Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1925-02-06 · 6 (6.2.1925) · p. Seite 89

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
6 (6.2.1925)
Date
1925-02-06
Page
Seite 89 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9072829-9103075-9153773--06453-9079164
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 6 Das Jüdische Echo 89 in Köln, Worms, Mainz und Speyer. Gerade während des Mittelalters haben die Juden im Rheinlande eine sehr bedeutende Rolle gespielt; allerdings auch manchmal schwere Verfolgungen zu erdulden gehabt. Es ist beabsichtigt, sowohl die äußere Geschichte der Juden wie ihr geistiges Leben ,sowie das Judentum in Synagoge und Haus während des verflossenen Jahrtausends zur Darstellung zu bringen. Zum ersten Male wird hier der eVrsuch gemacht, das überall verstreute Material, soweit es nicht in den Stürmen der Zeit, besonders in Jahren des schwarzen Todes und in den später folgenden Austreibungen vernichtet wurde, zu sammeln. Die uralte jüdische Gemeinde zu Worms mit ihrem reichhaltigen Synagogen-Archiv und ihrem alten Friedhof, desgleichen Mainz mit seinen Grabsteinen, Kulturgeräten usw. haben sich bereit erklärt, wertvolles Material auszustellen. Die äußere Geschichte der Juden in dem tausendjährigen Zeitraum wird an Hand von Originalurkunden, Bildern von Judenvierteln, Originalgrabsteinen, Abgüssen und Photographien, Memoirbiichern, Bildern berühmter jüdischer Persönlichkeiten, mittelalterlichen Judentrachten, Siegeln und gergleichen dargestellt. Das geistige Leben wird wiedergegeben durch wertvolle Handschriften aus der reichen Religiösen Literatur des rheinischen Judentums, teilweise mit Illustrationen und durch Erstdrucke wichtiger Werke, die Synagoge durch den etilweisen Aufbau einer solchen aus dem 18. Jahrhundert, durch Photographien alter und neuer Synagogen, Thoravorhänge, Kulturgeräte, durch Abbildungen von Judenbädern usw., das Leben des Hauses, soweit es religiös beeinflußt war, durch Ausstellung von kunstgewerblichen Gegenständen, wie Sabbatlampen, Chanukahleuchtern und dergleichen. Auch das Zeitalter der äußeren und inneren Emanzipation der Juden in den Rheinlanden ist hierbei nach Möglichkeit berücksichtigt. Die Sammlung und Sichtung des wertvollen Materials liegt in den bewährten Händen des Herrn Oberrabbiners Dr. Kober. Eine kritische Jahresbilanz der bayerischen Kurorte wegen des Ausbleibens der Juden Berlin (J.T.A.). Dr. Richard Huloschiner teilt der „Vossischen Zeitung“ mit, daß die bayerischen Kurorte auf ein kritisches Jahr zuriickhlicken. In den eigentlichen Sommerfrischen und den von Touristen besuchten Gebirgsorten ist der Verkehr sehr erheblich zurückgegangen. Sogar in München hat die Zahl der Übernachtungen um etwa 10% abgenommen. Als eine der Ursachen dieses Rückganges gibt Dr. Huldschiner an, daß im Jahre 1924 die Politik eine nicht zu unterschätzende Rolle spielte. Namentlich jüdische Sommergäste, die sonst nach Bayern zu kommen pflegten, haben es vorgezogen, ein Land zu meiden, in dem die Hittlerei groß werden konnte, ud indem sie befürchten mußten, sich antisemitischen Anrempelungen auszusetzen. Die Zahl derjenigen, die aus diesem Grund ferngeblieben sind, läßt sich nicht einmal schätzen, da die Fremdenverkehrstatistiken die Religionszugehörigkeit der Reisenden nicht berücksichtigen. England Ein Schreiben Lord Robert Cecils an Colonel Kisch Lord Robert Ceeil, der im Dezember Amerika besuchte, hat an den dort weilenden Colonel Kisch ein Schreiben gerichtet, in dem er versichert, daß seine Sympathien für den Zionismus nach wie vor unverändert hleiben. Lord Robert Ceeil schreibt: ,,Sie haben ganz recht, wenn Sie glauben, daß ich mich der zionistischen Bewegung aus vielen Gründen verbunden fühle. Zu diesen Gründen gehören die Balfour-Deklaration, die Verknüpfung des Zionismus mit dem Völkerbund und der Impuls, den dies der internationalen Zusammenarbeit der jüdischen Gemeinschaft verleihen muß. Zudem erschienen mir stets die Aspirationen, in denen diese Bewegung wurzelt, ebenso gesund wie begeisternd. Ich hin sehr erfreut, daß der Erfolg, den die zionistischen Anstrengungen aufzuweisen haben, recht bedeutend ist, und daß die ins Land gekommenen jüdischen Einwanderer ihre große Fähigkeit sowohl hei der Kultivierung des Bodens wie auch auf anderen Gebieten bewiesen haben. Meine wärmsten Wünsche für Erfolg begleiten die Bewegung, und ich hin Ihnen dankbar, daß Sie mir Gelegenheit gegeben haben, zu versichern, daß meine Meinung in dieser Beziehung unverändert dieselbe geblieben ist, die sie stets war.“ (Ziko.) I [■1! iim r! [ | || Feuilleton ||| PI'II llllll Äus Uriel Äcostas Selbstbiographie (Dokumente eines Menschenschicksals) *) (Fortsetzung) So will ich denn, sagte ich, alles erfüllen, was ihr mir auferlegt. Jetzt schenkt mir Aufmerksamkeit, die ihr ehrenhaft, klug und menschlich seid, heftet die Augen eures Geistes darauf und prüft wieder und wieder, wie das Urteil war, das meine Gegner ohne ein Verbrechen meinerseits gegen mich vollstreckten die doch einzelne Menschen und einer fremden Gewalt untergeordnet waren. Ich weiß, daß meine Gegner, um meinen Namen überall vor dem unwissenden Pöbel unmöglich zu machen, zu sagen pflegen: der hat keine Religion, ist nicht Jude, Christ noch Mohammedaner. Überlege dir, Pharisäer, vorher, was du sagst; denn du bist blind und triefst wohl vor Bosheit; und stößt doch nur an wie ein Blinder. Bitte sage mir, was du sagen *) Siehe Nr. 49 v. Js. und Nr. 1. würdest, wenn ich ein Christ wäre. Gewiß würdest du sagen, ich wäre ein gemeiner Götzendiener und würde mit Jesus von Nazareth, dem Lehrer der Christen, von dem wahren Gott bestraft werden, von dem ich abgefallen wäre. Wäre ich ein Mohammedaner, so würden sie auch alle wissen, mit welchen Ehren du mich überhäuft hättest, und so könnte ich niemals deiner Zunge entfliehen und hätte nur diesen einzigen Ausweg, vor dir niederzuknien und deine dreckigen Füße zu küssen, vor deinen bodenlos, sage ich, schandbaren Institutionen zu kriechen. Jetzt bitte belehre mich, ob du noch eine andere Religion kennst, außer jenen erwähnten, die du beide für falsch hältst und sie statt Religionen einen Abfall von der Religion nennst. Ich höre dich schon bekennen, daß du bisher nur eine Religion kennst, die die einzig wahre ist, und in deren Schoße die Menschen Gott gefallen können. Wenn nun alle Völker, die Juden ausgenommen — (denn sie müssen sich immer von den anderen absondern, um nicht mit den Plebejern und Gemeinen zusammen zu sein), die sieben Gebote hielten, die, wie ihr sagt, Noah hielt

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.