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Das jüdische Echo · 1925-02-20 · 8 (20.2.1925) · p. Seite 118

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
8 (20.2.1925)
Date
1925-02-20
Page
Seite 118 (sequence 6)
Language
German
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118 Das Jüdische Echo Nr. 8 Tendenz versetzt habe. Er meint, daß der Zionismus aus einem Optimismus und einem Pessimismus zugleich entsprungen sei, „aus einem Optimismus, insoferne er (der Zionismus) glaubt, daß eine Lösung dieser Gewissensnot überhaupt dem Juden möglich sein wird, aus einem Pessimismus, insoferne er an eine solche Lösung in Deutschland, seinem Ursprungslande, nicht glaubt.“ Der Verfasser sucht dann zu beweisen, daß dieser Pessimismus in bezug auf Deutschland unberechtigt sei. Diese Erklärung der inneren Triebkräfte und Ziele des Zionismus entspricht in keiner Weise der zionistischen Auffassung. Wir wollen dem Verfasser zugeben, daß manchmal eine gewisse Beziehung zwischen der Verschlimmerung der jüdischen Lage in irgendeinem Lande und dem Anwachsen der Zahl der zionistischen Anhänger zutage tritt. Gewiß ist der Boden eines vom Antisemitismus durchwüteten Lande für die äußere Verbreitung des Zionismus unter solchen, die bisher dieser Bewegung feindlich oder abwartend gegenübergestanden waren, günstiger als in einem Lande, wo die Gleichberechtigung aller Bürger gesichert und — was noch wichtiger wäre — verwirklicht ist. Trotzdem aber ist die Auffassung, daß für den Zionismus Judenbedrückungen ein bestimmender Faktor sei, längst antiquiert und mit dem Termin „Verelendungs-Theorie“ von den Zionisten allgemein abgelehnt. Der wahrhaft verstandene Zionismus lebt nicht von Antisemitismus’ und der Judenverfolgungen Gnaden. Er wird auch da und dann Wurzel schlagen und Bestand haben, wo und wenn der Antisemitismus und die Judenverfolgung nicht oder weniger wirksam ist. Der Zionist wird aus seiner „Gewissensnot“ auch dann nicht herauskommen, wenn sein Geburtsland die bürgerliche, ja sogar nationale Gleichberechtigung faktisch und — soweit dies möglich ist — vollkommen durchgeführt haben wird. Unsere Freudigkeit bei der Mitarbeit an dem Staate, in dem wir leben, mag wohl durch Antisemitismus gelähmt, durch den Gerechtigkeitssinn unserer christlichen Mitbürger gesteigert werden können. (Das trifft natürlich nicht bloß für Zionisten, das trifft für alle Juden zu, und auch Schmidt gesteht, daß die Abnahme dieser Mitarbeitsfreudigkeit „durch die Entwicklung der letzten Jahre in Deutschland reichlich Nahrung erhalten hat“. Gerade die nichtzionistischen Parteien wissen ja in Zeiten antisemiti- «VJLv rssj Nestor Gianadis Cigaretten scher Hochflut von einem gesteigerten Interesse an jüdischem Zusammenschluß zu erzählen.) Was aber dieses Problem mit der zionistischen Gewissensnot zu tun habe, ist nicht recht einzusehen. Die zionistische Gewissensnot ist eine ganz andere. Sie würde auch bei besten staatlichen Verhältnissen und bei größter Judenfreundlichkeit der nicht jüdischen Bevölkerung an ihrer quälenden Heftigkeit nichts einbüßen. Die zionistische Gewissensnot beruht auf der Erkenntnis, daß jüdischer Geist sich interterritorial, und stieße er auf ein noch so liebevolles Verständnis für seine Eigenart, nicht in seiner Reinheit ausprägen kann. „Was deutsch ist, kann man in dieser von Propaganda entstellten Welt nur in Deutschland erfahren“, sagt Arnold Zweig in dem in unserer vorletzten Nummer veröffentlichten Aufsatz über den „heutigen Zionismus“. „Es muß eine Stelle auf Erden geben, wo das Jüdische aus sich und durch sich selbst eindeutig bestimmt ist, wie das Deutsche in Deutschland.“ Der Zionismus, wTie ihn Schmidt versteht, wäre reiner Opportunismus, bloßes Konjunkturprodukt, das beim Schwinden der ihn begünstigenden Umstände in sich selbst zusammenfiele. M. M. „Der Boden Palästinas macht weise“ Nach allem, was uns aus privaten Berichten und öffentlichen Aufsätzen bekannt wird, macht sich in Palästina augenblicklich ein ungeheures Bedürfnis nach Weisheit geltend. Nicht allein auf dem Umwege über Schulen und die neu zu eröffnende Universität, sondern ganz direkt und auf dem kürzesten Wege suchen Menschen, denen man dies gar nicht ansehen würde, sich in den Besitz der so erstrebenswerten Geisteseigenschaft zu setzen. Und zwar legen sie, da sie nun einmal Juden sind, den Satz zugrunde, den wir über diese unsere bescheidene Meinungsäußerung gestellt haben, das Sprichwort vom Boden Palästinas, der wTeise macht*). Sie kaufen Boden. Sie kaufen palästinensischen Boden, zu keinem anderen Zwecke offenbar, als durch seinen Besitz weise zu werden. Sie kaufen ihn nämlich nicht, um ihn zu behalten, oder zu bebauen, denn sie verkaufen ihn ja sehr bald wieder. Sicherlich, weil sie nun schon so weise geworden sind, daß sie auch andere Juden dieser erstrebten Gnade teilhaftig werden lassen können. Wir sind doch ein Volk von nächstenliebenden Menschen, und da Palästina ein kleines Land ist, und möglichst viele Juden weise wrerden wollen und sollen, muß eben ein und derselbe Boden, ein und dasselbe Stück Land seine veredelnde, zum Philosophen machende Eigenschaft an mehreren Juden entfalten können. Und so stehen sie schon vor Morgengrauen vor den Türen glücklicher Besitzer des Bodens und überbieten sich im Preise, um nur ja das zu werden, was früher im jüdischen Volke als höchstes und erstrebenswertestes Ziel männlicher Entwicklung galt: ein Weiser, ein Chacham. Und so seltsam fügt es das Schicksal, das ja bekanntlich die Juden liebt und das Streben nach Gutem belohnt, daß all diejenigen, die durch den vorübergehenden Besitz palästinensischen Bodens weiser geworden sind, merkwürdigerweise — es geht zu wie im Märchen— sich auch reicher geworden finden. Sie bekommen für diesen Boden viel mehr, als sie dafür gaben, und dabei waren sie doch weit entfernt von der Absicht des Reicherwerdens, nicht wahr? Denn sie sind doch Juden, *) Eine Variierung des hebräischen Sprichworts: „awira de-erez jisrael machkim“ („Die Luft Palästinas macht weise“). D. Red.

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