Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 9 (27.2.1925)
- Date
- 1925-02-27
- Page
- Seite 135 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9 Das Jüdische Echo 135 nisation erheblich verteuert. Es gibt nur ein Mittel, das geeignet ist, eine nationale Kolonisation in Palästina zu sichern und den Bodenwucher auszuschließen, nämlich die Stärkung des Keren Kajemeth. Nur umfangreicher Bodenerwerb des Keren Kajemeth ermöglicht die Schaffung einer jüdischen Landwirtschaft als Grundlage unserer nationalen Wirtschaft. Nur großer nation. Bodenbesitz schafft tatsächlich politische Sicherung im Lande. Nur Gemeinschaftsboden verbürgt jüdische Arbeit und eine gerechte soziale Ordnung. Daher ohne Gemeinschaftsboden keine politische Sicherung, keine wirtschaftliche Gesundung, kein sozialer Friede. Aus diesen Gründen hat jeder Zionist die Pfli:ht, an der großen Aufgabe, die sich der Keren Kajemeth gestellt hat, aktiv mitzuarbeiten. Von den 100 000 Dunam, die der Keren Kajemeth bis Ende 5685 erwerben will, sollen 6000 Dunam von Deutschland ausgelöst werden. Deswegen müssen wir eine besonders große Aktion zu Purim organisieren. Bis Purim sollen in allen Orten 2/s des Kontingents aufgebracht werden, damit wir noch vor dem Sommer den größten Teil des Kontingents sicher stellen, d. h. den Gegenwert von 4000 Dunam aufbringen. Das Programm dieser Aktion ist: Die Veranstaltung von Purimfeiern zu Gunsten des Keren Kajemeth, Haussammlungen am 8. März, Verkauf palästinensischer Produkte. * * * Während die Eingänge des Keren Kajemeth im Dezember 1923 7000 £ betrugen, wurden i m Dezember 1924 eine Einnahme von 2 0 8 0 0 £ erreicht. In dem ersten Quartal des Jahres 5685 hat der KKL 48 200 £ gegenüber 23 400 J? im ersten Quartal 5684 eingenommen. Die sehr günstigen Ergebnisse beweisen, daß die Arbeit für den KKL in allen Ländern mit sehr großer Intensivität betrieben wird, um das Ziel, den Neuerwerb von 100 000 Dunam Boden bis Ende 5865, zu erreichen. * Aus Jerusalem wird telegraphisch mitgeteilt, daß der Keren Kajemeth in den letzten Tagen 17 000 Dunam Boden im Emek Jesreel und 8000 Dunam in Judäa neu erworben hat. Der Bodenbesitz des Keren Kajemeth beträgt nunmehr 175 000 Dunam. Das Direktorium des Keren Kajemeth ist entschlossen, bis Ende 5685 den Bodenbesitz auf 200 000 Dunam zu bringen. Palästinensische Streiks und Aussperrungen Von unserem Jerusalemer Korrespondenten. A.G. Dank der Bautätigkeit in Tel-Awiw deckt heute die Nachfrage nach Arbeitskräften das Angebot, besteht also keine Arbeitslosigkeit, und es ist vorläufig auch kein Symptom zu bemerken, daß sich die Bedingungen des Arbeitsmarktes verschlechtern werden. War also früher das zentrale wirtschaftliche Problem die Schaffung des Arbeitsmarktes schlechthin, so handelt es sich heute um seine Organisierung. Die Unternehmerschaft ist heute überhaupt nicht organisiert; obwohl einzelne Anfänge und Symptome des Zusammenschlusses vorhanden sind, arbeitet doch jeder Einzelne für sich ohne Hilfe oder Rücksichten. Die Arbeiterschaft dagegen ist bereits umfassend und straff organisiert. Sowohl in der allgemeinen Arbeiterorganisation als Gesamtrahmen, wie in den einzelnen gewerkschaftlichen Fachverbänden. Dennoch hat die Erfahrung bewiesen, daß eine Beherrschung und