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Das jüdische Echo · 1925-02-06 · 6 (6.2.1925) · p. Seite 85

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
6 (6.2.1925)
Date
1925-02-06
Page
Seite 85 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 6 Das Jüdische Echo 85 heil war, die jüdische Wanderung für einen Ausgleich der Mischung sorgte, im Sinne einer Selbsterhaltung dieses — wie jede andere Gestaltung des Lebendigen — so sehr auf Dauer eingestellten Kollektivwesens Jude. Die russische Tscherta erhielt die Juden im Elend, aber in einem intensiv jüdisch besondern Elend. Der Jude des Ansiedlungsrayons war fast nichts anderes als Jude, nur daß, an den Möglichkeiten des Jüdischen gemessen, diese jüdische Gestalt einer Erhöhung, Reinigung, Versinnlichung und Vernatürlichung fähig war wie jedes Volk in modernen Umständen auf Erden und in dieser Zeit. Diese Tscherta strömte beständig Judentum ab: an die Juden der deutschen Ostprovinzen, die ihrerseits die mitteldeutschen Gemeinden judaisierten, wie Galizien etwa Wiens und Bayerns oder das Elsaß Frankreichs Juden in ihrer jüdischen Komponente stärkte. Heute besteht diese Tscherta nicht mehr. Geteilt von vielen Landesgrenzen, sodaß der Jude in Helsingfors mit dem in Odessa nicht mehr organisatorisch zusammenfaßbar ist, furchtbar geschwächt als Kriegsschauplatz, zernagt von der aggressiven Assimilation neuer „National“-Staaten und Sowjet-Rußlands, ökonomisch aber vernichtet und von Amerika nicht mehr resorbiert — so kann diese Judenheit nicht nur kein Judentum mehr abgeben, sondern ist sie schon heute auf Hilfe von Westen her wesentlich angewiesen. Und was das einzige Zentrum jüdischer Massensiedlung anlangt, Amerika, so weiß ja jeder, was Amerikanisierung bedeutet: in rasendem Tempo wird dort aus dem jüdisch intensiv getränkten Ostjuden der jüdische Amerikaner, der ebensowenig Anspruch machen kann, das moderne Judentum zu repräsentieren wie der deutsche oder der chinesische Jude. Für den zionistischen Juden besteht nun bewußt und seelisch klar, was jedem andern Juden unterbewußt oder verschwommen gegeben ist: daß es für die Erde notwendig und gut ist, jüdische Art und jüdisches Wesen aufzuweisen, wie sie deutsche, irische, kabylische oder japanische Art aufweist. Jede Geistgestalt auf Erden hat die Pflicht, zu dauern, sich dem Lebendigen zu erhalten; nicht zu gestatten, daß das Besondere und einmalig Umrissene, das sie darstellt, aus der Vielfältigkeit der Formen verschwinde — die Fülle der Arten zu bewahren, indem sie sich selbst bewahrt, so wie die Lärche oder Birke verantwortlich dafür ist, daß, natürlichen Wildwuchs vorausgesetzt, der Wald nicht ihres Reizes entbehren muß. Wie die Iren dafür haften, daß der irische Geist, dies bezaubernde Ingrediens, der Menschheit nicht genommen werde — er, unersetzbar durch französischen oder jüdischen, wie Shaw nicht durch France oder Heine ersetzt wird —, so haften die Juden dafür, daß der großartige jüdische Geist, unvertretbar durch deutschen oder englischen, immerdar am Werke bleiben könne und sich seinen Pflichten nicht entziehe, die auf diese besondere jüdische Mitarbeit an Gestaltung und Versittlichung der Erdzustände gehen, und für die er der Menschheit verantwortlich ist. II. ,,Mit einer Einschränkung, von der später die Rede sei“, hieß es vorhin, sei der Ausgleich zwischen Majorität und Minorität zugunsten der Majorität unvermeidlich. Diese Einschränkung, die den Zionismus im praktischen Sinne erst möglich macht, zielt auf die Schaffung eines geschlossenen Wirtschaftsprozesses innerhalb der Minorität ab. Was ist das denn, menschlich gesprochen, ein Wirtschaftsprozeß? (Versachlichende Betrachtung ist von großem Wert zu allerlei, vorausgesetzt nämlich, daß sich das Persönliche immer von selbst vor Augen stellt.) Mitten in Ungarn — oder jetzt Rumänien — sät und erntet ein deutscher Bauer, fährt sein Getreide zur deutschen Mühle, dies Mehl verbackt ein deutscher Bäcker, sein Brot nehmen deutsche Kinder mit in die Schule zum deutschen Lehrer, dessen Lehrbücher deutsch geschrieben und von deutschen Setzern gesetzt, von deutschen Drukkern gedruckt sind. Sieht man, wie, so betrachtet, ein Wirtschaftsprozeß in einen geistigen mündet? und das Ganze einfach ein kleines Abbild unantastbaren nationalen Lebens ist, geeignet, das Deutsche in diesen Siebenbürgener Sachsen zu sichern — mag der Gendarm oder der Steuereinnehmer oder der Gerichtsvollzieher, der ja nur ganz gelegentlich in diese Welt eingreift, welche Kokarde immer an seiner martialischen Untertanenstirn tragen? Nun, dies ist, genau dies, die Sachlage der Juden in Palästina. Sie haben dort, in kleinem Maßstab vorderhand, diese geschlossen jüdische, hebräisch redende, einheitlich wirtschaftende Lebenszone geschaffen. Sie wird wachsen, wächst täglich, wächst schneller als unsere Mittel, diesen Zustrom einzugliedern und zu verarbeiten. (Auch ostjüdische Einwanderer brauchen in Palästina Zeit, sich zu assimilieren, an die neuen Juden nämlich.) Und da wir, wie groß unsere Siedlung dort auch immer werde, entschlossen sind, mit den Arabern Palästina herzlich und aufrichtig an der Verbesserung des Landes zusammenzuarbeiten, sodaß dann jüdischer und arabischer Lebenskreis einheitlich in Einen politischen Rahmen sich fügt, wie die Natio- T?auThallmcrier München ThßaünerlCrAÖ,

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