Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 10 (6.3.1925)
- Date
- 1925-03-06
- Page
- Seite 153 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 Das Jüdische Echo 153 Katharina von Oheimb über den Zionismus Berlin (J.T.A.). In der Morgenausgabe des „Berliner T a g e 1) 1 a t t“ vom 7. Februar veröffentlicht Katharina von Ohei m b einen Artikel unter der Überschrift ,,I) a s A u f b a u \v erk in P a 1 ä s t i n a“, in welchem sie die Eindrücke ihrer Begegnung mit dem Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation, Dr. Chaim W e i z ni a n n , während dessen Anwesenheit in Berlin schildert. Katharina von Oheimb gilt als eine Frau von großem politischem Weitblick. In ihrem Berliner Salon treffen sich die führenden Politiker aller Richtungen. Sie selbst gehörte im vorigen Reichstag der Fraktion der Deutschen Volkspartei an und hatte in derselben eine einflußreiche Stellung inne. Nicht selten nahm sie Stellung gegen ihre eigene Partei, wo diese der Reaktion und dem Antisemitismus Konzessionen zu machen geneigt war. Die Redaktion des „Berliner Tageblattes“ stellt dem Artikel einige Zeilen voran, in welchem sie betont, daß sie den „politischen“ Zionismus für falsch, rückschrittlich und schädlich hält, dagegen, wie Frau von Oheimb, das kolonisatorische Aufbauwerk in Palästina und die auf diesem Gebiet sich erstreckende Tätigkeit des Professors Weizmann mit Interesse verfolgt. Frau von Oheimb bemerkt zu Beginn ihres Artikels, daß ihr anläßlich des Aufenthalts Dr. Weizmanns in Berlin die große Freude zuteil wurde, den Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation kennen zu lernen und einen seiner Vorträge über den Aufbau Palästinas mitanzuhören. „Ich muß gestehen“, schreibt Frau von Oheimb, „seine Persönlichkeit und die Sache, die er vertrat, machten einen tiefen Eindruck auf mich. Obwohl ich gewiß nicht eines einzigen jüdischen Tropfens in meinem oder meiner Vorfahren Blut verdächtigt werden kann, erweckten die Worte Prof. Weizmanns doch eine warme Sympathie für seine Sache in meinem Innern.“ Frau von Oheimb bewundert den Idealismus, die Zähigkeit und den Opfermut der Juden, die sich nach einer Diaspora von über 1800 Jahren an die schwere Aufgabe gemacht haben, trotz des unfruchtbaren Bodens, trotz der zunächst sehr großen Gegnerschaft der einheimischen Araber, sich einen neuen jüdischen Zentral- und Mittelpunkt aufzubauen. Die Juden in Palästina haben nur den einen Wunsch, mit den Arabern und der übrigen Bevölkerung in friedlichem Einvernehmen zu leben. Die Feindseligkeiten der Araber vergelten sie mit Gutem, indem sie z. B. in ihren Krankenhäusern zahlreiche arabische Patienten pflegen. Nachdem sie einen Überblick über das praktische Aufbauwerk in Palästina gegeben hat, fährt Frau von Oheimb fort: „Wenn man die ungeheuren Leiden bedenkt, denen die Juden im Mittelalter ausgesetzt waren, und denen sie in vielen Ländern noch heute ausgesetzl sind, so wünscht man ihnen wirklich von ganzem Herzen, daß sie endlich für ihre Glaubenstreue, ihre Ausdauer und Zähigkeit belohnt werden und ein dauerndes, unbestrittenes Asyl finden mögen. Man versteht es nur zu gut, daß die Juden sich nach einer derartigen Heimat sehnen, vor allem die Juden der Länder, die auch heute noch nicht von Pogromen lassen können .... Aber auch in den Ländern, wo die Juden nur mit geistigen Waffen bekämpft werden, und einer gesetzlichen Gleichberechtigung mit den anderen Staatsbürgern sich erfreuen, hat man sie in den letzten Jahren trotz aller Opfer, die sie auch im Weltkrieg für ihre jeweiligen Völker gebracht haben, in so häßlicher Weise bekämpft, daß man es ihnen nicht verdenken könnte, wenn sie ihre Augen sehnsüchtig nach Palästina richten, und es ist anerkennenswert, wenn die Juden eine solche Anhänglichkeit empfinden für das Land, mit dem ihre frühere Kulturvergangenheit verknüpft war. Angesichts der scharfen Vorstöße, die der Antisemitismus in den letzten Jahren auch in Deutschland gemacht hat, wäre es auch den deutschen Juden wahrhaftig nicht zu verübeln, wenn sie ihre geistigen und wirtschaftlichen Kräfte in größerem Umfange als bisher dem jüdischen Gemeinwesen in Palästina zur Verfügung stellen würden. Ob sie es tun werdenH bleibt abzuwarten.“ Frau von Oheimb wünscht, daß die Juden jenen Geist des skeptischen Hedonismus in ihren Reihen bekämpfen, der von den Antisemiten als „typisch jüdisch“ bezeichnet wird. Oh dieser Geist wirklich „typisch jüdisch“ ist, konnte allerdings kaum enD schieden werden, solange den Juden nicht in einem neuen Gemeinwesen Gelegenheit geboten wurde, frei und ungehemmt eine neue bodenständige Kultur zu entwickeln. Viele, auch nicht jüdische Forscher vertreten die Anschauung, daß diese Eigenschaften nur eine Folge der Diaspora und der rechtlichen Stellung der Juden im Mittelalter sind, die sie von allem Latiderwerb und den Handwerken ausschloß, sodaß sie sich nur dem Handel als Erwerbsquelle zuwenden konnten. Gerade das jiidi- T?auThallmaier München ‘fäeatinerür.18. fj&Ulß. Glaser ^/orr^üajw. x