Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 11 (13.3.1925)
- Date
- 1925-03-13
- Page
- Seite 173 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11 Das Jüdische Echo 173 Israelitischen Familienblattes“, dessen zionistische und zugleich traditionstreue Geistesrichtung so recht die seine war, und seit der Gründung des ,.Jüdischen Echo“ als treuer Mitarbeiter an dieser Zeitschrift, hat sich der Jubilar die wohlverdiente Aufmerksamkeit und dankbare Anerkennung aller derer erworben, die seine Aufsätze, die er zumeist unter dem Pseudonym „Ivri“ veröffentlicht, mit Genuß lesen. Besondere Innigkeit des religösen und nationalen Gefühls und ein sehr großes jüdisches Wissen verraten seine kurzen Betrachtungen zu den jüdischen Festen. Seit Bestehen unserer Zeitung hat Herr Fränkel in der liebenswürdigsten Weise seine schätzenswerte Kraft der Redaktion zur Verfügung gestellt und sich um die Ausgestaltung der Zeitschrift, besonders ihres lokalen Teiles Verdienste erworben. Wir bringen dem hochverehrten Jubilar unsere besten Glückwünsche dar und danken ihm zugleich für seine treue und segenbringende Mitarbeit. Die Redaktion. * * * Die Zionistische Ortsgruppe München hat beschlossen, Herrn Jakob Fränkel anläßlich seines siebzigsten Geburtstags ins Goldene Buch des Keren Kajemeth le-Jisrael eintragen zu lassen. Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden im Jahre 1924*) 2L Ausbau der jüdischen Wohlfahrtspflege in Deutschland. Auf diesem Gebiete war die Z.-W.-St. im vergangenen Jahre in doppelter Weise tätig. Einmal handelte es sich darum, den Zusammenschluß der jüdischen Wohlfahrtseinrichtungen in den Gemeinden, wo dies bis jetzt noch nicht geschehen war, herbeizuführen, hauptsächlich aber in Preußen Provinzialverbände ins Leben zu rufen. Es hat sich gezeigt, daß man leistungsfähige Träger nicht nur in der öffentlichen, sondern auch in der privaten Wohlfahrtspflege braucht, um der Not, die durch den Krieg und seine Folgewirkungen zutage getreten sind, wirksam zu steuern. Es war daher das Bestreben der Z.-W.-St. darauf gerichtet, derartige Organe zu gründen. Auf Grund eines besonderen Beschlusses der von den örtlichen Zentralen und Landesverbänden im Juni 1924 gefaßt wurde, ist die Z.-W.-St. dazu übergegangen einzelne Provinzen in Preußen zu Wohlfahrtsverbänden zusammenzuschließen. Es sind solche Verbände in der kurzen Zeit bereits in Hannover, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Rheinland entstanden. Da Hessen-Nassau und Westfalen bereits eine solche Organisation besitzen, auch Pommern durch den Provinzialverband des Jüdischen Frauenbundes in den Bereich dieser Arbeit hineingezogen ist, fehlen nur noch Schlesien und Ostpreußen und auch hier sind die Vorbereitungen soweit im Gange, daß man mit einer baldigen Gründung von Provinzialverbänden in diesen Provinzen rechnen kann. Diese Provinzialverbände stellen die Vertretung der Wohlfahrtspflege der Provinz gegenüber den Landesfürsorgeämtern dar und schließen sich mit den analogen katholischen und evangelischen Organisationen, sowie mit anderen Verbänden der freien Wohlfahrtspflege zu Unterorganen der Deutschen Liga für Wohlfahrtspflege zusammen. Sie haben eine Fülle von Aufgaben zu leisten, wobei sie in erster Linie die Regelung des Durchwanderfürsorgeu. Arbeitsnachweiswesens, des Ausbaus der Gesundheitsfürsorge, der Unterstützung von Alten, Kranken, Kriegshinterbliebenen in den kleinen Gemeinden, die nicht leistungsfähig sind, sich widmen müssen. Die bisher gegründeten Verbände arbeiten sehr erfolgreich und es ist so eine glückliche Vorarbeit für die späteren Aufgaben der Gesamtorganisation der deutschen Juden hinsichtlich des Wohlfahrtswesens geleistet. Auch nach einer zweiten Richtung war die Z.-W.-St. organisatorisch tätig, indem sie sich bemühte, innerhalb der Gemeinden, der örtlichen Zentralen und Landesverbände eine Systematik in der jüdischen Wohlfahrtspflege durchzuführen. Sie hat die Erfahrungen, die in gut arbeitenden Provinzen und örtlichen Stellen gemacht worden sind, gesammelt und sie in Form von Richtlinien den Organisationen im Lande draußen mitgeteilt. Auf diese Weise ist eine Fülle von Anregungen für praktische Arbeit gegeben und diejenigen Stellen, die bisher auf diesem Gebiete nicht geschult waren, sind in die Lage versetzt worden, für die jüdischen Wohlfahrtseinrichtungen von den amtlichen Stellen und von den anderen Organen der Wohlfahrtspflege jene Förderung zu erreichendie im Interesse der jüdischen Einrichtungen und der jüdischen Unterstützungsempfänger geboten ist. Ganz besonders hat sich die Z.W.St. den Ausbau der Gesundheitsfürsorge, der Anstaltsfürsorge, — letzteres in Zusammenarbeit mit dem Bund der jüdischen Kranken- und Pflegeanstalten und dem Verein der Leiter und Leiterinnen jüdischer Erziehungsanstalten in Deutschland angelegen sein lassen. Auch auf dem Gebiet der Jügendwohlfahrt, insbesondere der Gefährdetenfürsorge war die Z.W.St. tätig, indem sie sowohl für die Schaffung eines Heimes für schwer erziehbare Knaben, als auch eines Heims für Psychopathen die notwendigen Vorarbeiten getroffen hat. Einer ganz besonderen Anregung seitens der jüdischen Jugendfürsorge folgend hat die Z.W.St. sämtliche Jugendorganisationen in Deutschland zu einem Beirat der Jugend neben der Z.W.St. zusammengefaßt, gemeinschaftlich mit ihren Vertretern Richtlinien für die Mitarbeit der Jugend auf sozialem Gebiete mit den örtlichen Zentralen und Landesverbänden aufgestellt und Wege gefunden, um in die Jugend selbst die soziale Arbeit hineinzutragen. Hier liegen glückliche Ansätze vor, die in der kommenden Zeit zu einer starken Befruchtung der Wohlfahrtsämter und Provinzialstellen aber auch der jüdischen Jugendorganisationen führen werden. Die Z.W.St. selbst stand mit ihren örtlichen — und Landes- Organen in einem außerordentlich lebhaften schriftlichen und auch mündlichen Verkehr. Es hat nicht nur in Berlin eine Tagung dieser Stellen, wie bereits hervorgehoben, stattgefunden, sondern es sind auch im Laufe des Jahres eine große Zahl von Zentralen und Gemeinden durch Vertreter der Zentralstelle besucht worden und man war bemüht, die Zusammenarbeit möglichst intensiv zu gestalten. *) Siehe vorige Nummer des Jüd. Echo. (Fortsetzung folgt.)