Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 11 (13.3.1925)
- Date
- 1925-03-13
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Nu inner 11 13. März 12 Jahrgang Hbsage an Hitler Mit großer Besorgnis hat die bayerische Judenlieit dem neuerlichen Erscheinen Adolf Hitlers auf der politischen Bühne entgegengesehen. Nachdem einige Zeit die berüchtigten roten Plakate der nationalsozialistischen Partei mit der stereotypen Ausschließungsformel: „Juden ist der Zutritt verboten“ von den Straßen der bayerischen Städte verschwunden waren, prangten in vorletzter und letzter Woche in München und Nürnberg wieder an allen Ecken und Enden der Stadt diese roten Einladungen zu Versammlungen und auch die übliche Ausschließungsformel für die Juden war nicht vergessen. Diese Versammlungen sollten die Erneuerung der durch inneren Hader zermürbten und durch den Mißerfolg bei den letzten Reichstagswahlen schon beinahe um ihren letzten Kredit gebrachten Partei der national-sozialistischen Arbeiter herbeiführen. Hitler selbst hat sich an die Spitze dieser Erneuerung gestellt und auf den Plakaten zugleich gemeldet, daß er die Redaktion der national-sozialistischen Parteizeitschrift übernommen habe. Die Versammlungen selbst verliefen, wie die Berichterstattung zeigt, nicht allzu begeisternd, Hitlers Reden selbst sollen sogar vieles von dem Elan seiner früheren Ansprachen verloren haben. Trotzdem wurde aus ihnen klar, daß Hitler aus den Vorgängen seit seinem letzten Auftreten im Bürgerbräukeller nichts, aber auch nichts gelernt hat. Er gedenkt in der Tat seine frühere Agitation gegen Parlamentarismus, gegen Marxismus und gegen das Judentum in der gleichen Schärfe und mit den gleichen Mitteln wie früher fortzusetzen. Gleich nach seinem ersten erneuten Auftreten in. München wußte die gesamte Presse von einer „Verwarnung“ Hitlers durch die bayerische Regierung zu melden, die ihn zur Mäßigung mahne. Es hat sich nachträglich herausgestellt, daß in bayerischen Regierungskreisen in der Tat eine Art Verwarnung „unter vier Augen“ in Erwägung gezogen war, daß aber durch allzu frühzeitiges Bekanntwerden diese Absicht der Regierung vereitelt worden ist. Manche Zeitungen glauben aber feststellen zu dürfen, daß die Bekanntgabe der bloßen Absicht einer Verwarnung in ihrer Wirkung nicht weit hinter einer tatsächlich erfolgten Verwarnung zurückbleibt. Hitler scheint jedoch diese beabsichtigte Verwarnung sich nicht sehr zu Herzen genommen zu haben. Auch die von der bayerischen Volkspartei veranstaltete Generalversammlung, in welcher die gegenwärtige Regierungspartei ihre „Antwort an Hitler“ gab, hat ihre Wirkung auf Hitler wohl verfehlt. Jedenfalls hatte Hitler unmittelbar darauf für den 10. März eine Serie von fünf Versammlungen in München einberufen, die aber noch rechtzeitig von der Münchner Polizeidirektion verboten worden ist. In der von der Münchner Polizei dem Verbot beigefügten Begründung werden Zitate aus den letzten Reden Hitlers angeführt, die die umstürzlerischen Tendenzen Hitlers beweisen. Unter diesen Zitaten befindet sich auch das für den Hitlerischen Antisemitismus und Revolutionsgeist so charakteristische Wort: „Es ist mein einziger Wunsch, daß das Hakenkreuzbanner, wenn der Kampf mich das nächstemal niederstreckt, mein Leichentuch werden soll.“ Die energische Absage der bayerischen Volkspartei an Hitler und im Zusammenhang damit das Verbot der angesagten Hitlerversammlungen sind in der Tat Anzeichen dafür, daß sich seit den Novembertagen 1923 manches in Bayern geändert hat und der Schrecken jener Tage doch nicht an den für die Geschicke des Landes Verantwortlichen spurlos vorübergegangen ist. Wir sind weit davon entfernt, in diesen ersten Anzeichen einer Umkehr bereits den Anbruch einer „besseren Zeit“ zu prognostizieren oder gar von einer Abwendung der national-sozialistischen Gefahr zu sprechen. Noch wird es mancher Festigkeitsprobe seitens der verantwortlichen Parteien und Staatsmänner und einer großen Aufklärungsarbeit aller staatserhaltenden Elemente des Landes bedürfen, um der Gefahr wirksam zu begegnen und das Land vor weiteren Erschütterungen zu bewahren. Aber andererseits haben wir allen Anlaß, jede zur Verringerung der national-sozialistischen Gefahr beitragende Maßnahme und Bereitschaft in ihrer Bedeutung für die Sicherheit des Staates und damit zugleich für die Sicherheit des Lebens seiner jüdischen und nichtjüdischen Bürger voll anzuerkennen. M. M. iiniiBiniininiiBiiiniiiiriiiJiiiniiniiiiniinnüiinnMuninBii ,iiiiiiiii'!iiiiiiiiii;'iiiifjiiiiiiiiif!iiii£iiiifjiiii]iiiii!iiiifiiiiifJiiiii]iiiiEiiiii[jiiiiifiiiiiiiiiiiii[iiiii Zionistische Ortsgruppe, München Sonntag, den 22. März 1925 vormittags 10 Uhr im Cherubinsaal des Hotel Vier Jahreszeiten Vortrag R.-M. Dr. Klee-Berlin Thema: „Gegenwart und Zukunft des deutschen Judentums“ IIBllllllllllllBlllllllllllllBllllllllSIIIIIIIEIIIIIllllllllllllBIIIIIIIimilllllllliUlllllllllBlllllllllllllllllllUllilllllllllfllllilllllllillllliyilllHlllllilllllllllilllllllllllDllltlt