Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1925-03-06 · 10 (6.3.1925) · p. Seite 152

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
10 (6.3.1925)
Date
1925-03-06
Page
Seite 152 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/9072829-9103075-9153786--06520-9079233
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

152 Das Jüdische Echo Nr. 10 ähnlich und geographisch Europa näher, einen Teil derjenigen Massen aufnehmen können und werden, für die in Palästina selbst kein Platz sein sollte. Denn der Zug eines Volkes nach einer neuen Gegend ist ja kein zu isolierendes Phänomen; wir glauben uns nicht zu irren, wenn wir behaupten, daß die Wanderbewegung der Juden, einst von Osten nach Westen gehend, bald eine deutliche Richtung von Norden nach Süden einnehmen wird. Und unter dieser Perspektive nun bekommt ein Brief hohes Interesse, den der Sekretär der Jüdischen Gemeinde in Lissabon, Dr. Bena r u s, an den Herausgeber des „Jewish Guardian“ nach London schrieb und dessen Inhalt die erschütternde Tatsache enthält, daß nach mehr als drei vollen Jahrhunderten der Trennung etwa 12 000 portugiesische Marranos, Geheimjuden, die Rückkehr zum Judentum anslreben. Sie haben sich an die Lissaboner Gemeinde gewandt, um ihre Kinder beschneiden zu lassen, und nun brauchen sie und wünschen sie jüdische Schulen, zu denen ihnen ihre englischen Slammesgenossen verhelfen sollen. Man bedenke wohl, diese Menschen lebten die ganze Zeit als katholische Christen unter katholischen Christen. ..Aber sie heirateten nicht mit ihren katholischen Nachbarn, teils aus eigenem Willen und teils, weil die christlichen Nachbarn sich nicht mit ihnen vermischen wollen, so voller Haß werden sie noch heute von ihnen angesehen. Sie leben in zwei großen Gruppen, eine in der Mitte Portugals, die anderen oben im Norden, und zwar lediglich miteinander, als kleine Farmbesitzer, Landwirte, Kleinhändler usw., obwohl einige von ihnen während der Monarchie und nachher hohe Stellungen erreicht haben! So Dr. Benarus. In der ganzen Zeit ihres Verbleibens in Portugal hat nichts sie von ihren Nachbarn unterschieden als die Zugehörigkeit zu unserem Volke. Weder ihre Religion, noch ihre soziale Schichtung. An ihnen scheitert die Ideologie unserer Konservativen, welche behaupten, daß lediglich die religiöse Absperrung das jüdische Volk erhalten habe. Hier sehen wir, daß auch, religiöse Absperrung beiseite, ein Volkstum in seiner Besonderheit sich erhält, wenn beide Parteien, die Mehrheit und die Minderheit, um die verschiedene Abstammung beider wissen und die eine die andere von sich weghält. Dies ins Stammbuch unserer Liberalen. Die Rückkehr dieser Marranen zum Judentum scheint uns bedeutsam, nicht um ihrer selbst willen allein, sondern als Signal, das sein Licht auf die Situation der Judenlieit auf der Erde wirft, indem es unser Volkstum in seiner ganzen kristallenen Härte und Unzerstörbarkeit aufblitzen läßt wie Bergkristall, der zwischen den Mühlsteinen der Völker nicht zermahlen wird. Arnold Zweig. Das offizielle Wahlresultat zum Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden Berlin (J.T.A.). Es liegt nunmehr das offizielle Resultat der Wahlen zum Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden in den Kreisen vor. Das Resultat der Verteilung der Reststimmen auf die Landeslisten der einzelnen Parteien wird in diesen Pagen bekannt gegeben werden. Das offizielle Resultat in den Kreisen ist folgendes: Wahlkreis 1 (Ost- und Westpreußen): Hier war die Wahl durch Einheitsliste erledigt. Die Liberalen verfügen über 3 Sitze, die Jüdische