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Das jüdische Echo · 1925-03-06 · 10 (6.3.1925) · p. Seite 150

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
10 (6.3.1925)
Date
1925-03-06
Page
Seite 150 (sequence 6)
Language
German
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150 Das Jüdische Echo Nr. 10 wendigkeit der Existenz einer politischen zionistischen Bewegung, ohne die eine noch so intensive Tätigkeit einer bloß materiellen Palästina-Aufbau- Hilfe illusorisch wäre. Die ablehnende Haltung der palästinophilen Nichtzionisten gegenüber den politischen Bestrebungen der zionistischen Organisation sei daher unbegründet. Ebenso widerlegte Blumenfeld die besonders in letzter Zeit wieder häufiger aufgestellte Behauptung, daß Zionismus und wahres Staatsbürgertum sich nicht vereinbaren lassen. Blumenfelds Ausführungen wurden mit großem Beifall aufgenommen und hinterließen bei allen Anwesenden einen mächtigen Eindruck. In der Diskussion meldete sich nur der jugendliche Vorsitzende des neutralen Jugendvereins (Spier) zum Wort, dessen Einwände der Referent ausführlich und überzeugend widerlegte. Die gesamte Vorstandschaft der Bamberger Zentralvereinler glänzte — wie auf Verabredung — durch Abwesenheit, was von dem vereinsamten Diskussionsredner mit Bedauern festgestellt wurde. Ebenso hat sich die Bamberger Israelitische Kultusgemeinde von der Teilnahme an der Tagung zurückgehalten und ihr Fernbleiben damit begründet, daß sie „aus prinzipiellen Gründen den politischen Tagungen irgendwelcher Richtung persönlich neutral gegenüber* stehe und sich offiziell an solchen nicht beteilige“. Der Vorsitzende der Tagung, Herr Dr. Meinhold N u ß b a u m , geißelte gebührend diese Art von „Neutralität“ der Bamberger Gemeindegewaltigen. Er verwies zum Vergleich auf die ehrenvolle Aufnahme des Präsidenten der Zionistischen Organisation durch den nunmehr verstorbenen Reichspräsidenten Ebert und den ehemaligen Reichskanzler Marx. Der eigentliche Verhandlungstag begann mit einer Begrüßungsansprache des Vorsitzenden, in der er der Toten des Jahres gedachte und zugleich dem dahingeschiedenen Reichspräsidenten Ebert Worte ehrenden Gedenkens widmete. Besonders warm begrüßte Dr. Nußbaum den Vorsitzenden der Zionistischen Vereinigung, der trotz Überlastung zur Tagung gekommen sei, sowie das Mitglied des Vorstandes der Zionistischen Vereinigung Herrn R.-A. Dr. Alfred Klee, der ebenfalls die große Liebenswürdigkeit hatte, den Verhandlungen des Verbandes beizuwohnen und an ihnen aktiven Anteil zu nehmen. Nach einem kurzen Referat des Vorsitzenden über die Tätigkeit des Verbandes im Berichtsjahr erhält Kurt Blumenfeld das Wort zu seinem ausführlichen Referat über die zionistische Arbeit in Deutschland. Es war ein Beweis des Schnellen Einfühlungsvermögens Blumenfelds' daß er sein Referat auf die durch die starke Beteiligung von Jugendlichen charakterisierte Tagung einstellte und auch die Fragenkomplexe eingehend behandelte, die die heutige, zionistische Jugend Deutschlands in erster Reihe bewegen. Die Ermahnung an die deutschen Chaluzim, neben der fachlichen Ausbildung auch die geistige Vorbereitung nicht zu vernachlässigen, sondern sie für nicht weniger wichtig zu halten, wird nicht ungehört bleiben. Es gelinge eher, sagte Blumenfeld, die Mängel der fachlichen Ausbildung im Lande nachzuholen, als die der geistigen Vorbereitung. Der Mangel an hebräischen Sprachkenntnissen erhöhe noch die Gefahr der Isolierung der deutschen Chaluzim. ßlu- IfUSMI-TEE Im Feinste echt russische TeemarWe Gen.