspunkte, der speziell jüdischen Auffassung. Ich halte es für eine schwere Krankheit, wenn ein Volk dauernd von der Natur ausgeschlossen bleibt. Der Aufbau Palästinas ist ein Versuch, die Juden, die dauernd von dem Boden und ihrer Heimat, aus der sie kommen, entrissen wurden, wieder damit zu verbinden. Wenn ich mich in die Literatur dieser Bewegung vertiefe, finde ich ergreifende Beispiele von Heroismus. Allein schon der Gedanke, dem Volke das Land wiederzugewinnen, ist von großer Tragweite. Die erste Form der Arbeit, die Urbarmachung des Bodens, die Ausrodung erfordert ungeheure Anstrengungen und große Opfer. Diesen Leistungen kann niemand seine Bewunderung versagen. Jetzt werden die ersten Pioniere, die die schwierigste Arbeit zu leisten hatten, durch andere abgelöst. Wird es gelingen, in der Zeit des Sturmes das klare geniale Prinzip gegenseitiger Hilfe wTeiterzufiihren?

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