Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 10 (6.3.1925)
- Date
- 1925-03-06
- Page
- Seite 148 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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148 Das Jüdische Echo Nr. 10 Die Saat ist aufgegangen In Nr. 7 unserer Zeitschrift haben wir auf die Gefahr hingewiesen, die die Taktik der assimilatorischen jüdischen Parteien, insbesondere des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens im Wahlkampf zum preußischen Gemeindeverband in sich birgt. Diese Parteien — und der Zentralverein an ihrer Spitze — haben durch allerlei ausgesprochene und unausgesprochene Verdächtigungen die jüdische Volkspartei und damit die Zionisten in Deutschland als eine Gruppe von Juden hinzustellen versucht, deren deutsche Gesinnung von höchst zweifelhaftem Wert sei und hat geglaubt, mit gewissen Unterscheidungen zwischen in- und ausländischen, einheimischen und fremden Juden auf die Instinkte der assimilatorischen Juden besonders stark zu wirken und sie mit diesem Köder an die Wahlurne zu locken. Nebenbei mag es diesen Parteien nicht eben unangenehm gewesen sein, daß sie gelegentlich dieser denunziatorischen Taktik sich selbst der nicht jüdischen Welt gegenüber in das Licht heller patriotischer Entrüstung gegen die ,,undeutschen“ Zionisten gerückt fühlten. Es ist heute ein offenes Geheimnis, daß die Haltung dieser Parteien hauptsächlich von der Furcht vor der Wirkung der Naumannschen deutschnationalen Agitation diktiert war. Durch die Bekämpfung der bösen, unpatriotischen Zionisten wollte man den Naumannianischen Mühlen das Wasser abgraben. Daß die ganze antizionistische Kampagne nur als wirksames Wahlmanöver gedacht war und die Gegensätze von seiten des Zentralvereins und seiner Parteigenossen künstlich gesteigert und aufgebläht wurden, geht aus der Tatsache hervor, daß jetzt, unmittelbar nach dem Wahlakt, das Kampfbeil wieder so gut wie begraben ist und die kriegerische Stimmung der Wahlzeit, wenn auch noch nicht völlig, so doch sehr merklich abgeflaut ist. Die berühmten Wahlbomben im ,,Berliner Tageblatt“ und an den Berliner Litfaßsäulen haben ihre Wirkung getan und soisind auch die widernatürlichen Formen des Kampfes gegen den Zionismus wieder — bis zur nächsten geeigneten Gelegenheit — ad acta gelegt. Aber dieser gehässige Kampf des Zenlralvereins und seiner Genossen gegen uns hat eine Wirkung auf die nichtjüdische deutsche Öffentlichkeit ausgeübt, die wir schon vor etlichen Wochen vorausgesagt haben und die wohl der Zentralverein selbst nicht erwartet hat. Aus dem Zwiste der jüdischen Parteien, den unsere Gegner mit Gewalt in die deutsche Öffentlichkeit hineingetragen haben, ist in der deutschnationalen, antisemitischen Presse S ii d- (1 e u t s c h 1 a n d s eine geradezu wüste Zionislenhetze entstanden. Die Saat Naumanns und des Zentral Vereins ist aufgegangen. Am 3. Februar, also zwei Tage nach der Wahl, erschien in der Abendausgabe der Stuttgarter „Süddeutschen Zeit u n g“ ein Bericht über „die Gefahr des Zionismu s“, der ungefähr alle die Unwahrheiten und Verleumdungen, die im Wahlkampf von gegnerischer Seite über die Zionisten ausgestreut wurden, zusammenfaßt und schließlich im Tone „sachlicher“ Berichterstattung feststellt, daß „tatsächlich durch den zionistischen Wahlerfolg die Gefahr gewachsen ist, daß die deutschen Zionisten das Judentum des Auslandes zur Einmengung in deutsche politische Verhältnisse bewegen, zumal der Zionismus über große M a e h t f ii 11 e in London und Neuyork verfügt“ (Sperrungen wie im Original). Unsere politischen Gegner werden sich und anderen nicht einreden, daß kein Grund vorliege, über diese antizionistische Äußerung beunruhigt zu sein, da sie ja nicht die Gesamtheit der deutschen Juden, sondern nur die Zionisten treffe. Wer antisemitische Taktik auch nur oberflächlich verfolgt, weiß, daß hier der Antisemitismus sich nur ein antizionistisches Kleidchen angetan hat und daß derartige Einkleidungen in einem deutschnationalen Organ von den deutschen Lesern in ihrer wahren, alle Juden umfassenden Absicht sehr rasch und gut erkannt werden. Das Material zu diesem judenfeindlichen Vorstoß haben unsere politischen Gegner, hat der Zentralverein geliefert, dessen Hauptaufgabe bekanntlich die Bekämpfung des Antisemitismus sein sollte! Wir wären über diese Äußerung der „Süddeutschen Zeitung“ stillschweigend hinweggegangen, wenn nicht in diesen Tagen in der deutschnationalen München-Augsburger Abendzeitung (vom 1. März) ein Leitartikel erschienen wäre, der, „D r. W e i z m a n n“ überschrieben und von dem bekannten antisemitischen Politiker D. Traub verfaßt, selbst unsere eigenen Befürchtungen über die antisemitischen Wirkungen der vom Zentralverein angewandten Wahlmanöver weit übertrifft. Der Artikel strotzt von Gehässigkeit gegen Juden und Zionisten und wenn auch die nichtzionistischen Juden darin, aus Gründen der Taktik, von den bösen Zionisten abgehoben werden, so ist der ganze Artikel trotzdem auf den Grundion abgestimmt: wie weit muß es gekommen sein, wenn sogar Juden selbst es für nötig finden, von den Zionisten abzurücken! Damit sind natürlich keineswegs die Nichtzionisten bereits, wie vielleicht manche Zentralvereinsführer naiv glaubten, in der Achtung dieses antisemitischen Politikers gestiegen und von aller Beschuldigung frei. Das Blatt ruft nur aus: „Wie weit muß die Internationale entwikkell sein, wenn das „Berliner Tageblatt“ ein solches Bild der zionistischen Bestrebungen zeichnet!“ Der Verfasser bricht in Jubel darüber aus, daß er endlich in dem bekannten Artikel des „Berliner Tageblatts“ ein jüdisches Zeugnis für die politische Unzuverlässigkeit der Juden in Händen hat! DAS HAU s KRELL-UCKO THEATINERSTR.16 TELEFON 27831—32 BIETET BESONDERE P RE IS VO RTEI LE IN: KLEIDERSTOFFEN - SAMT UND SEIDE DAMEN- UND JUNGMÄDCHEN-KONFEKTION TEPPICHEN —GARDINEN - DECKEN