-Vertret.: Dr, ETTINGER, MÜNCHEN _Aonos^rass« 47. T^l^fon 31 798 menfeld behandelte weiter eine große Zahl von Fragen der p a 1 ä s t i n e n s i s c h e n W i r t s c h a f t und ging dann ausführlich auf die Stellung des Vatikans zu den zionistischen Bestrebungen ein. Zum Schluß forderte er energisch zur unverzüglichen Entrichtung der Zionistensteuer auf, die heute eine ernste Frage der Aktionsfähigkeit der Organisation in Deutschland sei. R.-A. Dr. Klee ergänzte das Referat Blumenfelds, indem er ebenfalls die Haltung des Vatikans gegenüber dem jüdischen Nalionalheim charakterisierte. Sodann ging er zu Fragen der zionistischen Gemeindepolitik über, die durch die preußischen Verbandswahlen und angesichts der bevorstehenden Würzburger Tagung des bayerischen Gemeindever b ande s besondere Aktualität erhält. Dr. Klee bezeichnete die passive Neutralität der Gemeinde in bezug auf die Aufbauarbeit in Palästina für unberechtigt. Die Gemeinde als Keimzelle jüdischen Werdens habe den Zusammenhang mit dem Volksganzen zu wahren. Dr. Nußbau m hatte mit seinem Referat über die Arbeit des Verbandes zugleich eine Darstellung der günstigen Entwicklung der zionistischen Arbeit in Nürnberg -Fürth gegeben. Eine erhebliche Zahl von Nichtzionisten sei für den Keren Hajessod gewonnen. Besonders hob er die fortschreitende Hebraisierung der Nürnberg- Fürther Ortsgruppen als ein Zeichen zionistischen Aufschwungs hervor. Die Berichte aus den übrigen Ortsgruppen waren, wenn auch nicht gleich günstig, so doch für die Zukunft Besserung versprechend. Einen breiten Raum nahm in der Diskussion die jüdische Sc hui frage ein. Dr. Bamberger (Nürnberg) berichtete über den Stand der jüdischen Schulangelegenheit in Bayern und die Schwierigkeiten, auf die die Gründung jüdischer Schulen stoßen. Besonders machte er auf die Gefahren des Boelitz’schen Schulentwurfes aufmerksam und forderte, daß die Würzburger Tilgung des bayerischen Gemeindevörbands sowie die preußische Landesversammlung sich mit dieser Frage eingehend beschäftigen. Dr. Lieb Städter (Nürnberg) verlangte sofortige praktische Maß* nahmen zur Gründung jüdischer Schulen. R.-A. Dr. Klee beleuchtete die Schwierigkeiten bei der Schaffung geeigneter Lehrkräfte. Er' trat für die Hebung der sozialen Stellung des Lehrerstandes ein. Der Lehrer müsse sorgenfrei vor die Klasse treten. Die Jugend müsse wieder mehr für den Lehrerberut interessiert werden. Die Gemeinden müßten die jüdischen Schulen subventionieren. Kurt Blumenfeld behandelte noch die Frage des Nachfolgers Herbert Samuels und beantwortete verschiedene an ihn gerichtete Fragen, besonders die der zweckmäßigen Propaganda. Er empfahl Abhaltung gediegener Veranstaltungen, ernste Aussprachen in zionistischem Kreise bei Beteiligung von Nichtzionisten. Ernsthafte Selbsterziehung sei der beste Weg zu propagandistischen Erfolgen. In der Nachmittagssitzung gab Dr. Max Mayer (München) in Abwesenheit des in letzter Stunde verhinderten R.-A. Dr. Eli S t r a u s (München) die nötigsten Informationen über die Frage unserer Stellung zur jüdischen Gemeindearbeit und der Würzburger Tagung des bayerischen Gemeindeverbands. Dr. Bamberger trat für möglichste Demokratisierung und Sparsamkeit des Verbandes ein. Das Zweikammersystem sei überflüssig, die Abschaffung des Rates zweckmäßig. Höchstes Befremden erregte die Mitteilung, daß die Absicht bestünde, die Legislatur-

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