Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 9 (27.2.1925)
- Date
- 1925-02-27
- Page
- Seite 132 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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132 Das Jüdische Echo Nr. 9 berg ab Sonntag abends 5.48, München an 10.45. Wir rechnen bestimmt darauf, daß eine große Anzahl von Gesinnungsgenossen an der Tagung teilnehmen werden. Der Fortgang der Arbeit ln unserem Bezirk wird in weitem Maße von dem Gelingen der Tagung abhängen. Die Wichtigkeit unserer Zusammenkunft dokumentiert sich schon in der Anwesenheit des Vorsitzenden der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Kurt Blume n f e 1 d, der, obwohl er mit Arbeit stark überlastet ist, seine Anwesenheit als unbedingt notwendig erachtet hat. Zionistischer Gruppenverband für Bayern u.Württemberg Sonntag, i. März 1925 im Hotel „Bamberger Hof“ Tagung des Verbandes in Bamberg Tagesordnung: Samstag, den 28. Februar, abends 8 Uhr: Öffentl. Vortrag des Vorsitzenden der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Herrn Kurt Blumenfeld im Saale des Hotels „Eckenbüttner“. Sonntag, den 1. März, vormittags 1/2 10 Uhr: Besprechung der Mitarbeiter des Nationalfonds* vormittags V211 Uhr: Eröffnung der eigentlichen Tagung: 1. Bericht über die Tätigkeit und Aufgaben des Gruppenverbandes; Referent: Dr. Meinhold Nußbaum, Nürnberg. 2. Referat: Die zionistische Arbeit in Deutschland; Referent: Kurt Blumenfeld, Berlin. 3. Wahlen. 4. Diverses. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Interne Besprechungen: 1. Die kommenden Gemeindewahlen; Referent: Dr. Eli Straus, München. 2. Keren-Hajessod (Referent wird noch bestimmt). 3. Jugendkonferenz (Keferent wird noch bestimmt). Am Abend: Geselliges Beisammensein. Geist und Geld Wir haben mit der vollen Besorgnis, die eine solche Erscheinung in jedem Einsichtigen hervorrufen muß, die Nachrichten verzeichnet, die über Bodenspekulation und preistreiberische Landkäufe in Tel Aviv zu uns gekommen sind. Heute wollen wir einen Blick auf erfreulichere Zusammenhänge werfen, die — und das ist ein Gutes — in unserem Geist jene trüben Vorgänge wieder an hellbelichtete Stelle rücken. Nehmen wir einen Augenblick an, diese Nachrichten wären aus Kalifornien gemeldet worden; es hätte sich also in Los Angelos der Wert von Grund und Boden in wenigen Tagen verdreifacht: so würde kein Mensch in der ganzen Leserschaft jüdisch-bürgerlicher Zeitungen (mit Ausnahme der kleinen Gemeinde der Bodenreformer) daran irgend etwas Alarmierendes gefunden haben. So selbstverständlich wäre jedem die Steigerung des Wertes eines Grundstückes bei steigendem Bedarf vorgekommen; so gewohnheitsmäßig hätte das europäisch geschulte Gehirn die Tatsache hingenommen, daß der pure Bedarf an einer lebensnotwendigen Sache, wie Bauland in einer Stadt ist, für Menschen genügt, um sich daran zu bereichern, um also die Notdurft, des Nachbarn in eigenen Vorteil umzumünzen. In dem Augenblick aber, wo die Stadt nicht mehr Los Angelos sondern Tel Aviv heißt, beunruhigt sich eine Fülle sonst ganz bürgerlich denkender Menschen — wovor? Doch einfach vor der Tatsache, daß auch nach Palästina übergreifen könnte, was für Europa und Amerika offenbar auf schicksalsmäßige Weise hingenommen wird, daß auch ln Erez Israel herrschend werden könne, was in Europa vielen Juden zu unanrüchigen Einnahmen vernilft. Worauf ist diese Tatsache zurückzuführen? Bei sozialistisch erzogenen Menschen wäre sie nicht verwunderlich. Die Sperre von Grund und Boden durch den feudalen und bürgerlichen Grundbesitz, der adlige Rittergutsherr oder städtische Hausbesitzer als staatserhaltende Kaste, das sieht der sozialistisch geschulte Geist unter dem großen Begriff und großen Unrecht des Privatbesitzes an den Produktionsmitteln der Menschheit; so daß es ihm nicht schwer fällt, in jeder solchen Spekulation eine Verkümmerung der Lebensbedingüngen von hundert anderen daseinsberechtigten Menschen zu erkennen. Es ist hier nicht der Ort zur Untersuchung, ob nicht in der Gleichsetzung von Grund und Boden mit anderen Produktionsmitteln eine Verkennung der in jedem Sinne grundlegenden Lebensnotwendigkeiten gerade des Bodens für den Menschen ist; ob nicht der Boden und seine Schätze nach jeder, besonders aber nach jüdischer Mythologie, von Gott nicht dem einzelnen Menschen zu seiner Willkür, sondern der' ganzen Menschheit zu ihrer schöpferischen Umgestaltung irdischer Lebensbedingungen im göttlichen Geiste verliehen, eine Ausnahmestellung auch innerhalb jeder sozialistischen Geisteshaltung einnehmen müßte, die Krapotkin und Landauer aufs nachdrücklichste dargelegt haben. Hier handelt es sich vielmehr darum, die eigentümliche Sonderstel-