Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 11 (13.3.1925)
- Date
- 1925-03-13
- Page
- Seite 168 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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168 Das Jüdische Echo Nr. 11 fln der Bahre Eberts Das plötzliche Hinscheiden des deutschen Reichspräsidenten Ebert hat in der gesamten jüdischen Öffentlichkeit Deutschlands die größte Trauer hervorgerufen. In ergreifenden Nachrufen auf die lautere Persönlichkeit des ersten Präsidenten der deutschen Republik gibt die jüdische Presse Deutschlands den Gefühlen der höchsten Anerkennung und Bewunderung der Wirksamkeit Eberts für das Schicksal der jungen Republik beredten Ausdruck. „In tiefer Trauer“, so schreibt das zionistische Zentralorgan Deutschlands, die „Jüdische Rundscha u“, „steht die deutsche Republik an der Bahre des ersten Reichspräsidenten. Nicht nur dem Träger der höchsten Würde des Reiches gelten die Gefühle, sondern der integren Persönlichkeit eines Mannes, der sich durch eigene Tüchtigkeit und Klugheit vom einfachen Handwerker zum großen Politiker hinaufgearbeitet hat. Ebert war ein Mann aus dem Volke, er behielt die Geradheit und den Gerechtigkeitssinn des einfachen Mannes bis an sein Lebensende. Dieser Gerechtigkeitssinn war es, der auch sein Verhältnis zum Judentum bestimmte. Ebert hatte schon infolge seiner Herkunft keine besonders engen Be= Ziehungen zum Judentum oder jüdischen Kreisen, später jedoch kam er in der sozialdemokratischen Partei mit zahlreichen jüdischen Intellektuellen in Berührung und arbeitete mit ihnen zusammen in einem Verhältnis gegenseitiger vorurteilsloser Achtung. Während seiner Reichspräsidentschaft, die ihm so viele Repräsentationspflichten auferlegte, hatte Ebert auch öfter Gelegenheit, mit jüdischen Persönlichkeiten und Repräsentanten jüdischer Organisationen zusammenzukommen. Es ist bekannt, daß er zweimal den Präsidenten der Zionistischen Organisation, Dr. Weizmann, empfangen hat und sich über den Aufbau Palästinas informieren ließ. Der letzte Empfang Dr. Weizmanns liegt nur wenige Wochen zurück und Präsident Ebert, der sich damals noch völlig ungetrübter Gesundheit erfreute, zeigte großes Interesse für die palästinensischen Probleme. Die Person des Reichspräsidenten war in der letzten Zeit leidenschaftlich umstritten. Es wurde von nationalistischer Seite ein Kampf gegen ihn entfesselt, den jeder objektiv denkende Mensch als ungerecht, unberechtigt und gehässig erkennen mußte. Denn Ebert war nicht nur ein Patriot, er war auch ein durch und durch nationaler Mann, dessen Großmut gerade jene Kreise, die jetzt am frechsten gegen ihn auftraten, viel verdankten. Es ist vielleicht nicht unangebracht, darauf hinzuweisen, daß die Verleumder, die auch vor dieser reinen Persönlichkeit nicht zurückschreckten, dieselben Leute sind, deren antisemitische Propaganda den Geist des deutschen Volkes vergiftet. Das deutsche Judentum und mit ihm die deutschen Zionisten betrauern tiefbewegt den schweren Verlust, den das Deutsche Reich erlitten hat.“ * Das Präsidium der Zionistischen Vereinigung für Deutschland hat an die Reichsregierung sowie an die Familie des Dahingegangenen Beileidstelegramme gesandt. Auch die Jüdische Gemeinde Berlin hat der Reichsregierung in einem Schreiben die Trauer der Berliner Judenschaft zum Ausdruck gebracht. * Wir wir bereits in der letzten Nummer des „Jüdischen Echo“ meldeten, hat der Vorsitzende des Zionistischen Gruppenverbands für Bayern und Württemberg, Dr. Meinhold Nußbaum, bei der Eröffnung der Verbandstagung in Bamberg am 1. März einen die Verdienste des Reichspräsidenten um die Republik und sein Interesse für das Judentum und den Zionismus hervorhebenden Nachruf gehalten. * In der Gefallenen-Gedenkfeier der Berliner Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten auf dem Friedhof der Jüdischen Gemeinde zu Weissensee, an .der mehrere Tausende Personen teilnahmen. gedachte Rabbiner Alexander in seiner Ansprache mit Worten tiefster Ergriffenheit des großen Toten. Die Gefahr Es ist uns allen klar, daß die zentrale Gefahr, die dem Zionismus augenblicklich droht, von der seelisch unvorbereiteten, rein aus materieller und moralischer Not erzwungenen Palästinawanderung östlicher Massen bürgerlicher und kleinbürgerlicher Struktur verursacht wird. An keiner Stelle unserer Bewegungsgeschichte offenbart sich so klar die Wandlung, die den Zionismus durch die zionistische Idee überwältigt hat — jene zionistische Idee der Erziehung, Umschichtung und Läuterung von Juden, die ja von Anfang an, beinahe seit seiner Geburt, den Zionismus charakterisiert hat. Aber zu gleicher Zeit, ebenfalls seit seiner Geburtsstunde, zur Lösung der materiellen Judennot gedacht und in die Massen getragen, hatte der Zionismus diese seine zweite Seile, nach welcher jeder Zionist ist, der sich zum jüdischen Volke gehörig fühlt, und um seines Judentums willen verdrängt, sich nach Palästina rettet (Baseler Programm). Man sieht, daß hierjxmi POBZELI,4K-\IKI»ERLAGE Jl C X (' II E \ THEATINERSTRASSE 23 gegenüber der Feldherrnhalle GRÖSSTE AUSWAHL IN HURRAUCHSPORZELLAH TÄGLICHE LAGEREKGÄNZITKG