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Das jüdische Echo · 1925-03-20 · 12 (20.3.1925) · p. Seite 215

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
12 (20.3.1925)
Date
1925-03-20
Page
Seite 215 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 12 Das Jüdische Echo 197 Adlon eingeladen. Die namhaftesten Vertreter der deutschen Journalistik leisteten der Einladung Folge. Der Herr Reichsaußenminister Herr Gustav Stresemann, der sein Erscheinen’ angekündigt hatte, mußte im letzten Augenblick wegen seines Gesundheitszustandes seinen Besuch absagen. Vom Auswärtigen Amt waren u. a. erschienen: Herr Staatssekretär v. Richthofen, der neuernannte Generalkonsul für Palästina Geh. Legationsrat Dr. Nord, Herr Legationsrat Prof. Dr. Sobernheim, Herr Konsul Dr. K a 1 i s c h , Herr Geh.- Rat Dr. F e i g 1, Herr Konsul Litten, Herr Konsul Z i e m k e , Herr v. B a s e w i t z. Auch die Schriftstellerwelt war durch einige markante Persönlichkeiten, wie Alfred K e r r u. a. vertreten. Man sah auch einige Persönlichkeiten des politischen Lebens, wie den früheren Staatssekretär August Müller, Julius K a 1 i s k i u. a. Herr Generalkonsul Landau, Vizepräsident des Keren Hajessod für Deutschland, hieß die Erschienenen willkommen, worauf die Vorführung des Films aus dem neuen Palästina begann. Der Film zeigte zuerst Bilder aus dem alten Palästina, dann eine reiche Folge von Bildern aus dem sozialen und kulturellen Leben des heutigen Palästina. Man sah den Chaluz von dem Augenblick seines Eintreffens im Lande an bis zu dem Zeitpunkt, da er sich als Element des arbeitenden Palästina eingeordnet hat. Man sah die Arbeit in den mos dernsten industriellen Anlagen, sowie in den großen Apfelsinen- und Tabakplantagen. Auch Bilder vom Hafenleben, vom Haifaer Technikum und den Ruthenberg-Anlagen rollten vorüber. Der auch in technischer Beziehung gelungene Film fand das lebhafteste Interesse und den Beifall der Anwesenden. In einer Vorführungspause hielt der Präsident der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Herr Kurt Blumenfeld, eine Ansprache an die Gäste, in der er Erläuterungen zu dem Film gab und die neueste Entwicklung in Palästina schilderte. Zum Schluß beantwortete Herr Blumenfeld mehrere von den Journalisten an ihn gestellte Fragen. August von Wassermann gestorben Berlin (J.T.A.). Am 16. März verstarb zu Berlin im Alter von 59 Jahren der Direktor des Kaiser Wilhelm-Instituts für experimentelle Therapie, August von Wassermann. Mit ihm ist ein Forscher dahingegangen, dessen Name wie kaum ein zweiter der zur Zeit lebenden Ärzte überall in der Welt bekannt ist, wo wissenschaftliche Medizin gelehrt und geübt wird. Er war ein Schüler Robert Kochs, mit welchem er 1891 die Toxine entdeckt hat, sowie Paul E h r 1 i c h s , der ihn seinen bedeutendsten Schüler nannte. Weltberühmt wurde er, als er im Jahre 1906 die Blutprobe auf Syphilis, die unter dem Namen „Wassermann’sche Reaktion“ ihren Siegeslauf über die Welt angetreten hat, entdeckte. August von Wassermann ist der Sohn des verstorbenen Hofbankiers Angelo von Wasser* mann und wurde 1866 in Bamberg geboren. Er stand jüdischen wissenschaftlichen Bestrebungen nahe und förderte insbesondere die Lehranstalt für die W^ issenschaft des Judenperfucben sie »^Snuj rna=Flamme“ zu lOPfa. mit Strohmunbftöck in eleganter B/ecbpackung 5igargttenfabrik Dibolb, lüunctjgn t u m s zu Berlin, die ihn vor zwei Jahren anläßlich ihrer Jubelfeier gleichzeitig mit Ch. N. B i a 1 i k und anderen großen jüdischen Persönlichkeiten zu ihrem Ehrenmitglied ernannt hat. Palästina Beendigung von Streiks und Aussperrungen Jerusalem (J.T.A.). Die Streiks und Aussperrungen, die seit einiger Zeit den Arbeitsmarkt in T e 1 - A v i v in Unruhe versetzten, wurden am 5. März durch Vergleich beigelegt. Die Unternehmer gaben allen Forderungen der Arbeiterschaft nach. Die Zionistische Exekutive und der Jüdische Nationalrat (Waad Leumi) setzten sich für die Beilegung der Differenzen ein. Unter ihrer Mitwirkung wurde ein ständiges Komitee gebildet, welches die Aufgabe haben wird, die Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern in Palästina zu regeln und alle etwa entstehenden Differenzen zu schlichten. Die Jerusalemer Wasserversorgung in Gefahr. — Gebete in Kirchen, Synagogen und Moscheen Jerusalem (J.T.A.). Durch das Ausbleiben des Regens ist die Wasserversorgung Jerusalems in eine ernste Lage geraten. Die Rationierung wurde auch für die Krankenhäuser ausgesprochen. Die Bautätigkeit muß wegen Wassermangels ruhen. Die Baukooperative beabsichtigt, die Jerusalemer Arbeiterschaft in andere Städte zu dirigieren. Der Vorrat in den Zisternen und in den Privathäusern reicht nur noch für zwei Monate. In allen Kirchen, Synagogen und Moscheen wurden Gebete um Regen angeordnet. Die Jerusalemer Stadtverwaltung hielt gemeinsam mit dem Gouverneur General Sir Ronald Storrs und anderen Regierungsbeamten eine Beratung ab. Man beschloß zu versuchen, Wasser aus der Quelle Enfarra, einige Meilen von Jerusalem entfernt, nach der Stadt zu leiten. Schändung einer Synagoge in Riga. — Thora-Rollen zerrissen und auf den Boden geschleudert Riga (J.T.A.). Unter der Judenschaft Rigas herrscht große Aufregung über einen unerhörten Akt der Schändung, dem das Beth-Midrasch in der Revaler Gasse zum Opfer gefallen war. Als der alte Synagogendiener morgens das Bethaus betrat, bot sich ihm ein schauderhafter Anblick dar. Die Thoralade war aufgerissen, die Thorarollen lagen zerfetzt auf dem Bodeh herum, die gesamte innere Einrichtung war vollkommen demoliert, die Spendenbüchsen auf gebrochen, sämtliche Fensterscheiben eingeschlagen. Außerdem war der Fußboden auf eine ekelerregende Weise beschmutzt worden. Der Bethausdiener verständigte die Polizei, die sofort eine energische Untersuchung begann. Man fand im Betsaale einen Hammer, der einem benachbarten Schlosser gehört. Dieser aber erklärte, er habe nichts mit der Sache zu tun, der Hammer sei ihm entwendet worden. Der Sejm-Deputierte Rabbiner Dubin hat den Innenminister von dem Vorfall unterrichtet, es wurde die energischste Untersuchung versprochen. Wie erinnerlich, wurde vor einigen Wochen an einem Freitagabend ein Handgranatenattentat gegen ein Bethaus in Riga unternommen. Die Granate explodierte und demolierte das Innere des Bethauses. Zum Glück waren Menschenleben nicht zu beklagen, da die Explosion bald nach Schluß der Abendandacht, als die Andächtigen die Synagoge bereits verlassen hatten, erfolgt war.

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