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Das jüdische Echo · 1925-03-06 · 10 (6.3.1925) · p. Seite 151

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
10 (6.3.1925)
Date
1925-03-06
Page
Seite 151 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 10 Das Jüdische Echo 151 periode des Verbandes um ein Jahr zu verlängern und so die Lösung wichtiger Fragen, die eine rasche Behandlung erfordern, wie etwa die Frage der Rechte der ausländischen Juden, hinauszuzögern. Eine in diesem Zusammenhang gefaßte Resolution betont die Notwendigkeit engerer Fühlungnahme zwischen zionistischen Gemeinde- und Verbandsvertretern und dem Vorstand des Gruppenverbandes. Der Sekretär des bayerischen Gruppenverbandes Dr. L ö w e n g a r t berichtete über seine Erfahrungen in den kleineren Gemeinden. Es wurden die Möglichkeiten zur Gründung weiterer Ortsgruppen und Reaktivierung von bereits früher gegründeten erwogen. Auf eine Anregung von Dr. Ludwig Mayer (Nürnberg) bezüglich der Herausgabe einer geeigneten zionistischen Broschürenbibliothek teilte Kurt Blumenfeld mit, daß demnächst ein neues Werk Ruppins über die palästinensische Kolonisation, sowie eine Sammlung geeigneter zionistischer Aufsätze und Reden herausgegeben werden. Es wurde beschlossen, als Gruppenverhandsbeitrag Mk. 4.— jährlich zu erheben. Nach erfolgter Decharge erhielt hei der Neuw a h 1 der Verbandsvorstand folgende Zusammensetzung: Dr. Meinhold N u ß b a u m, 1. Vorsitzender; Dr. Alexander Singer, 2. Vorsitz.; Dr. Karpf, Kassenwart; Dr. Isaak B a m b e r g e r. Ferner als Vertreter der Ortsgruppen: Dr. Eh Straus, München; Dr. L. Mayer, Nürnberg; Dr. Weichselb a u m , Bamberg; Dr. Nürnberg, Wiirzburg. Ferner die Herren: M. Gorski (Misrachi), Dr. Rud. Lieb Städter (Jugend), Paul Grünbaum (Palästinaamt), Dr. Max Mayer („Jüdisches Echo“). Eine Besprechung mit den Vertretern der kleinen ostjüdischen Kolonie Bambergs, in der Herr Percikowitsch (Nürnberg) das Hauptreferat hielt, führte zu befriedigendem Resultat. Man beschloß, öftere Zusammenkünfte zu veranstalten. Ein eigenartiges Nachspiel hatte die Tagung noch am selben Abend in dem von der Kultusgemeinde Bamberg veranstalteten Vortrag des Herrn Hauptlehrer Dingfelder über religiöse Erziehung. In der Diskussion machte Rabbiner Dr. Eckstein (Bamberg) einen völlig unerwarteten Angitf auf den Zionismus, der die Jugend verführe. Zugleich machte Dr. Eckstein den Bamberger Eltern den Vorwurf, daß sie durch ihre Abwesenheit beim öffentlichen Vortrag Blumenfelds ihre Kinder schutzlos der Gefahr zionistischer Propaganda ausgesetzt hätten. Dr. Bamberge r (Nürnberg) wies den Angriff zurück und kritisierte das Verhalten Rabbiner Dr. Ecksteins, der trotz seiner Anwesenheit bei Blumenfelds Referat es nicht für seine Pflicht gehalten habe, seine Einwendungen gegen den Zionismus in öffentlicher Diskussion zu machen. Spanien, Portugal . . . Die Versüdlichung der Juden hat begonnen. Palästina hebt an, den jüdischen Auswanderungsstrom anzusaugen und zu gleicher Zeit mehren sich die Anzeichen dafür, daß den Juden, denen ihre gewöhnlichen Einwanderungsländer sich verschlossen haben und die aus den Ländern ihrer augenblicklichen Massensiedlung durch die Gewalt des wirtschaftlichen Boykotts, durch politische Entrecht tung und durch jede Art von anderem Zwang mit unwiderstehlicher Langsamkeit herausgedrängt werden. — daß also den Juden eine Art Rückweg in das Klima und die Landstriche vorgeschrieben wird, aus denen sie kamen. Der Jude in nördlichen Landstrichen ist seinem Körper und seinem Geiste nach eine scharfgeschnittene und unvertraute