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Das jüdische Echo · 1925-01-30 · 5 (30.1.1925) · p. Seite 72

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
5 (30.1.1925)
Date
1925-01-30
Page
Seite 72 (sequence 8)
Language
German
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72 Das Jüdische Echo Nr. 5 schwach fühlt, empfing den J.T.A.-Vertreter an seinem Bette. Sobald meine Gesundheit es mir erlaubt, sagte Luzzatti, werde ich in einigen Monaten ein Buch über das Problem der nationalen Minderheiten herausgeben. In diesem Buche werde ich der Frage der jüdischen Minderheiten einen besonderen Raum widmen. Luzzatti sagte, er interessiere sich sehr für die gegenwärtige Wirtschaftslage der Juden in Rußland und Polen. Er verfolge auch mit großer Aufmerksamkeit die Fortschritte der zionistischen Bewegung und hege große Sorge für das Schicksal der russischen Zionisten, die Verfolgungen ausgesetzt sind, ebenso wie ihm auch die Verfolgung der hebräischen Sprache in Rußland Sorge bereitet. Mit Bezug auf die jüdischen Bestrebungen in Palästina, sagte Lenator Luzzatti, kann ich nur meinen Aufruf an die Juden in Palästina, den ich vor einigen Jahren erlassen habe, mit Glauben und Eifer wiederholen. Immer mehr wenden sich die Augen der Judenheit der ganzen Welt nach Palästina, dem heiligen Lande unserer Väter. Unsere verfolgten Brüder betrachten Palästina als das Land ihrer Zuflucht und Emanzipation. Seit dem ersten Tage unseres Exils sind wir die Märtyrer des Menschengeschlechts. An dem Tage, da die Sonne friedlicher Zusammenarbeit über Palästina scheinen wird, an eben diesem Tage wird die Menschheit erfahren, was wirklicher Friede sei; ein Friede, der nicht durch Kriegsmittel, sondern durch Freundschaft und Liebe zu erreichen ist. Die Welle des Antisemitismus, die jetzt die ganze Welt überflutet, ist die unmittelbare Folge der Kriegsverwilderung, ist das Resultat des allgemeinen Sinkens der europäischen Moral; der Krieg hat den Menschen das Gefühl der Heiligkeit des menschlichen Lebens genommen. Rumänien Großartiger Empfang Sokolows in Kischine w. K i s c h i n e w. (J.T.A.). Herr Nahum Sokolow ist am 20. Januar in Kischinew eingetroffen. Etwa 70 000 Personen versammelten sich vor dem Bahnhof und in den umliegenden Gassen, um den Führer zu begrüßen. Er wurde vom Empfangskomitee unter Vorantragung jüdisch-nationaler Fahnen in das Hotel geleitet, eine Musikkapelle ging voran. Sokolow7 wurde von der Landesbehörde offiziell begrüßt. Herr Sokolow7 wohnte der Keren Hajessodkonferenz bei, er w7urde auf einem Bankett von Vertretern aller Gruppen der bessarabischen Judenheit begrüßt. Von hier begab er sich nach Bukarest, um dann der Einladung der transsilvanischen Judenheit Folge zu leisten. Personalia JOHANNA FEUCHTWANGER seligen Andenkens. Letzten Freitag, den 23. Januar erlag Frau Johanna Feuchtwanger, die Witwe des vor neun Jahren zur gleichen Zeit heimgegangenen Fabrikanten Sigmund Feuchtwanger, dessen langjähriges Wirken als Vorstandsmitglied der Israelitischen Kultusverwaltung und von ,,0 h e 1 Jakob“ noch in allgemeiner dankbarer Erinnerung ist, einem schweren Herzleiden. Mit Frau Johanna Feuchtwanger sinkt eine Frau von vorbildlicher echt jüdischer Wirksamkeit und Treue allzu früh — im 61. Lebensjahr — ins