Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 6 (6.2.1925)
- Date
- 1925-02-06
- Page
- Seite 86 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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86 Das Jüdische Echo 6 nen der Schweiz in den eidgenössischen Staatsverband, so ist in dieser Ausbildung eines wirklich jüdischen Lehenskreislaufs kein Gran Feindschaft gegen das arabische Element des Landes enthalten — denn weder gegen den einzelnen Araber, der etwa in ihn einbezogen wird, noch gegen das gesamtarabische Element des Landes liegt etwas Abschätziges, ein Anti-tum, in der Selbstretlung des jüdischen Geistes, der ja nach Palästina geht, um ganz er selbst zu sein. III. Und freilich — das ist das Aleph und Taw der ganzen Unternehmung: Kolonisation um des Geistes willen. Um der Bewahrung und Steigerung, um der Festigung und Verirdischung jener menschlichen Besonderheit willen, die vom ersten Anbruch menschlicher Gesittung bis auf unsere Tage (trotz Trotzki, Landauer und Luxemburg, Rathenau und Herzl, Bergson und Freud, Einstein und Husserl, Mahler und Minkowski, Cohen und Liebermann, Lasker-Schiiler, Sternheim und Borehardt und solcher beliebig zu verlängernden Liste von Schöpfertum — Talent und Genie — bezeichnenden Namen) die Erde menschlicher, das Leben sinn- und lustvoller, den Geist sprühender und konkreter, die Erkenntnis gesicherter, das sittliche Herz des Menschen mutiger und alle völkerverbindenden Tendenzen hienieden kraftvoller zu machen nicht abließ. Nach Palästina, nach Erez- Israel, drängen den Juden nicht allein Überlegungen, sondern jene mächtigen Wesen, die man, weil sie überall ausschlaggebend sind, Imponderabilien nennt, imponderabel aber nur hier, in der Kürze, dagegen sehr wohl beschreibbar, sehr wohl durchleuchtbar in eignem Zusammenhang. Leidenschaftliche Liebe zur Arbeit, zum Boden, zum Aufbau, Einsatz des Lebens gegen Malaria und Hunger, Kampf mit dem Alltag und Kampf mit der Vergangenheit: das sind große wirkende Gewalten; sie verändern Länder und erneuern Menschen. Aus einem sehr irdischen, sehr radikalen, von der ganz konkreten Jugend der Juden aller Landstriche gelebten Alltag entsteht ein Zentrum, das jüdische Zentrum, von dem aus die jüdischen Einbürgerungen der ganzen Erde, wie die Peripherie vom Mittelpunkt, wie der Radkranz von der Nabe her, Halt und Kraft in bezug auf ihre jüdische Substanz empfangen werden. Was deutsch ist, kann man in dieser von Propaganda entstellten Welt nur in Deutschland erfahren. Es muß eine Stelle auf Erden geben, wo das Jüdische aus sich und durch sich selbst eindeutig bestimmt ist, wie das Deutsche in Deutschland; eine Stelle, wo ein bedeutender jüdischer Ingenieur eben ein jüdischer von selbst ist und nicht erst von den überall „unproduktiv“ gescholtenen Juden für sich reklamiert werden muß; wo ein jüdischer Gelehrter nicht als Deutscher auftritt, sobald er den Nobelpreis bekommen soll, ein deutscher Politiker aber nicht zum Juden gestempelt wird (Erzberger), damit man ihn skrupelloser umbringe, und wo man das, was vom Juden überhaupt erfahrbar ist, im Leben mit Juden erfahren kann. Mit Juden, die sich aus aller Herren Länder in Palästina und vorher im Zionismus zusammenfanden, nicht weil sie begabter oder besser als andere Juden sind, sondern weil in ihnen für das Jüdische jenes verbindende und Dauer stiftende Element wirkt, das man Verpflichtung vor den Ahnen und den Enkeln, Sinn für die Größe eines alten Stammes und, vor allem, Liebe zu einem Blute nennen kann, dem das tapferste Dulden, das unscheinbarste Martyrium und, in der größten Erniedrigung noch, der unbeugbare Glaube an Sinn und Größe der eigenen Aufgabe auf der Erde gegeben ist. Zionismus ist die heutige Form jüdischer Verantwortlichkeit für die jüdische Dauer, getragen um der Zukunft willen und vor der ganzen Menschheit. Arnold Zweig. Resultate der preußisch-jüdischen Wahlen Glänzende Erfolge der Volkspartei Berlin (J.T.A.). Nach vorausgegangenen wochenlangen sehr lebhaften Wahlkämpfen haben am Sonntag, den 1. Februar, in Berlin und in ganz Preußen die Vertreter wählen zum Landesverband jüdischer Gemeinden Preußens stattgefunden. In Berlin war das Bild der Wahlen recht bewegt. In den meisten Wahllokalen war der Andrang der Wähler und Wählerinnen so stark, daß sich vor denselben ausgedehnte Menschenschlangen bilden mußten. Es wurde zwischen 10 und 5 Uhr abgestimmt. In mehreren Wahllokalen mußte jedoch die Abstimmung weit über die Schlußstunden hinaus ausgedehnt werden. Viele zu spät kommende Wähler mußten unverrichteter Dinge heimkehren. Es haben aber dennoch kaum 45 Prozent aller Wahlberechtigten ihrer Wahlpflicht genügt. Das Charakteristikum dieser Wahlen ist ein starkes Anschwellen der jüdisch-nationalen und ein auffallendes Zurückgehen der konservativen Stimmen. In unterrichteten Kreisen, auch den nichtkonservativen, wird das Zurückgehen der konservativen Stimmen nicht etwa als eine Niederlage des Konservatismus an sich beurteilt. Im Gegenteil, manche sind geneigt, eine Stärkung der religiös konservativ gesinnten Elemente festzustellen. Man meint aber, daß zahlreiche Konservative, die sich in den letzten Jahren von der misrachistischen Strömung mitreißen ließen, diesmal für die Liste der Jüdischen Volkspartei, die eine Anzahl bekannter misrachistischer Vertreter aufwies, gestimmt haben. Auch die religiöse Mittelpartei hat zahlreiche konservative Stimmen auf ihre Liste vereinigt. Das Resultat in Berlin ist folgendes: Für die Liste der Jüdischen Volkspartei (Dr. Klee — Dr. Badt) wurden 14 400 Stimmen abgegeben, auf wel- D A S HAUS KRELL-UCKO THEATINERSTR.16 TELEFON 27831—32 BIETET BESONDERE PREISVORTEILE IN: KLEIDERSTOFFEN - SAMT UND SEIDE DAMEN- UND JUNGMÄDCHEN-KONFEKTION TEPPICHEN — GARDINEN - DECKEN