Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 10 (6.3.1925)
- Date
- 1925-03-06
- Page
- Seite 149 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 Das Jüdische Echo 149 Diese beschämende Wahlkampagne unserer jüdischen Gegner verquickt Traub mit dem Besuch des Präsidenten der Zionistischen Organisation, Prot. Dr. Weizmann, in Berlin und seiner Audienz heim nunmehr verstorbenen Reichspräsidenten Eberl sowie heim ehemaligen Reichskanzler Marx. Traub zitiert dabei den Bericht der Berliner „Jüdischen Rundschau“ über Weizmanns Berliner Aufenthalt und findet schließlich, daß diese Empfänge und amtlichen Ehrungen (u. a. das Frühstück im Kaiserhof, das der Staatssekretär des auswärtigen Amtes, Herr von Schubert, zu Ehren Weizmanns gegeben hat) „nicht nur für sehr überflüssig, sondern für eine nationale Demütigung, wie wir sie allerdings von dem Regierungskurs seit sechs Jahren gewohnt sind“. Aus diesem letzten Zitat ersieht man ganz deutlich, welchen Zwecken dieser gehässige Artikel gegen den Präsidenten der Zionistischen Organisation dienen soll. Gewissen Parteien ist eben jeder Anlaß willkommen, ihrem Grolle gegen die mißliebige Regierung Luft zu machen. Wie weil dieser Fanatismus geht, zeigt gerade dieses Beispiel. Der deutschnationale Politiker spielt hier die neue, Nachrevolutions-Regierung gegen die alte kaiserliche aus. Nach seinen Worten wären derartige' Audienzen im wilhelminischen Zeitalter völlig unmöglich gewesen. Er beschuldigt dabei die zionistische Bewegung, daß sie seit der Balfourdeklaration „den Sieg der Entente und die Niederlage Deutschlands anstrebte“, eine völlig aus der Luft gegriffene Behauptung. Dabei vergißt Herr I). Traub, daß es gerade die kaiserliche deutsche Regierung war, die am 5. Januar 1918, also noch vor dem Zusammenbruch und n a c h der berühmten englischen Balfourdeklaration, durch den damals stellvertretenden Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Freiherrn von dem Bussche den damaligen Mitgliedern des Zionistischen Aktionskomitees eine Erklärung abgab, in der es u. a. heißt: „Hinsichtlich der von der Judenheit, insbesondere von den Zionisten, verfolgten Bestrebungen in Palästina b e g r ü ß e n wir daher die Erklärungen, die Großwesier Talaat Pascha kürzlich abgegeben hat, insbesondere die Absicht der kaiserlich ottomanisclien Regierung, gemäß ihrer den Juden stets bewiesenen freundlichen Haltung die aufblühende jüdische Siedlung in Palästina durch die Gewährung freier Einwanderung und Niederlassung in den Grenzen der Aufnahmefähigkeit des Landes, örtlicher Selbstverwaltung entsprechend den Landesgrenzen und freier Entwicklung ihrer kulturellen Eigenart zu fördern.“ Diese von der kaiserlich deutschen Regierung abgegebene Sympathieerklärung für die Bestrebungen des Zionismus zu einer Zeit, da es bereits klar war, daß die ottomanisehe Regierung in Zukunft in Palästina nicht mehr viel zu bestimmen haben werde, ist ein klarer Beweis dafür, daß gewisse Politiker in Deutschland, soweit sie die zionistenfreundliche Haltung der deutschen Regierung im Namen der Politik des vergangenen deutschen Kaiserreichs bekämpfen, sich in einem großen Irrtum befinden. Die Regierungen Amerikas und aller europäischen Staaten, sowohl der Entente als der früheren Zentralmächte, haben sich zugleich für eine die zionistischen Bestrebungen fördernde Haltung ausgesprochen, in den letzten Wochen noch die polnische und rumänische. Die Errichtung der jüdischen Heimstätte in Palästina wird von allen als ein humanitäres Werk ersten Ranges, als eine Art Wiedergutmachung der Weltgeschichte an dem Jahrtausende verfolgten jüdischen Volke angesehen. Die deutsche Voru n d Nachrevolutions-Regierung hat dem Zionismus ihre Sympathieen ausgedrückt und es ist ein Zeichen der ungemein traurigen politischen Verhältnisse in Deutschland, wenn jetzt dieses große Werk der Wiederaufrichlung eines geknechteten Volkes von gewissen Parteien zu den Zwecken der Tagespolitik — und dabei noch auf Grund völlig haltloser Beweisführungen — mißbraucht und diskreditiert wird. M.M. Die Bamberger Tagung des zionistischen Gruppenverbandes für Bayern und Württemberg An der vom Zionistischen Gruppenverband für Bayern und Württemberg zum 1. März nach Bamberg einberufenen Tagung haben Vertreter sämtlicher zionistischen Ortsgruppen in Bayern teilgenommen. Es waren außer den Vertretern der Bamberger Ortsgruppe Delegierte aus Nürnberg, Fürth, Erlangen, Würzburg, Regensburg, München und anderen kleineren Orten gekommen. Besonders zahlreich war der Besuch von Seiten der Ortsgruppen Nürnberg und Fürth. Von dort war außer einer großen Zahl Delegierter auch die nationaljüdische Jugend in Scharen zur Tagung erschienen, die das Konferenzbild sehr belebte und deren innere Anteilnahme an den Verhandlungen nicht wenig zur frohen Stimmung beitrug. Es darf freilich nicht verschwiegen werden, daß die arbeitsfrohe Stimmung, die im allgemeinen herrschte, nicht wesentlich durch die bedauernswerte Tatsache beeinträchtigt war, daß die zweitgrößte bayerische Ortsgruppe — München — auf der Tagung nicht in der ihrer Bedeutung angemessenen Weise vertreten war, eine von den Teilnehmern der Konferenz stark gefühlte Lücke. Einen sehr eindrucksvollen Auftakt zur Konferenz bedeutete das am Vorabend der Tagung vom Vorsitzenden dev Zionistischen Vereinigung für Deutschland Kurt Blumenfeld in öffentlicher Versammlung gehaltene Referat über „P a 1 ä s l i n aa u f b a u , zionistische Bewegung u n d d e u t s c he Kult u r“. Blumenfeld brachte in der ihm eigenen umfassenden, in allen Einzelheiten spannenden und in der Form eleganten Darslellungsweise den überzeugenden Beweis von der Not-