Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 6 (6.2.1925)
- Date
- 1925-02-06
- Page
- Seite 90 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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90 üis Jüdische Echo Nr. 6 und die anderen, die vor Abraham waren, so ist das genug zu ihrem Seelenheil. Es gibt also schon eine Religion durch euch seihst, der ich anhängen kann, wenn ich auch jüdischer Abkunft hin: ich liehe euch an, duldet mich unter der übrigen Herde, und wollt ihr es nicht, werde ich mir die Erlaubnis schon nehmen. O! du blinder Pharisäer, der du jenes Gesetz vergessen hast, welches das erste ist und von Anfang an war und immer sein wird, soviel du auch andere Gesetze erwähnen magst, die später entstanden sind und die du selbst verdammst, mit Ausnahme des deinen, über welches auch, magst du nun wollen oder nicht, andere gemäß ihrer gesunden Vernunft urteilen, die das wahre Maß jenes natürlichen ist, das du vergessen hast und gern begraben willst, um das drückendste und fluchwürdigste Joch über die Nacken der Menschen zu legen, sie ihres gesunden Geistes zu berauben und den Sinnberaubten gleich zu machen. Aber da wir nun einmal darauf gekommen sind, so laßt uns hier ein wenig einlialten und nicht ganz von dem Lobe des ersten Gesetzes schweigen. Sprich denn aus, daß dieses Gesetz allen Menschen gemeinsam und eingeboren ist, eben weil sie Menschen sind. Es verbindet alle miteinander in gegenseitiger Liebe, ohne die Entzweiung zu kennen, die alles Hasses und der größten Widerwärtigkeiten Ersuche und Ursprung ist. Es lehrt, gut zu leben, es scheidet zwischen Gerecht und Ungerecht, zwischen Häßlich und Schön. Das Beste im Gesetz des Moses und in jedem anderen enthält das Gesetz der Natur ganz und vollkommen in sich, und wenn man noch so kurze Zeit von dieser natürlichen Norm abweicht, so entsteht Streit und Spaltung der Geister, und man kann keine Ruhe mehr finden. Wenn man aber bedeutend abweicht, wer wird dann imstande sein, das Unheil und die schrecklichen Zeichen zu beschreiben, die von dieser Trennung ihren Ursprung nehmen und ihr Wachstum? Was hält nun das Gesetz des Moses oder ein beliebig anderes für das Beste, das auf die menschliebe Gesellschaft bezüglich zu ihrem guten und gedeihlichen Zusammenleben verhülfe? Sicherlich ist es das Beste, die Eltern zu ehren, dann aber fremdes Gut nicht anzutasten, ob dies nun das Leben selbst oder die Ehre oder etwas anderes, das zum Leben gehört, ist. Was davon, bitte, enthält nicht das Naturgesetz in sich, die dem Geiste eigentümliche richtige Norm? Von Natur lieben wir die Kinder, die Kinder die Eltern, der Bruder den Bruder, der Freund den Freund. Von Natur wollen wir das Unsrige unversehrt erhalten und hassen die, die unseren Frieden stören, die uns das Unsrige mit Gewalt oder List entreißen wollen. Aus unserer natürlichen Willensrichtung ergibt sich, daß wir das nicht begehen dürfen, was wir bei anderen verdammen. Denn wenn wir andere verdammen, die das Unsrige antasten, so verdammen wir* uns selbst, wenn wir es bei Fremden ebenso tun. Und siehe da, schon haben wir leicht, was vornehmlich in jedem Gesetz steht. Was nun die Speisen angeht, so wollen wir das den Ärzten überlassen: die werden uns hinlänglich belehren, was davon nützlich oder schädlich ist. Was aber die sonstigen Zeremonien, Riten, Statuten, Opfer und Zehnten betrifft (ein ungeheurer Betrug, als Faulenzer fremde Arbeit zu genießen), ach, ach, wir beklagen so sehr, daß menschliche Bosheit uns in solche Labyrinthe gestürzt. Diejenigen wahren Christen, die das einsehen, sind hohen Lobes würdig, sie lassen solches