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Das jüdische Echo · 1925-03-20 · 12 (20.3.1925) · p. Seite 210

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
12 (20.3.1925)
Date
1925-03-20
Page
Seite 210 (sequence 8)
Language
German
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192 Das Jüdische Echo Nr. 12 Numerus clausus in der Berliner Alpenvereins* Sektion Wie die J.T.A. mitteilt, fand am 13. März in den Spichernsälen die ordentliche Haupt versammlung der Sektion Berlin des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins statt, die den Vorstand für das neue Geschäftsjahr zu wählen hatte. Bekanntlich hatte der bisherige Vorstand aus Anlaß der bevorstehenden Hauptversammlung einen antisemitischen Aufruf an die Sektionsmitglieder gerichtet, in welchem auf das Überhandnehmen des jüdischen Elements innerhalb der Sektion (die jüdischen Mitglieder sollen etwa 30% des allgemeinen Mitgliederstandes ausmachen) hingewiesen und vorgeschlagen wird, „eine taktvolle Beschränkung der Neuaufnahme jüdischer Mitglieder vorzunehmen, um so allmählich den Anteil der jüdischen Mitglieder auf ein erträgliches Maß herabzudrücken“. Auch solle allgemein der frühere Grundsatz der Prüfung bergsteigerischer Leistungen bei der Aufnahme neuer Mitglieder wieder mehr in Anwendung kommen, was natürlich der Voreingenommenheit und Willkür bei der Aufnahme neuer Mitglieder Tür und Tor öffnet. Die reaktionäre Presse versuchte mit allerlei Schreckmitteln und Beeinflussungsmethoden die nichtjüdischen Mitglieder der Berliner Alpenvereinssektion für den Antrag des Sektionsvorstandes mobil zu machen. Die „Deutsche Zeitung“ schreibt u. a.: „Was würde die Folge eines Unterliegens der deutschen Partei sein, die auf dieses Programm hin den Vorstand geschlossen wieder wählen will! Mehr als tausend deutsche Mitglieder würden der unter jüdische Herrschaft gelangten Sektion den Rücken kehren; die früher so angesehene Sektion Berlin würde also, wie Donauland, den Charakter einer jüdischen Sektion annehmen, was allerdings kaum den Wünschen der jüdischen Hetzer entspräche, die herrschen, aber nicht unter sich sein wollen, und würde voraussichtlich sehr bald den Weg der Sektion Donauland gehen (d. h. sie würde aus dem Hauptverein ausgeschlossen werden. D. Red.). Das bedeutende Sektionsvermögen aber, sämtliche Hütten, die große wertvolle Bücherei, würde den deutschen Mitgliedern verloren sein und der jüdischen Sektion verbleiben.“ Das antisemitische Blatt forderte die nicht jüdischen Mitglieder der Sektion auf, am 13. März für den Antrag des Ausschusses zu stimmen und darüber hinaus „die völlige Befreiung der Berliner Sektion von den Juden durchzuführen“. Auch die demokratische deutsche Presse beschäftigte sich mit dem gegen die Juden gerichteten Numerus clausus-Antrag des Vorstandes der Berliner Sektion. Ein Mitglied der Sektion Berlin, der demokratische Schriftsteller H. G. Erdmann s d ö r f f e r, der sich selbst als rassereinen Arier und evangelischen Christen bezeichnet, schrieb dem „Berliner Tageblatt“ u. a.: „Diese Idee (Numerus clausus bei der Aufnahme von Juden) ist nichts anderes, als eine klägliche Kapitulation vor dem blöden und kulturlosen Antisemitismus .... Entweder sie (die Herren vom Vorstand) haben nicht den Mut, mit ihrem antisemitischen Glaubensbekenntnis hervorzutreten, oder sie sind zu charakterschwach, um dem brutal andrängenden ,mit Drohungen und Terror arbeitenden Antisemitismus Widerstand zu leisten. Sie stellen sich auf den traurigen Standpunkt, die Juden werden nun einmal von den zahlreichen Bergsteigern verachtet und bekämpft, dieser Tatsache tragen wir Rechnung und beschränken daher die Zahl der aufzunehmenden Juden. Sie bedenken nicht, daß sie damit die jüdischen Mitbürger schlimmer infamieren, als es der konsequente Feld-, Wald- und Wiesen-Antisemitismus tut, der einfach erklärt: Die Juden sind durch die Bank nicht aufnahmefähig, weil sie „nicht arisch“ sind und daher in die Gesellschaft „deutscher Männer“ nicht hineingehören; der Sektionsvorstand will aber dem 30. Juden, der sich meldet, sagen: gegen dich liegt an sich gar nichts vor, aber du bist der 30., 29 nehmen wir bloß auf, du wirst daher abgelehnt. Darin liegt eine Brüskierung ehrenwerter Männer, die skandalös ist und die dem Kulturstand widerspricht, den die deutsche Nation erreicht hat.... Der Vorstand fürchtet das Ausscheiden vieler „christlicher“ Mitglieder, wenn zu viele Juden aufgenommen werden. Es wäre ein Gewinn für die Sektion, wenn Männer ausscheiden, die auch in dem seiner Natur nach völlig unpolitischen, nur die Liebe zu den Bergen pflegenden Alpenverein den Haß und den Hochmut der Rassenriecherei hineintragen .. . Die Herren vom Sektionsvorstande scheinen gar kein Gefühl dafür zu haben, wie sehr ihr Vorgehen unserem Ansehen im — uns wohlwollenden — Auslande wiederum schadet, wie sehr es dazu beiträgt, die Empfindung draußen zu stärken, daß die Deutschen ein Volk barbarischer Sitten seien. — Wir Deutschen germanischer Abstammung im Al- "RauThallmaier München ThßjaünßrttrAÖ. Jjon^ceüane.

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