Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 8 (20.2.1925)
- Date
- 1925-02-20
- Page
- Seite 119 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8 Das Jüdische Echo 119 Erez Israel ist ein heiliges Land, sie haben eine reine Seele („a kuschere Neschome“), wo werden sie mit dem Lande ihrer Väter ein Geschäft machen wollen. Anders verhält es sich doch nicht, nicht wahr? Anders kann es sich doch nicht verhalten? Es gibt Vorkommnisse, denen gegenüber man sich auf ernsthafte Weise überhaupt nicht verhallen kann. Sie sind so abscheulich, daß sie komisch wirken, verstehe es, wer mag. Die menschliche Seele geruht von gewissen Dingen, die ihr absolut entgegengesetzt und widerlich sind, nur mit einem Lachen Kenntnis zu nehmen. Der Bodenwucher in Palästina, die 50—200prozentige Verteuerung von Siedlungsland und Bauland, die in einem außerordentlich gründlichen und umfangreichen Aufsatz der Herausgeber des Jerusalemer „Haarez“, M. G 1 ii c k s o h n , an den Pranger stellt, gehört zu jener Art von Tatsachen. Es hat keinen Sinn, darüber in Klagen auszubrechen; es gibt dazu nur jene drei Stufen der Auseinandersetzung, welche heißen: Lächeln, Erkennen, Abhelfen. Jetzt sehen es auch jene, die den Zionismus um seiner auswählenden, dem augenblicklichen Judentum gegenüber kritischen und erzieherischen Tendenz willen „hochmütig“ schalten, wie recht die Vertreter dieses Zionismus, je extremer umso genauer, mit ihren Forderungen hatten. Wir schleppen das Galuth nach Palästina. Nicht als ob es nicht schon vorher dort gewesen wäre. Ein schlimmeres Phänomen der Galuth-Psyche, als die Chalukkah, die aus dem Empfänger einen Parasiten an der Judenheit machte, und noch dazu einen heiligen, kann es nicht geben. Aber gleich nach ihm kommt jener Einwanderer, der durch die grauenhafte Kaubatmosphäre in stets hungernden Übervölkerungsgebieten, dem ehemaligen Ansiedlungsrayon und heutigen Polen, dazu erzogen worden ist, sich seinen Unterhalt zu schaffen, sich einen Kückhalt zu erwerben, sich für die nächste Notlage vorzusehen, koste es, was es wolle, ohne die mindeste Rücksichtnahme, am allerwenigsten auf seelische und geistige Werte. Wenn wir verstehen wollen, wie er geworden ist, müssen wir uns immer daran erinnern, daß auch er, ehe er in die erbarmungslose und niederträchtige Presse jener jüdischen Massensiedlungen geriet, ein argloses, verständiges, fühlendes und leitbares Kind gewesen ist, aus dem bessere Umstände und vor allem ein leichteres Leben die überraschenden Werte hätten hervorholen können, die aus jedem normalen Menschen zu entwickeln sind. Das Galuth nach Palästina schleppen, das heißt, den Nonsens der Spekulation und den rücksichtslosen Individualismus der modernen Warenwelt auch über dieses Fleckchen auf dem Globus ergießen, das der jüdischen Arbeit Vorbehalten war; ein Fleckchen Erde, das bis zum Einsetzen dieser (aus der grimmigen Not des Ostens geborenen) Konjunktur immer nur bemerkenswert war, um des ernsthaften, tapferen und jünglingshaftmännlichen Gemeingeistes willen, der alle seine neuen jüdischen Institutionen durchwaltete. Und was anderes bedeutet dies, als die Erlaubnis für die jüdische Vergangenheit der letzten Jahrhunderte und alle Entstellung, die sie an unserer Seele vornahm, weiter zu wirken und alles zuschanden zu machen, ja als Narren hinzustellen, was von einer Degeneration des jüdischen Volkes, von einer Erneuerung des jüdischen Menschen träumte und lehrte? Es ist der konzentrierte Angriff des triumphierenden Kapitalismus auf all unsere Lehrer und Führer, auf Herzl und Achad Haam genau wie auf Buber und Gordon, Landauer und die vielen Namenlosen, die für die Begründung von Kwuzoth und für die Grundlegung der heutigen Arbeitersiedlungen im Lande ihr Leben ließen, sei es durch den Erschöpfungstod, den freien Tod von eigener Hand oder den Tod durch die arabische Kugel — alle diese zusammengefaßt in dem Namen Josef Trumpeldor. Es ist der Ansturm der Galuthentstellung auf den jüdischen Geist — um es durch Gestalten meines ,,Ritualmord“-Dramas auszudrücken, der Angriff Jakob Pfefferkorns auf den Elijaliu. Was ist zu tun? Erkennt man den schrankenlosen Individualismus als Grundquelle des Übels, nämlich jenes wahnsinnige „Recht“ der Einzelperson auf den Gebrauch der Ellenbogen, dann sieht man sofort den Weg zur Abhilfe: Stärkung des Gemeingeistes, d. h. in Einzelmenschen des Verantwortungsgefühls vor der Gesamtheit, in der Gesamtheit selbst die leidenschaftliche Arbeit für die vom Gemeingeist getragenen Institutionen, in unserem Fall für den Keren Kajemeth. Sieht man weiterhin, daß ohne die kapitalistische Gesinnung, durch welche die an sich segensvolle und unentbehrliche private Initiative zum Raubbau ausartet, diese Verheerung im Lande nicht um sich greifen kann, so weiß man, daß die Arznei gegen diese Krankheit in der Stärkung aller sozialistischen Empfindungs-, Denk- und Tatmomente zu finden ist, wo immer sie im neuen Jischuw auftreten mögen. Die Erziehungsarbeit innerhalb unserer Jugend muß von jetzt an mit verdoppelter Intensität darauf gerichtet sein, soziale Haltung als sittliche Verantwortung des Einzelnen vor der Gesamtheit darzustellen. Denjenigen unter den Einwanderern aber, die nicht gewillt sind, sich, und sei es selbst unter persönlichen Opfern, dieser allein maßgeblichen Denkart anzuschließen, muß man rücksichtslos, mit allen Mitteln des Boykotts und wenn möglich der Gesetzgebung zu Gemüte führen, daß es die Arbeit der Erschließung des Landes durch unsere Fonds und die palästinensischen Arbeiter gewesen ist, und daß sie es ferner nur der aufopferungsvollen und entschlossenen Anstrengung unserer zionistischen Politiker im Lande und außerhalb des Landes zu danken haben (Weizmann!), wenn es ihnen ermöglicht ward, ins Land zu kommen, sich aus der vernichtenden Atmosphäre Osteuropas in ein neues Klima des Leibes und der Seele zu retten. Und daß sie sich der Gesinnung zu fügen haben, die mit dem Aufbau des neuen Jischuw begann, DAS HAUS KREU-UCKO THEATINERSTR.16 TELEFON 27831—32 BIETET BESONDERE PREISVORTEILE IN KLEIDERSTOFFEN - SAMT UND SEIDE DAMEN- UND JUNGMÄDCHEN-KONFEKTION TEPPICHEN-GARDINEN - DECKEN