alles weit von sich und halten sich nur an das, was zu einem guten Leben in Sitten dient. Wir leben nicht gut, wenn wir viele leere Formen bewahren, sondern wenn wir vernunftgemäß leben. Es wird jemand einwenden, das Gesetz des Moses und das des Evangeliums enthalte Höheres und Vollkommeneres, nämlich, daß wir unsere Feinde lieben sollen, was das Naturgesetz nicht kennt. Darauf antworte ich, wie schon oben: wenn wir von der Natur abfallen und etwas Höheres finden wollen, entsteht sogleich Streit und Störung des Friedens. Was nützt es, wenn mir Unmögliches auferlegt wird, das ich nicht erfüllen kann? Nichts anderes wird daraus entstehen als Traurigkeit des Herzens, wenn wir annehmen, daß es von Natur unmöglich ist, den Feind zu lieben. Wenn es nun nicht durchaus unmöglich ist, aus natürlichem Triebe den Feinden Gutes zu erweisen (das kann diesseits der Liebe geschehen), weil der Mensch im großen und ganzen zu Mitleid und Barmherzigkeit eine natürliche Neigung hat, so können wir nicht mehr absolut verneinen, daß auch eine solche Vollkommenheit im Gesetz der Natur begriffen liegen kann. Wir wollen jetzt sehen, was für Unglück entsteht, wenn wir uns sehr weit vom Naturgesetz entfernen. Wir sagten schon, daß das Band der Liebe zwischen Eltern und Kindern, Brüdern und Freunden ein natürliches sei. Ein solches Band löst und zerreißt das positive Gesetz, sei es nun das des Moses oder sonst jemandes, wenn es vorschreibt, daß um der Religion willen ein Vater, Bruder, Gatte oder Freund den Sohn, Bruder, die Gattin, den Freund töte oder verrate, und wenn ein solches Gesetz Höheres und Größeres will, als durch Menschen erfüllt werden kann, und könnte es erfüllt werden, so wäre es das größte Verbrechen gegen die Natur, weil diese davor zurückbebl. Aber warum daran erinnern, wenn die Menschen bereits in solchen Wahnsinn gekommen sind, daß sie ihre eigenen Söhne Götzen, die sie in ihrer Torheit verehren, zum Opfer brachten, von der natürlichen Form so furchtbar abwichen und ihre natürlichen väterlichen Gefühle so schändlich befleckten? Wieviel beruhigender würde es sein, wenn die Sterblichen innerhalb der natürlichen Grenzen sich gehalten und so schandbare Erfindungen niemals gemacht hätten? Was soll ich sagen von Schrecknissen und schwer lastenden Ängsten, in die menschliche Bosheit andere versetzt hat; jeder wäre davon befreit geblieben, hätte er nur auf die Stimme der Natur gehört, die von alledem nicht das geringste weiß. Wie viele gibt es, die an ihrem Heile verzweifeln? Die sich in Martern winden, von den verschiedenen Meinungen beeinflußt? Die freiwillig ein ganz klägliches Leben führen, ihren Körper elend zerfleischen, Einsamkeit und Zurückgezogenheit von der menschlichen Gesellschaft suchen, von inneren Qualen fortwährend gepeinigt, ja, die aus Furcht vor künftigem Leid schon heute klagen. Diese und unzählige andere Schmerzen bringt eine falsche Religion, von Menschen aus höser Absicht erfunden, den Sterblichen. Bin ich selber nicht einer von den vielen, die von solchen Schwindlern getäuscht gewesen, der,ich mich im Glauben an sie ihnen zu Füßen geworfen? Ich spreche demnach aus Erfahrung. Doch es heißt, wenn es kein anderes Gesetz gäbe als das der Natur und die Menschen nicht den Glauben an ein anderes Leben und die Furcht vor ewiger Strafe hätten, was könnte sie dann vom Bösen abhalten? Ihr, die ihr solche Erfindungen ausgedachf habt (vielleicht steckt doch noch etwras mehr dahinter, da zu fürchten ist, daß ihr um eures Vorteils wiloer(ud)en sie ^smyrna=Flamme“ zu lOPfa. mit StrotjmunDftück in eleganter Blechpackung 5igarettenfabrik Dibolb, ülundien