Volkspartei über einen Sitz. Zusammen 4 Sitze. Wahlkreis 2 (Groß-Berlin): Eingetragene Wähler 132 620. Gültige Stimmen 48 644. Davon erhielten Liberale 24 692, Konservative 2756, Jüdische Volkspartei 14 491, Poale Zion 1715, Religiöse Mittelpartei 4990. Die Wahlbeteiligung betrug 36.7%. Es waren 53 Sitze zu vergeben. Davon erhielten Liberale 28, Konservative 3, Jüdische Volkspartei 16, Poale Zion 1, Religiöse Mittelpartei 5 Sitze. Wahlkreis 3 (Brandenburg, Pommern, Grenzmark): Hier war die Wahl durch Einheitsliste erledigt. Die Liberalen und Konservativen erhielten 4, die Jüdische Volkspartei einen Sitz. Zusammen 5 Sitze. Wahlkreis 4 (Breslau): Eingetragene Wähler 17 979. Abgegebene Stimmen 10 667. Davon erhielten Liberale 6396, Konservative 2071, Jüdische Volkspartei 2200. Die Wahlbeteiligung betrug 59.3 Prozent. Es erhielten Liberale 6, Konservative 2, Volkspartei 2 Sitze. Zusammen 10 Sitze. Wahlkreis 5 (Schlesien): Eingetragene Wähler 10 230. Abgegebene Stimmen 7973. Wahlbeteiligung 77.9%. Es erhielten Liberale und Konservative 6225, Jüdische Volkspartei 1748 Stimmen. Die Einheitsliste der Liberalen und Konservativen errang 5, die der Volkspartei einen Sitz. Zusammen 6 Sitze. Wahlkreis 6 (Sachsen): Eingetragene Wähler 4381, gültige Stimmen 3154, davon Liberale 2042, Jüdische Volkspartei 1112. Liberale 1, Jiid. Volkspartei 1 Sitz. Zusammen 2 Sitze. Wahlbeteiligung 72%. Wahlkreis 7a (Hannover): Hier hat man sich auf eine Einheitsliste geeinigt. Das Resultat der Verteilung steht noch nicht endgültig fest. Auf die Liberalen entfallen 3, auf die Orthodoxen 1, auf die Religiöse Mittelpartei 1 Sitz. Es besteht die Wahrscheinlichkeit, daß auch noch der Jiid. Volks* partei 1 Sitz zufallen wird. Wahlkreis 7b (Schleswig-Holstein): Wahlberechtigte 1254, abgegebene Stimmen 809, Wahlbeteiligung 64.5%. Es erhielten Liberale und Konservative (C.-V.-Liste) 321, Jüd. Volkspartei 488 Stimmen. Die C.-V.-Liste errang einen, die Volkspartei einen Silz. Wahlkreis 8 (Westfalen): Wahlberechtigte 12 950, abgegebene Stimmen 9525, Wahlbeteiligung 64.5%. Es erhielten Liberale 7345, Konservative und Volkspartei 2180 Stimmen. Die Liberalen errangen 4, die Konservativen und die Volkspartei zusammen einen Sitz. Zusammen 5 Sitze. Wahlkreis 9 (Frankfurt a. M.): Wahlberechtigte 25 283, abgegebene Stimmen 9130, Wahlbeteiligung 34.9%. Es erhielten Liberale 5537, Einheitsliste der Konservativen, Volkspartei und Ostjuden 3424, Poale Zion 169. Auf die Liberalen entfallen 6, auf Einheitsliste der Konservativen, Volkspartei und Ostjuden 4 Sitze. Zusammen 10 Sitze. Wahlkreis 10 (Hessen-Nassau): Wahlberechtigte 8541, abgegebene Stimmen 5679, Wahlbeteiligung 66.5%. Es erhielten Liberale und Konservative (C.-V.-Liste) 3813, Jüd. Volkspartei 934, Poale Zion 1 Stimmen. Die C.-V.-Liste errang 3, die Jüdische Volkspartei 1 Sitz. Zusammen 4 Sitze. Die Liste Marxheimer vereinigte auf sich 931 Stimmen, errang aber keinen Sitz. Sie ging eine Koalition mit der Jüd. Volkspartei ein. Wahlkreis 11 (Köln): Wahlberechtigte 13 438, abgegebene gültige Stimmen 5673, Wahlbeteiligung 42.2%. Es erhielten Liberale 3061, Konservative und Volkspartei 2440, Poale Zion 172 Stimmen. Die Liberalen errangen 4, Konservative und Volkspartei 3 Sitze. Zusammen 7 Sitze. Wahlkreis 12 (Rheinprovinz): Abgegebene Stimmen 13 616. Davon erhielten Liberale 9451, Einheitsliste der Konservativen und der Volkspartei 3858, Poale Zion 307 Stimmen. Auf die Liste der Liberalen entfielen 7, auf die der Konservativen und der Volksparlei 3 Sitze. Zusammen 10 Sitze.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.