Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 9 (27.2.1925)
- Date
- 1925-02-27
- Page
- Seite 133 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9 Das Jüdische Echo 133 lung zu erklären, die Palästinas Grund und Boden für den nicht sozialistischen, den bürgerlichen Menschen innerhalb des Zionismus, nach dem Willen Theodor Herzls und aller seiner echten Anhänger einnehmen muß. Sie ist zurückzuführen auf nichts anderes als auf die Arbeit unserer Fonds, insbesondere auf die Ideologie des i\ e r e n Kajem e t h, die zu noch viel klarerer Ausprägung gekommen wäre, wenn nicht der Name Nationalfonds irreführend hätte wirken können. Hätte ddr Keren Kajemeth von vornherein Palästina-Landfonds geheißen, hätte er nicht den Juden zugleich ‘»uch einprägen müssen, daß sie ein Volk s~ien — so wäre seine grundlegende Bedeutung für das Neuartige der zionistishen Kolonisation von allem Anfang an schärfer hervorgetreten. Man hätte ihn niemals mit den polnischen oder tschechischen Kampffonds verwechseln können, die bei völlig anderer Verwendung und Aufgabe den gleichen Namen trugen. Der Keren Kajemeth hat die Juden gelehrt, den Boden Palästinas von vornherein als etwas Gemeinnütziges zu empfinden. Dadurch, daß er lange Zeit das einzige Instrument unseres Bodenkaufes gewesen ist und sein konute, durch den Nachteil also, den uns die Gleichgültigkeit der großen Geldjuden gegen unsere Bewegung so lange zufügte, haben wir — gam su letowa — den großen Vorteil gehabt, den Boden Palästinas zum Rang einer Idee zu erheben, ihn zu vergeistigen- Mag immer dazu gekommen sein, daß dieses Land für jeden, an jüdischer Vergangenheit voller Empfindung hängenden Juden durch den unheueren Nachdruck, den biblische Verheißung, prophetische Drohreden, historische Eroberungszüge, nationale Verteidigungskämpfe und schließlich rabbinische Tradition bewirken, die Verkörperung des nationalreligiösen Ideals und der Zukunftshoffnung würde, und mag, auch auf die Juden, der Name gewirkt haben, den dieses Land in der ganzen christlichen und islamitischen Welt, in Nachahmung des jüdischen Gefühls, trug: das Heilige Land, erst durch die unermüdliche Werbearbeit des Keren Kajemeth wurde in die jüdischen, kleinbürgerlichen Massen der Gedanke eingepreßt, daß, so begrüßenswert der Besitz eines Stückchens heiligen Bodens auch sei, es doch nur dem jüdischen Volke als Gesamtperson zukomme, das Glück dieses Besitzes zu erleben. In Verbindung mit dem Gedanken der Erbpacht hatte der Keren Kajemeth damit erreicht, daß der aus Tausenden von kleinen Spenden zusammengeworbene Landbesitz ein Maßstab ward für die Vergeistigung der Bodenvorstellung, und er hatte damit den Widersprach aufgehoben, in welchem gewohnter Weise jene zwei großen weltbeherrschenden Prinzipien, der Geist und das Geld, mit einander standen. Je mehr Geld ihm zufloß, um so mehr vergeistigte sich die Vorstellung von Besitz an palästinensischem Boden, je mehr der Einzelne von seinem Vermögen ihm überließ, desto intensiver wuchs das Anrecht der Gemeinschaft, als ausschließlicher Verwalter palästinensichen Bodens aufzutreten. Daß Vergeistigungsprozesse solcher Art sehr allmählich vor sich gehen, liegt im Wesen der Dinge, weil jeder einzelne Mensch erst in ihn einbezogen werden muß; daher auch es kein Wunder ist, wenn die augenblickliche rapide Entwicklung des