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Das jüdische Echo · 1925-03-20 · 12 (20.3.1925) · p. Seite 209

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
12 (20.3.1925)
Date
1925-03-20
Page
Seite 209 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 12 Das Jüdische Echo 191 sehen Unternehmungen vorhanden und besteht die Wahrscheinlichkeit, daß sich in absehbarer Zeit ein bedeutender Teil des Kapitals privatkapitalistisch im Lande investieren wird, so werden sich hier — wie überall in der Welt die beiden Gruppen — Kapitalisten und Arbeiter gegenüberstehen. Durch diese in der Natur der Sache liegende Situation wird daher ein Gegensatz der Interessen hervorgerufen, der nicht im mindesten mit einer von vornherein ausgegebenen Parole: „Klassenkampf um des Kampfes willen“ zu tun hat, sondern der vielmehr, wie in anderen Ländern auch, durch die besondere Wirtschaftsgestaltung hervorgerufen ist. Die Befürchtungen, die man aus der Tatsache des bestehenden Klassenkampfes in Palästina vielleicht für die Ausdehnung der nationalen Arbeit hegen kann, sind aber nicht gerechtfertigt. Es ist ein Irrtum zu glauben, daß das Aufeinanderprallen von Interessengegensätzen etwas mit der nationalen, überparteilichen Aufgabe aller Schichten zu tun hat. Man muß sich daher darüber klar sein, daß eine Bewegung wie der Zionismus nicht das Werk einer Partei sein kann und sein wird. Jede von einer Aufbaugruppe getragene Idee und jedes von einer Gruppe verfolgte Interesse wird sich in der Bewegung auswirken und nach Maßgabe der Stärke des Auftretens der Bewegung den Stempel der spezifischen Originalität mehr oder weniger aufdrücken. Die sozialdemokratische Einstellung, wie sie uns in dem von den Poale-Zion getragenen Interessen- und Ideenkomplex gegenübertritt, hat nun für den Zionismus besondere Bedeutung durch die Art, wie der Sozialdemokrat den politischen Strömungen des Landes, in dem er lebt, gegenübersteht und auch dadurch, wie er seinen Einfluß auf den Ablauf der Wirtschaft geltend macht. Zunächst ist sie ein Schutzmittel gegen die Gefahr eines jüdischen Chauvinismus. Die Einstellung zur Araberfrage ist heute leider noch bei vielen und oft den aktivsten Zionisten nationalistisch. So begreiflich dies ist, wenn man bedenkt, mit welcher Intensität der Boden Palästinas ersehnt und erstrebt wird, so kann man sich doch über den Charakter dieses „Sich-durchsetzens“ kaum .täuschen. Bei der Verwirklichung der Besitzergreifung des Bodens können verschiedene Methoden angewandt werden. Daß Machtverhältnisse bei Führung einer vernünftigen Verständigungspolitik nicht ausschlaggebend sein müssen, zeigt vielleicht am besten, daß die Jabotinsky’schen Prophezeiungen sich bis heute nicht erfüllten. Der Sozialist, der an alle Probleme mit sozialistischen Ideen herangeht, die von einer großen Internationale getragen sind, erblickt — da er sich nicht in seinem Gesichtskreis durch Landesgrenzen und nationalistische Imperative beengen läßt, durch das Wirken seiner Organisation, die sich über die ganze Welt spannt —, immer bessere Auseinandersetzungsmethoden als engstirnig angewandte Ausnützung von Machtpositionen. Eine große, nicht zu ersetzende Wirkung übt die sozialdemokratische Einstellung auf den Zionisten im Galuth aus. Es ist eine sehr häufig anzutreffende Tatsache, daß gerade die aktivsten Menschen in der Bewegung an den politischen Strömungen des Landes, in dem sie leben, ohne Anteilnahme vorübergehen. Es wird Neutralität erklärt und man glaubt sich jenseits der Sphäre, in der man Partei sein muß. Die Stellung des Sozialisten in diesem Zusammenhang ist gekennzeichnet dadurch, daß er einmal weiß, mit welchen Schicksalsgemeinschaften, mit welchen Völkern sein Ich verwoben ist und welche Aufgaben ihm hieraus entspringen, und zweitens, daß er über alle kulturell-nationalen Grenzen hinweg immer auf der Seite zu stehen hat, die der tatsächliche Träger des Gemeinschafts* geistes ist. Hieraus ergeben sich also als Konsequenzen für ihn zwei Dinge: Träger der nationalen Aufgabe (nicht nationalistischen!) und Träger dieser großen Aufgabe zu sein, die überall da für ihn auftritt, wo die Wirtschaft die Menschen in Klassen scheidet. Für den jüdischen Sozialisten ist deshalb erst eine Aufgabe erfüllt, wenn er selbst sich mit seinem Körper im Aufbauwerk als einen Baustein einsetzt. Darüber hinaus sieht er in Palästina wie im Galuth noch die Aufgabe, die Klassen erzeugenden Mächte zu bekämpfen. Die aus dieser Einstellung erzeugten Kräfte wirken in der Wirklichkeit des Aufbaues in zweifacher Richtung: regulativ und darüber hinaus schöpferisch. Es stehe die Bodenfrage zur Diskussion oder die Verwendng der Gelder des Keren Hajessod — die Entscheidungen für den Sozialdemokraten begegnen keinerlei inneren Hemmungen. Er ist im Prinzip für die Verwendung öffentlicher Gelder zur planmäßigen lanrwirtschaftlichen Kolonisation als der Basis für eine erstrebenswerte wirtschaftliche Entwicklung. Und wenn man den Aufbau Palästinas als Manifestierung der Leistung des jüdischen Volkes betrachtet, so erstrebt der Sozialdemokrat nur als Ziel, möglichst viele Menschen in Palästina anzusiedeln. Für ihn handelt es sich nicht nur um Übersiedlung; auch nicht nur um Übersiedlung, um eine nationale Aufgabe zu erfüllen. Sein Ziel ist der Aufbau einer normalen jüdischen Gesellschaft. Er verläßt das einseitig aufgebaute intellektuelle Milieu des Galuth, um ein Glied der neuen, beruflich differenzierten und daher sich selbst erhaltenden Gesellschaft zu werden. „Die Vielseitigkeit der Gesellschaft ist es, die erst die richtige Entwicklung einer Nation zur Folge hat“ (Naphtali). Wenn man rückschauend sich vergegenwärtigt, wie der jüdische Sozialdemokrat den Problemen gegenübertritt, so muß die Gewißheit bestehen, daß, wo er beim Aufbau eine ausschlaggebende Stimme hat, im Gemeinschaftsgeiste gehandelt wird. Von diesem Gesichtspunkt aus muß daher erkannt werden, daß die sozialdemokratische Einstellung für den Aufbau eine besonders stark auf das eigentliche Ziel lossteuernde Kraft darstellt. Dr. Jakob Rosner. GASTSTÄTTEN PBEYSIÜTO PALAIS Der vornehme Aufenthalt bei massigsten Preisen Menu Mk. 3.— u. 4.— Tischbestellnng: Telefon 25 8 97 | ii tj t min*;?

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