Grab, beweint nicht nur von einer Schar von Kindern und Enkeln, sondern auch von Gesinnungsgenossen und Freunden, denen fortan eine tatkräftige, alles Gute fördernde und bejahende Beraterin fehlen wird. Die Entschlafene hat in seltener Weise streng konservative Gesinnung und Lebensform mit Derech-hoorez, das ist mit einer gewandten und liebenswürdigen Weitläufigkeit, streng jüdischfrommen Sinn mit einem allgemeinen Verständnis der Zeit, der bleibenden Errungenschaften dieser Zeit sowohl wie der vorübergehenden Tagesströmungen zu vereinigen gewrußt. Ihren Töchtern und Söhnen, in mannigfachen verantwortlichen Lebensstellungen verstreut, w7ar ihr Haus Mittelpunkt und Zusammenkunft zur Bewahrung altjüdischer Sitte und darüber hinaus gut jüdischen Herzenstaktes. Allen Richtungen des lebendigen Judentums galt ihr verstehendes Interesse, über alle jüdischen Angelegenheiten von allgemeiner Bedeutung belehrte sie sich fortlaufend aus Schriften und persönlichen Berichten. Mit Johanna Feuchtwanger ist eine ungewöhnlich gute und tatkräftige Mutter, die Mutter von 9 Kindern entschlafen, deren Andenken von allen, die sie kannten, bewahrt und einem nachw7achsenden Geschlecht zum Vorbild vorgehalten werden w7ird. Das Trauergeleite Sonntag vormittag legte beredtes Zeugnis von der großen allgemeinen Teilnahme an der Toten ab und die Worte von Rabbiner Dr. Baeiwvald liehen in ungewöhnlich feiner Form den Gefühlen Ausdruck, die alle Beteiligten beseelten. Gemeindenu.Vereins-lcho Der Gesamtausschuß der Ostjuden veranstaltet heute Samstag, den 31. Januar abends 8 Uhr im Saal des Frauenklubs, Finkenstraße 2 (beim Wittelsbacher Palais), eine Versammlung. Herr Jakob Reich wird einen Vortrag: ,,Zwischen Ost und West“ halten und darin das Problem des ostjüdischen Menschen im Westen und seine Aufgabe darstellen. Gäste willkommen. München. Verband Bayer. Israelit. Gemeinden. Der * diesjährige Zusammentritt der Tagung des Verbandes, der für den 1., 2. und 3. Februar in Aussicht genommen w7ar, mußte um einige Wochen verschoben werden. Er wird nunmehr am 1 5., 1 6. und 17. März in Würzb u r g stattfinden. Jüd. Wanderbund Blau-Weiß. Seit der Übersiedlung unseres Führers Bubi Berger nach Breslau lautet die neue Anschrift des Bundes: Walter Goldstern, Widenmayerstraße 46. Zionistische Ortsgruppe München. Der Ortsgruppenabend am 5. Februar fällt aus. Donnerstag, den 12. Februar punkt 8 Uhr im Bibliotheksaal Vortrag Dr. Max Mayer „Die jüdische Autonomie in Litauen“. Vorangehend um halb 8 Uhr Ersatzwahlen. Orangenernte in Jaffa. Der jüdische Turn- und Sportverein „Bar Kochba“ veranstaltete gemeinsam mit dem jüdischen Nationalfonds am letzten Sonntag einen Kostümball, der unter der Devise „Orangenernte in Jaffa“ den zahlreich Erschienenen einige sehr heitere Stunden schenkte. Die schönen Räume des Bayerischen Hofes hatten ihren sonst so offiziellen Charakter verloren, die Rokokoplafonds verbargen sich hinter Orangenbäumen, die Saalfluchten waren malerische Häuserreihen, Verkaufsstände deuteten den Markt an. Kurz: Mit einem nur geringen Aufwand von Phantasie glaubte man tatsächlich in Jaffa zu sein. Die Kostüme waren in der Mehrzahl gut gewählt; sie rundeten sich zu einem farbenpräch- Fortsetzung S. 75

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