Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 9 (27.2.1925)
- Date
- 1925-02-27
- Page
- Seite 137 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9072829-9103075-9153778--06504-9079217- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 9 Das Jüdische Echo 137 modernen, mit je 200 Betten 3. Klasse ausgestatteten Eildampfer „Carinthia“ und „Soria“ in Dienst slelll, soll ausschließlich dem Massen- und Touristenverkehr nach Palästina dienen. Die „Carin- Ihia“ tritt ihre erste Reise nach Jaffa am 11. März und die „Soria“ am 25. März an. Deutschland Prof. D u b n o w und E d u a r d Berns tei n 1) e i den o s t j ii d i s c h e n Studente n. Berlin. (J.T.A.) Am 7. Februar abends fand im Logenhaus Kleiststraße die feierliche Eröffnung der dritten Jahreskonferenz der jüdischen Studentenvereinigungen in Deutschland statt. Es waren etwa 40 Delegierte aus fast allen Universitätsstädten Deutschlands, sowie zahlreiche Gäste erschienen. Der Vorsitzende des Zentralkomitees, Herr L u b o w s k i, eröffnete die Tagung, woraufhin der zum Ehrenvorsitzenden der Konferenz gewählte jüdische Historiker Prof. S. I) u b n o w eine Ansprache hielt, in der er ausführte, den jüdischen Studenten sei das Exil nicht fremd; schon zur Zeit des Zarismus in Rußland mußte der Jude ins Auland wandern, um sein Streben nach Bildung zu befriedigen. Das ist auch jetzt nicht anders geworden und auch in den neugebildeten Staaten legt man dem Studium der Juden Hindernisse in den Weg. Er ermahnte die ostjüdischen Studenten, mutig ihren Weg zu gehen. Hierauf sprach, stürmisch begrüßt, der Nestor der deutschen Sozialdemokratie, Eduard Bernstein, der darauf hinwies, daß die jüdische studierende Jugend stets in den ersten Reihen der Kämpfer für die Freiheit zu finden war. Er sprach von dem Überhandnehmen des Antisemitismus und der Reaktion in verschiedenen Ländern und ermahnte die Studenten, sich nicht einschiichlern zu lassen und für die Freiheit im internationalen Lehen einzustehen. Das Präsidium des Wcltvcrhandos der jüdischen Studentenschaft. Wien. (J.T.A.) Der Funladung der Exekutive des Weltverbandes der jüdischen St uden schaft folgend, haben die folgenden Herren bisher ihre Zustimmung zum Eintritt in das Präsidium des Weltverbandes der jüdischen Studentenschaft erteilt: Prof. Dr. Albert Einstein- Berlin, Präsident; Vizepräsidenten Prof. Dr. A1 e - x a n d e r -London, Ch. N. B i a 1 i k -Tel-Aviv, Prof. Dr. Georg Brandes -Kopenhagen, Prof. Dr. H. P. C h a j e s -Wien, Prof. Dr. Max Lieber m a n n- Berlin. Die Zustimmung der Herren Prof. F' rankf urter und Rabbiner S. W i s e , beide in New- York, steht noch aus. Feuilleton Die Weinlese (Übersetzt aus dem zionistischen Zentralorgan, The New-Judea von Dr. M.) Tiefbraune Weidenkörbe, drei Fuß hoch, sind auf dem weißen Berg außerhalb der Hütte aufgeschichtet^ Ein oder zwei Marktkörbe voll Käsebrot, ein hebräisches Buch mit zerrissenem Deckel, ein merkwürdiger Sweater in der Hütte, der große Wasserkrug zerbrochen und nur ein kleiner übrig geblieben, um unseren Durst zu löschen. So sind also die Traubenschneider gekommen. Dort unten zwischen den Reben gehen sie herum wie Ameisen, die Brotkrumen aufsammeln. Ich gehe zu ihnen hin an den Ort, wo sie und unser Wirt seit Sonnenaufgang bei der Arbeit gewesen sind. Unser Wirt ist einer von den drei Kolonisten in Rechoboth, die keine arabischen Arbeiter beschäftigen. Die zehn oder zwölf Erntearbeiter sind alle Juden, aber von so verschiedenen Typen, daß sie natürlicherweise bei ihrer Arbeit sich in Gruppen teilen. Da sind drei Jemeniten, Einwanderer aus Jemen in Arabien, die von der jemenitischen Arbeitersiedlung auf dem Nationalfondsboden dicht bei Rechoboth kommen. Sie sind braun wie Araber und ihre buschigen Kleider und runden Käppchen und bloßen Füße sind arabischen Stils; aber ihre Schläfenlocken, ihr kleiner Wuchs und etwas Scheues, Tragisches und Geistiges in ihrem Wesen unterscheidet sie. Ihre hebräische Sprache ist reizend; sie hat Stil und Strenge und eine orientalische Schärfe in den Vokalen. Aber eine gewisse Scheu hält uns von mehr als den unbedingt nötigen Höflichkeitsbeweisen ab. Dann sind da ein paar Söhne und Töchter der hiesigen Bauern VERSICHERN SIE LEBEN UND EIGENTUM VersicHerunqSeeschäft Dr. Et'inger, Agnesstr. 4*, Tel“ fon 31 7 92 und Pflanzer, Absolventen der Dorfschule, hübsche Mädchen mit weißen Tüchern auf ihren Köpfen, mit graden ärmellosen, kurzen Kleidern; und Jungens, die nach Pfadfinderart gekleidet sind mit Kakhihosen, die weit über dem Knie abschneiden; und alle barfuß oder nur mit Sandalen. Zwei der Jungens sind „Scouts“ aus dem hebräischen Gymnasium in Tel-Awiv, die im Hinterhofe unseres Wirtes ein Lager bezogen haben und sich ihren Unterhalt während der Schulferien verdienen. Da sind ferner zwei Chaluzim, die Vorhut einer großen Anzahl, die nach Rechoboth kommen wollen, um den Arbeitsmarkt zu erobern. Sie gehen ebenfalls in Kakhi mit am Halse offenen Blusen. Einer von ihnen ist ein studentischer Typ mit einer Brille und einer akademischen Art, sich zu geben. Und dann noch einer, ein junger amerikanischer Rabbiner, frisch von dem Seminar, in richtigen Arbeitskleidern, der seine Arbeit als ein Abenteuer auffaßt, aber den ganzen Tag im Sonnenschein treu dabei bleibt. Und mein Wirt in Arbeiterhosen und einer Schürze. Der Sonnenschein war viel weniger lästig, als bei der Morgenwanderung bergauf. Die frische Seebrise streifte unsere Gesichter und bewegte die Blätter. Wir waren jeder mit einem Taschenmesser bewaffnet und gingen an die Reben der Reihe nach heran, indem wir die Trauben abschnitten und sie in die tiefen Körbe vvarfen. Gewöhnlich arbeiteten zwei zusammen, die den Korb beim Vorgehen von Rebe zu Rebe gemeinsam trugen. Wenn die Körbe voll waren, so wurden sie zu einem bestimmten Punkte getragen, wo der Wagen sie holen und zur Kelter bringen sollte. Dort warteten sie, überquellend von grüner oder roter Frucht, je nach dem Stück, das den Tag über bearbeitet worden war. Und gelegentlich kippte einer über und Überfluß strömte aus seinem Horn. Zuerst schnitt ich mich in die Finger; aber bald hatte ich den Vorteil mit den Stengeln heraus. Nun befleckte nur noch Saft, das Blut der Trauben, meine Finger. Es liegt eine tiefe Befriedigung im Herbsten, eine Freude am Gewicht der