Erscheinung, wohl unterschieden von den Massenvölkern, zwischen denen er sich bewegt und die ihn, unter der Perspektive der Jahrhunderte gesehen, einander zuschieben, indem sie ihn bei sich behalten, solange sie seine geistige und wirtschaftliche Produktivität brauchen, und ihn loszuwerden suchen, sobald sie selber all diejenigen Positionen einzunehmen wünschen, die die Juden geschaffen haben. Der Jude im Norden, unter Völkern gemächlicheren Denkens und konservativer Ideale, wird radikal und intellektuell; da seine Geschichte auf der Erde länger ist, ist sein geistiger Zustand und sein politischer Wille von vornherein entwickelter, zusammengedrängter, bewußter; mit Notwendigkeit tritt er nach links. Der Jude in südlichen Ländern, in Südfrankreich, Italien, Siidslavien, Griechenland und in der ganzen Levante, ist körperlich und im geistigen Tempo von seinen Mitwohnern so gut wie ununterscheidbar; da sie selber in politischer Beziehung ihre radikalen Traditionen dank ihrer langen bewußten Geschichte und Selbsterziehung wohl zu vertreten wissen, bedürfen sie der Juden nicht, um sich Mut zu politischem Umbau und vernünftiger Lebensordnung zu machen: daher auch die Juden dort getreu ihrer sozialen Schichtung als ein besitzendes Element und ihrer konservativen, traditionstreuen Glaubenseinstellung, zu den gemäßigten und bürgerlichen Parteien treten, wenn sie sich politisch in das Mehrheitsvolk einordnen. In diesen Zusammenhang gehören einige Nachrichten, die wir unseren Lesern zusammenzustellen gedenken. Italien öffnet den ostjüdischen Studenten, sonst überall entrechtet und unwillkommen — in Rumänien wie in Bayern, in Ungarn wie in Polen — die Tore seiner Universitäten. Es lud sie vor kurzem ein, sie zu besuchen und versprach und gewährte alle nur denkbaren Erleichterungen. In Spanien arbeitet Senator Angelo P u 1 i d o, früher Vizepräsident des Senats, an einer Zurückführung von Juden nach jenem Lande, das den Juden so viel verdankt und das sich ihrer so grauenvoll entledigte. Der Senator, der nach einigen Reisen durch die Gebiete, in denen vorzugsweise spaniolische Juden sich jetzt befinden, zwei Bücher zur Sache veröffentlichte, denkt vor allem an eine geistige Wiederanknüpfung mit den Sephardim, den zähen und treuen Bewahrern der Traditionen des einst spanischen Judentums. „Die moralische Rehabilitierung Spaniens vor der Welt,“ so schreibt der christliche Politiker, „sein Friede mit dem eigenen Gewissen, seine Rückkehr auf den Ehrenplatz in der Familie der Nationen, wird nicht ganz vollzogen werden können ohne eine volle Aussöhnung mit den sephardischen Brüdern.“ Und er erwartet, daß die Juden mit ihrer angeborenen und vererbten kulturellen Macht Spanien dazu verhelfen würden, seine verlorene Position wieder einzunehmen. In der Tat, Spanien, dieses von ununterbrochenen Krisen geschüttelte und wirtschaftlich fast ausgeschaltele Land, könnte eine Anzahl jüdischer Bürger sehr wohl brauchen. Aber es fragt sich, ob die Juden geneigt sind, die Scheu zu überwinden, die das Wort Spanien in ihnen hervorruft, und dort wieder anzufangen, wo sie nach einer großen Geschichte mit roher Gewalt ausgestoßen worden sind. Eins ist ohne Zweifel: mit der fortschreitenden Besiedlung Palästinas wird, jüdisch gesehen, zweierlei an Bedeutung gewinnen: erstens das spaniolische Element im Judentum, die Sephardim, die die natür liehen Vermittler zwischen dem Gesamtjudentum und den Bewohnern, jüdischen und nichtjüdischen, des Orients sein werden, und zweitens all die Länder am Mittelmeer, die klimatisch Palästina sehr

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