Organisierung des Arbeitsmarktes dadurch noch nicht gewährleistet wird. Der Ortswechsel im Lande im kleinen und die Alijah im großen verändern dauernd Qualität und Zahl der Arbeiter. Eine geordnete Verteilung der freien Stellen wäre nur möglich, wenn alle Angebote von Arbeitskräften und von Arbeitsplätzen an derselben Stelle konzentriert werden. Das heißt praktisch, daß statt privater Abmachungen nur ein Arbeitsamt befugt ist, Verträge abzuschließen. Damit wäre erreicht, daß die Arbeitsuchenden nach der Reihe, so wie sie sich an das Amt gewandt haben, versorgt werden, der Arbeitsmarkt würde übersichtlich und der Organisierung zugänglich. So einleuchtend diese Überlegung und diese Konsequenzen sind — ihre Durchführung stieß auf große Schwierigkeiten. Der Arbeiterrat von Jaffa- Tel-Awiw stellte seit längerer Zeit den einzelnen Unternehmern die Forderung, daß sie ihre Arbeiter nur durch Vermittlung des ihm angegliederten Arbeitsamtes einstellen sollten. Die Bewilligung wurde in verschiedenen Fällen, unter anderen bei mehreren großen Unternehmern durch Streik erzwungen. Nichtsdestoweniger kamen immer wieder — wie sehr verständlich — Fälle vor, daß Unternehmer einzelne Arbeiter oder Arbeitergruppen unter Umgehung des Arbeitsamtes einstellten. Unter diesen Bedingungen erhob der Arbeiterrat mit verstärktem Nachdruck seine Forderungen. Zwar trug ein Teil der Streiks, die in Tel-Awiw in den letzten Monaten in großer Zahl aufgetreten sind, vorwiegend wirtschaftlichen Charakter; jedoch sind ja auch bloße Lohnforderungen von der Organisierung des Arbeitsmarktes nicht zu trennen. Beide Erscheinungen sind eng miteinander verknüpft und folgern auseinander. Auf der einen Seite ist es verständlich, daß der Unternehmer sich nicht an das Arbeitsamt binden will, um Arbeiter bei Gelegenheit zu ihm angenehmen Bedingungen einstellen zu können, ihnen weniger zu bezahlen, sie nicht versichern zu müssen, sie länger arbeiten zu lassen und — last not least — ohne Umschweife entlassen zu können. Auf der anderen Seite leuchtet ein, daß sich immer wieder Arbeiter finden werden, die auf jede Bedingung eingehen, besonders wenn es sich um Ungelernte handelt, die natürlich auch jetzt glänzende Aussichten nicht haben. Auf die Dauer muß aber der gegenwärtige Zustand der Ordnungslosigkeit beiden Seiten Nachteile bringen. Und die Entwicklung der letzten Monate hat bereits bewiesen, daß es so weiter nicht gehen kann. Die schwebenden Konflikte werden nun auf die Spitze getrieben durch eine Aussperrung, die vor einigen Tagen eine Anzahl Bauunternehmer in Tel-Awiw als Antwort auf die Streiks verhängte. Damit wurden 300 Arbeiter, der fünfte Teil der im Bau in Tel-Awiw beschäftigten, beschäftigungslos. Hinter dieser Maßregel steht keine Organisation, sondern, wie gesagt, eine Gruppe von Unternehmern, die mit diesem Mittel den Störungen der Arbeit durch die Streiks ein Ende machen wollen in einem Zeitpunkt, wo die Bautätigkeit einen solchen Umfang und ein solches Tempo angenommen hat, daß die „Silikat“-Fabrik, die doppelschichtig arbeitet, für Monate hinaus keine Aufträge mehr annimmt, und das technische Bureau der Stadtverwaltung nicht mehr genügt, um die eingereichten Baupläne zu prüfen und zu bestätigen. (Schluß folgt.) | Gedenket der hungernden Vögel f