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Das jüdische Echo · 1925-03-06 · 10 (6.3.1925) · p. Seite 156

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
10 (6.3.1925)
Date
1925-03-06
Page
Seite 156 (sequence 12)
Language
German
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156 Das Jüdische Echo Nr. 10 und die Wehr, den Ausgang und den Sieg wie in einem Spiegel vorführt, es anspornt, mitten in allen Gefahren seiner Lehre treu zu bleiben und ihm zeigt, womit es sich schützt und wodurch es sich retten werde. Das dem Purimfeste zugrunde liegende Ereignis ist eine alte, ewig neu bleibende Geschichte; das Buch, welches die Begebenheit erzählt, zeigt uns im Spiegel der Vergangenheit wahrheitsgetreue Bilder der Gegenwart, welche uns bedrücken, aber auch gleichzeitig erheben und ermutigen. Betrachten wir unsere Geschichte! Wie oft sehen wir Gestalten, ähnlich einem Achaschwerosch mit seinen boshaften und rachsüchtigen Ministern, Beratern und Günstlingen; wie ähnlich sind diese doch einem Haman! Wir haben gar nicht nötig, in den Blättern der alten Geschichte nachzuschlagen, wir müssen uns nicht nach den Vorgängen der letzten Jahrzehnte im Osten unseres Erdteils und im eigenen Lande umschauen — in den Jahren 1923/24 finden wir in unserer nächsten Umgebung deutliche Anklänge an die Vorgänge, welche uns das Buch Esther erzählt. Schließen wir unsere Betrachtung mit den Worten eines Weisen: Eine strenge Prüfung unserer Geschichte überzeugt uns von der wichtigen Lehre, welche uns die Megillath Esther bietet. Denn seitdem wir in der Zerstreuung leben, sind wir durch das einfache Gesetz von Ursache und Wirkung, das auch die göttliche Weltregierung leitet, durch die Zusammenfügung und das Ineinandergreifen geschichtlicher Ereignisse erhalten und gerettet worden. Und so hoffen wir, daß der Amalekismus unserer Zeit sich bald überleben wird, und wo er sich auch wieder zeigen sollte, die Vorsehung dem jüdischen Volke wie in früheren Zeiten einen rettenden Engel sendet. 1 v r i. Wenn der Sommer naht . . . Unter dieser Überschrift schreibt die „Wiener Morgenzeitung“ vom 28. Februar: Es ist bekannt, daß die bayerischen Kurorte sich in den letzten Jahren, insbesondere in der vergangenen Saison, durch rüde Judenhetze auszeichneten und vielfach ihre „Judenreinheit“ betonten. Die erfreuliche Folge war ein starker Rückgang der Frequenz dieser gastlichen Stätten. Nun naht die Sommersaison und da der Antisemitismus das Geschäft geschädigt hat, wird jetzt als Präludium für die neue Kur- und Urlaubszeit die judenfreundliche Walze eingelegt. In einem Aufsatz, der der Bevölkerung Deutschlands nahelegt, ihre Ferien- und Vergnügungsreisen in Deutschland zu machen, schreibt die „Z e i t“, bekanntlich das Organ des Herrn Slresema n n : „Im Anschluß daran glauben auch wir auf ein Vorurteil hinweisen zu sollen, das, wie uns von gut unterrichteter Seite mitgeteilt wird, noch immer in weiten Kreisen gegenüber Oberbayern und München besteht. Es ist nicht so, daß in Südbayern nicht jeder ordentliche Mensch als Gast willkommen wäre. Es trifft nicht zu, daß man dort Gefahr läuft, wegen seiner politischen Stellung, seiner Weltanschauung oder seiner Konfession insultiert zu werden. Die bayerischen Behörden sorgen in gleicher Weise für Ordnung und Ruhe wie die irgend eines anderen Landes, und in den ganzen bayerischen Kurorten ist in den letzten Jahren n i c h t ei n Fall vorgekommen, der zu irgend welcher Scheu vor einer Reise dorthin berechtigen könnte. Das wird jeder der Hunderttausenden von Nichtbayern bestätigen können, die in den letzten Jahren Gäste des deutschen Alpenvorlandes waren.“ In dieser Darlegung ist besonders der Satz belustigend, daß man in Bayern keine Gefahr läuft, wegen seiner politischen Stellung, seiner Weltonschauung oder Konfession insultiert zu werden. Es hat also in Bayern niemals Morde an Eisner und Landauer und Mordanschläge auf Auer gegeben. Es sind auch niemals Insulten der jüdischen Bevölkerung in Bayern vorgekommen und es gab auch keine Judenausweisungen in Bayern. Dies sei den Juden gesagt, welche nicht alle werden und derlei Versicherungen des Wohlwollens gegen die Juden, die offenkundig zur Hebung des Fremdenverkehrs bestimmt sind, Glauben schenken. Wir werden bald aus österreichischen Kurorten, aus Ostseebädern usw. das gleiche Lied hören. Für alle Juden, die etwas auf ihre Würde halten, muß nach wie vor der Grundsatz gelten, daß die bayerische n lv u r - orte wie alle anderen, wo P ö b e 1 e i e n gegen die Juden v o r g e k o m m e n s i n d unbedingt zu meiden sind. Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden im Jahre 1924 Wir veröffentlichen in dieser und den folgenden Nummern einen ausführlichen Bericht der „Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden“ über ihre Tätigkeit im Jahre 1924. Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden hat im verflossenen Jahre ihre Tätigkeit hauptsächlich auf den nachstehenden Gebieten entfaltet; 1. Vertretung gegenüber den Behörden, konfessionellen und interkonfessionellen Verbänden. Die amtliche Wohlfahrtspflege, die vom Reichsarbeitsministerium und preußischen Wohlfahrtsministerium repräsentiert wird, war auch im Jahre 1924 bestrebt, den in der Inflationszeit angebahnten Kontakt mit der freien Wohlfahrtspflege fester zu gestalten und hat zu diesem Zweck regelmäßige Aussprachen mit den Vertretern der großen Spitzenverbände herbeigeführt, in welchen eine Reihe außerordentlich wichtiger sozialpolitischer Angelegenheiten sorgfältig durchberaten und den Wünschen der freien Wohlfahrtspflege Rechnung getragen Win de. Bedeutungsvoll vor allem war die Vorarbeit für die neue gesetzgeberische Gestaltung des Fürsorgewesens im Reich, die in der Fürsorgeverordnung vom Februar 1924 zum Ausdruck gekommen ist. Es ist erreicht worden, daß zum erstenmal in klarer eindeutiger Weise die Rechte der freien Wohlfahrtspflege gegenüber der öffentlichen gesetzgeberisch in § 5 der Fürsorgeverordnung verankert worden sind. Diese Tatsache ist von weittragender Bedeutung sowohl auf ideellem als insbesondere auf materiellem Gebiete, indem in Zukunft in den Landes- und Bezirksfürsorgestellen Arbeitsgemeinschaften zwischen der amtlichen und der privaten Wohlfahrtspflege gebildet werden und der freien Wohlfahrtspflege so die Möglichkeit geperfiidien sie »^stnyrna'sFlamme“ zu lOPfg. mit Stroljmunbftück in eleganter Bledjpackung 3igarettenfabrik Dibolb, mündicn

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