Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 12 (20.3.1925)
- Date
- 1925-03-20
- Page
- Seite 208 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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190 Nr 12 Das Jüdische Echo versuchtiß;' —1 im ganzen eine Atmosphäre, die allen Festspielbesuchern peinlich erscheinen mußte, soweit sie nicht als Sendboten einseitig politischer Einstellung kamen. Siegfried Wagner hat sich durchaus dagegen verwahrt, daß diese Dinge ihm zur Last zu legen seien. In einem Briefwechsel, der seit dem Ende der Festspiele herüber und hinüber geht, hat er seinen reinen Willen, seine unpolitische Einstellung und seine Vorurteilslosigkeit immer erneut betont.“ Diese Erklärung Siegfried Wagners hat in der links gerichteten Presse Deutschlands die freudigste Anerkennung gefunden und wir wollen nur hoffen, daß sich Siegfried Wagners Einfluß stark genug erweist, um in der Tat die Bayreuther Festspiele wieder zu einer Angelegenheit ungetrübten Kunstgenusses zu machen. Freilich sind wir der Meinung, daß die Hakenkreuzlerparteien Herrn Wagner für seine Erklärung kaum dankbar sein werden. Oder hat bei ihnen der Grundsatz, den sie gewöhnlich den Juden zum Vorwurf machen: „Geschäft über alles!“ auch über ihre Judenfeindschaft gesiegt? Wir glauben das nicht und so wird es Siegfried Wagner große Anstrengungen kosten, um das gegebene Versprechen einzulösen, an dessen Aufrichtigkeit wir keinen Grund haben zu zweifeln. Wie sehr rechtsradikale deutsche Kreise davon entfernt sind, Kunst und Politik zu trennen, zeigt die folgende Meldung der J.T.A. aus Berlin: Die großen künstlerischen und Publikumserfolge des Intendanten des Staatlichen Schauspielhauses, Leopold Jessner, halten die reaktionäre Presse nicht zurück, Jessner vorzuwerfen, daß er als Jude deutsche Kunst nicht erleben kann. Aus Anlaß der Aufführung des Dramas „Napoleon“ von Grabbe im Staatlichen Schillertheater veröffentlicht der Kritiker der „Deutschen Zeitung“ unter der Überschrift „Vorwärts, Bürger!“ einen Hetzartikel gegen Intendant Jessner, dem z. B. vorgeworfen wird, daß im Drama „Napoleon“ die preußischen Jäger lächerliche, wehleidige Züge erhielten, während Franzosen und Engländer stramm standen. Der Kritiker schreibt dann: „Dem Bürger mögen über diese widerrechtlichen Beeinflussungen seiner Institute die Augen aufgehen. Er hat ein Recht auf Teilnahme am Volksbesitz. . .. Wir wahren uns gegen die willkürliche Ausbeutung der dichterischen Überlieferung durch mangelnde sittliche Einstellung der Bühnenleitung. . . . Bürger, schütze das Werk deiner dichterischen Überlieferung durch Zusamenschluß. . .. Setzt euch, deutsche Bürger, heute die Diktatur fremdvölkischer Kreise nicht in den Brand der Erkenntnis und Tat, dann werdet Mumien am Ofen eurer kleinbürgerlichen Unfertigkeit. Vorwärts, Bürger! schütze deine Kunst!“ Ein Kommentar zu dieser völkischen Hetze erübrigt sich. Sie zeigt den ganzen Tiefstand des heutigen kulturpolitischen Lebens in Deutschland. Zionismus und jüdische Sozialdemokratie Wir geben gerne den folgenden Ausführungen unseres geschätzten Mitarbeiters, Hrn. Dr. Jakob Rosner, über ein Thema Raum, das unseres Erachtens noch viel zu wenig in nichtzionistischen jüdischen Zeitschriften erörtert worden ist, obwohl es eines der aktuellsten Fragen der palästinensischen Aufbau- Arbeit in sich schließt. D. Red. Der Zionismus ist eine alle Schichten des jüdischen Volkes umfassende Bewegung. Aus dieser Tatsache allein erhellt schon, daß die verschiedenen Gegensätze — Gegensätze der Interessen und Gegensätze der Ideen —, deren Träger einzelne Schichten des jüdischen Volkes sind, sich in der Bewegung, im Zionismus auswirken müssen. In Deutschland, wo die soziale Schichtung der jüdisehen Bevölkerung nicht so stark differenziert ist als im Osten und in Amerika, ist man vielleicht geneigt, als aufbauende Kräfte allzusehr die allgemeine Chaluzbewegung und den Unternehmungsgeist Einzelner anzuerkennen. Die Frage der Stellung der Zionisten zu dem Verhältnis Zionismus — jüdische Sozialdemokratie soll deshalb hier einmal grundsätzlich behandelt werden, damit die Bedeutung sozialdemokratischer Einstellung für den Zionismus beleuchtet wird. Oft ist der Vorwurf in zionistischen Kreisen zu hören, man verpflanze mit sozialdemokratischer Einstellung den Klassenkampf nach Palästina und schwäche hierdurch die ohnehin nicht allzustarke Position der sich jetzt in den ersten Anfängen befindenden landwirtschaftlichen und gewerblichen Betriebe. In der üblichen Darstellung erscheinen die zwischen Arbeitgebern und Arbeitern bestehenden Konflikte als eine künstlich heraufbeschworene, aus theoretischen Gründen konstruierte Stellungnahme zu der Entwicklung der Gesamtwirtschaft. Da ist zunächst daher zu betrachten, ob es sich hier um ein künstliches Hineintragen des Klassenkampfes nach Palästina handelt und wenn dies nicht der Fall ist, ob sich der Klassenkampf in solchen Formen vollzieht, daß hierdurch eine Gefährdung der nationalen Arbeit bedingt erscheint. Die Entwicklung und Ausweitung der produktiven Kräfte Palästinas nimmt naturgemäß einen, in der Tendenz kapitalistischen Verlauf. Juden, die selbst aus einer kapitalistischen Sphäre stammen, kommen mit Kapital ins Land und fügen sich mit ihrem Unternehmen in den Rahmen der Wirtschaft nach demselben Prinzip ein, nach dem sie sich im Herkunftslande in die Wirtschaft einordneten. Daß bei dem Aufbau einer privatkapitalistischen Unternehmung im allgemeinen auch an die Erfüllung nationaler Aufgaben gedacht ist, soll bei dieser Betrachtung keineswegs verkannt sein. Aber sind einmal eine Fülle von privatkapitalisti- Die echt PhilippnpeCpjSrt [ T^^T^üsfschuR. * Vor minderwertigen Nachahmungen wird gewarnt. enthalten nur feinste Mischungen der edelsten bulgarischen Qualitätstabake