palästinensichen Jischuw schneller zu sein scheint, als dieser langsame, aber tief wirkende Verwandlungsprozeß. Der Keren Kajemeth hat den Kampf aufgenommen, den der private Ungeist ihm angesagt hat, und wie es sich gehört, ist der Geist ln seine Kampffront getreten: nämlich der Geist der palästinensischen Künstlerschaft und1 Literatur. Durch die jüdischen Zeitungen ging — oder wird gehen — der Aufruf, den die Geistigen Palästinas an die jüdischen Geistigen der ganzen Welt richten, den Keren Kajenjeth in seiner Frühjahrsarbeit eindringlich zu unterstützen. Und es ist gut so. Denn alles Geistige hat auf der Erde schließlich ein und dieselbe Bundesgenossenschaft; am Wachstum der Vergeistigung des Menschen sind wir alle gleichmäßig interessiert, wie ja schließlich die ganze Menschheit — sie habe es bereits eingesehen, oder sie wisse es noch nicht — in ihrem endgültigen Schicksal vollständig davon abhängt, daß die triebhaften Mächte des menschlichen Lebens erlöst und gereinigt werden durch ihre endliche Heiligung. Es ist die einzigartige Funktion des Keren Kajemeth innerhalb des Zionismusses, daß er auch das Geld in diese Vergeistigung einbezieht, und durch die Art seiner Sammeltätigkeit diesen Prozeß in die breiten Massen trägt. Je weniger bewußt, umso eindringlicher wirbt er damit nicht nur für die Erlösung des Bodens, sondern auch für die des Geldes. A. Z. Ein Äufruf zugunsten des Keren Kajemeth Das Hauptbüro des J. N.-F. in Jerusalem sendet uns folgenden Aufruf, der von den in K i r j a t h Anawim, auf Boden des Keren Kajemeth Lejisrael (Jüdischer Nationalfonds), am 25. Dezember 1924 versammelten jüdischen Schriftstellern, Künstlern und Gelehrten Erez-Israels beschlossen wurde, um ihre Berufsgenossen in der ganzen Welt zur Mitarbeit an der Auslösung des palästinensischen Bodens heranzuziehen. An die jüdischen Schriftsteller, Gelehrten, Künstler in aller Welt! Liebe Freunde! Aus Kirjath Anawim, dem neu erstandenen jüdischen Dorfe nächst Jerusalem, senden wir Euch in allen Ländern der Diaspora den Gruß der Heimat. Wir jüdischen Schriftsteller Palästinas haben uns, fast allesamt hier versammelt, um Rats zu pflegen, wie wir die Geulath Haarez (Erlösung des Bodens) am besten fördern können. Wir, denen es vergönnt ist, in Erez-Israel zu wohnen, sehen mit eigenen Augen, wie der Väterboden Stück um Stück erlöst, wie Haus um Haus gebaut, Acker auf Acker bestellt wird. Und jüdische Menschen sind es, die ■— selbst befreit — pflügen und eggen, säen und pflanzen. Menschen und Boden, hier werden sie eins. Und obenan steht eine große Tat: die beginnende Auslösung der Ebene J e s r e e 1, einst der Schauplatz historischen Ringens, einst und bald wieder die Kornkammer des Landes. Ein Volkeswerk durch Volkesgabe, die Frucht einer gewaltigen Anstrengung des Keren Kajemeth Lejisrael und Keren Hajessod. Seht, welch ein Schauspiel! -Vom Meere her nahen Schiffe. Die Versprengten Israels kehren aus allen Ländern der Zerstreuung heim. Ihre Herzen klopfen in froher Erregung, und aller Sehnen ist einem Ziele zugewandt: die Mutter Erde liebend zu empfangen. Eine Masseneinwanderung, wie sie noch nicht da war seit Judäas Untergang. Eine Wanderung, die sich mit Elementargewalt, über Meere und Wüsten, durch zahllose Gefahren* Bahn bricht, und die Tore des Landes aufreißt. Doch wie tragisch, es gibt keinen Boden!