Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 12 (20.3.1925)
- Date
- 1925-03-20
- Page
- Seite 207 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12 Das Jüdische Echo 189 Zionistische Ortsgruppe, München Sonntag, den 22. März 1925 vormittags 10 Uhr im Cherubinsaal des Hotel Vier Jahreszeiten Vortrag R.-KDr. Klee-Berlin Thema: „Gegenwart und Zukunft des deutschen Judentums“ IIIIIIIIDIIIIIIIIM Das Echo der Woche München, 20. März 1925. Wir haben in Nr. 10 unserer Zeitschrift unter der Überschrift „Wenn der Sommer naht . . eine Erklärung zum Abdruck gebracht, die vor kurzem die „Zeit“, das Organ des Herrn S t r e sein a n n , veröffentlicht hat und in der sich diese Zeitschrift „von gut unterrichteter Seite“ mitteilen läßt, daß es nicht zutreffe, wenn man behauptet, in Südbayern „wegen seiner politischen Stellung, seiner Weltanschauung oder seiner Konfession insultiert zu werden“. Die bayerischen Behörden würden in gleicher Weise für Ordnung und Ruhe sorgen, wie die irgend eines anderen Landes und es sei in den ganzen bayerischen Kurorten in den letzten Jahren nicht ein Fall vorgekommen, der zu irgend welcher Scheu vor einer Reise dorthin berechtigen könnte. Mit Recht bemerkt zu dieser Erklärung die „Wiener Morgenzeitung“, daß bei der nahenden Sommersaison die judenfreundliche Walze eingelegt werde, da bekanntlich Antisemitismus das Geschäft schädige, und die Zeitung warnt schließlich: „Für alle Juden, die etwas auf ihre Würde halten, muß nach wie vor der Grundsatz gelten, daß die bayerischen Kurorte, wie alle anderen, wo Pöbeleien gegen die Juden vorgekommen sind, unbedingt zu meiden sind“. Wie sehr Geschäft und Antisemitismus in oft unversöhnlichem Widerspruch stehen, zeigt noch folgender Fall. Vor uns liegt eine Nummer der Prager „S e 1 b s t w e h r“, in der über die Annahme des „Arierparagraphen“ im Hauptverband der Wintersport vereine des Riesengebirges berichtet wird. Dem Beispiel des Deutsch* Österreichischen Alpenvereins folgend, hat auch in diesem Verband der Arier-Paragraph großen Anklang gefunden. „Johannesbad, Spindelmühle, St. Peter, Klein-Aupa“ so heißt es in der Mitteilung, „wollten zuerst den Arierparagraphen aus g e - schäftlichen Rücksichten nicht annehmen. Schließlich gaben sie aber dem Drucke der Leitung nach und stimmten für den Arierparagraphen. Man hatte ihnen vorher in öffentlicher Versammlung versprochen, daß ihre Zustimmung nicht in die weitere Öffentlichkeit dringen, ihnen also nicht weiter schaden werde“. Einer der genannten Orte hat sogar nachträglich seine Zustimmung wieder rückgängig gemacht. Die „Selbstwehr“ bemerkt hierzu u. a.: „Daß die Sache der Öffentlichkeit verborgen bleiben wird, war eine falsche Spekulation. Die Öffentlichkeit hat ein Interesse daran, in diesen Dingen informiert zu sein. Diese Vereine unterlassen es nie, auch an die jüdischen Sommer¬ und Wintergäste, die in den großen Orten 70 Proz. der Kurgäste ausmachen, mit Ansuchen um Geldspenden heranzutreten. Die Juden werden nun wissen, was sie darauf zu erwidern haben.“ In das gleiche Kapitel gehört es, wenn das von der Münchener Polizei erfolgte Verbot der Hitlerversammlungen in einigen Zeitungen, darunter auch in den der bayerischen Volkspartei nahestehenden, dahin kommentiert wurde, daß die politischen Umtriebe Hitlers die bayerische Hauptstadt als Handels- und Fremdenstadt schädigen könnten oder bereits geschädigt haben. Die Richtigkeit dieser Behauptung bestreiten wir keineswegs. Es mutet nur einigermaßen peinlich an, daß die rein politischen Gründe eines. Einschreitens gegen Hitler scheinbar nicht ausreichten, um die Polizeimaßnahme vor der bayerischen Öffentlichkeit als gerechtfertigt erscheinen zu lassen. Nichts leuchtet dem Bürger mehr ein, als der Hinweis auf geschäftliche Schädigung. Um des Geschäftes willen läßt er sich sogar eine gewisse Eindämmung der antisemitischen Welle gefallen ... Aus hoffentlich reineren Motiven heraus ist die Erklärung zu verstehen, die in letzter Woche als Brief Siegfried Wagners an einen Berliner Rechtsanwalt durch die deutsche Presse gegangen ist, und in der es u. a. heißt: „Es liegt mir sehr am Herzen, daß die diesjährigen, wie alle kommenden Festspiele in Bayreuth losgelöst von jeder Tagespolitik stattfinden und daß' sie, im Geist des Stifters, lediglich dem hehren Zweck der Kunst zu dienen bestimmt bleiben. Von meiner Seite aus ist alles geschehen, um sicherzustellen, daß die Bayreuther Tage frei von jedem politischen Einschlag bleiben und es wird jeder, welchen Glaubens und welcher Abstammung er auch sei, in Bayreuth willkommen sein, der dort Erbauung und Erhebung finden will. Niemand braucht zu befürchten, daß irgendwelche Vorfälle unangenehmer Art sich abspielen. Gerade in den Zeiten der Not des deutschen Vaterlandes ist es erforderlich, daß alle Gutgesinnten und wahrhaften Patrioten sich frei von jedem Parteigeist in der Pflege der Kulturgüter zusammenfinden.“ Wieso Siegfried Wagner zu dieser Erklärung kommt, darüber gibt am besten ein Artikel von Dr. Bruno Weil in Nr. 57 des Berliner „8 Uhr- Abendblattes“ vom 9. März Auskunft, in dem es u. a. heißt: „Im vergangenen Sommer, als nach zehnjährigem Schlaf die Fanfarentöne zum ersten Male wieder vom Söller des Festspielhauses klangen, ertönten in Bayreuth häßliche Melodien: Dollarspenden an Ludendorff; Hakenkreuze, die seihst Wahnfried beschmierten; völkisch-antisemitische Lieder scheußlichster Observanz, in den Gassen verteilt und in öffentlichen Lokalen gesungen; ein Festspielführer, der sich (im übrigen zu Unrecht!) als offiziell bezeichnete, aber ganz im Stil völkischer Streitschriften abgefaßt, Richard Wagners Leben historisch verfälschte und den Meister zum völkischen Gralsrichter zu schlagen