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Das jüdische Echo · 1925-01-23 · 4 (23.1.1925) · p. Seite 59

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
4 (23.1.1925)
Date
1925-01-23
Page
Seite 59 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 4 Das Jüdische Echo 59 einigen Jahren Repräsentant der Berliner jüdischen Gemeinde, woselbst er die Stelle eines zweiten Vorsitzenden bekleidet. Als Mitbegründer der Jüdischen Welthilfskonferenz setzt er sich tatkräftig für deren Bestrebungen ein; was er hier leistet, ist nur Wenigen bekannt, da er es nicht lieht, seine Verdienste in den Vordergrund zu stellen. Die Jüd. Volkspartei hat ihn auch als ihren Spitzenkandidaten für das jüdische Parlament in Preußen bestellt; hier wird er sicher wieder an der rechten Stelle stehen. Als bekannter und beliebter Anwalt hat er auch häufig Gelegenheit gehabt, jüdische Interessen warm zu vertreten. Auch das ,,Jüd. Echo“ möchte nicht unter den Gratulanten fehlen und wünscht dem getreuen Eckart jüdischer Interessen eine glückliche Zukunft! literarisches Echo Der neue Weg. Die neue Zeitschrift will der jüdischen Arbeiterschaft und der jüdischen Jugend in den deutsch-sprachigen Ländern ein Wegweiser in dem schier unentwirrbaren Labyrinth internationaler und jüdischer Erscheinungen und Probleme, die die gegenwärtige Epoche aufrollt, werden. „Der Neue Weg“ will nach Kräften dazu beitragen, die nach neuem Lebensinhalt drängenden, immerwachsenden Scharen der deutsch-jüdischen Jugend in die soziale Bewegung einzugliedern, ihren Palästinawillen zu kristallisieren, ihr Wissen um das Schaffen, ihr Verständnis für den Kampf der jüdischen arbeitenden Massen zu mehren. Unsere Zeitschrift will demgemäß ebenso dem Kampfe und den Aufbauleistungen der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina Ausdruck geben und alle Fragen des Palästina-Aufbaues im sozialen Geiste behandeln, wie den dornenvollen Weg der jüdischen Massen zur produktiven Umschichtung, ihre Institutionen, ihren Kampf um nationale Autonomie, ihre Wanderungsprobleme und Kämpfe beleuchten. Der Neue Weg erscheint einmal monatlich, jede Nummer 2—3 Druckbogen stark und kostet einschließlich Porto für 6 Monate Mk. 2.50. (In der Ewer-Buchhandlung und bei Gen. Alfred Lindauer, Pettenkoferstraße 21/1, erhältlich.) Ludwig Lewisohn. Gegen den Strom. Verlag der Frankfurter Sozietätsdruckerei. Es ist ein Verdienst des Verlags, dieses Buch, dessen englisches Original unter dem Titel „Up stream“ in Amerika bei seinem Erscheinen berechtigtes Aufsehen erregt hat, der deutschsprachigen Öffentlichkeit zugänglich gemacht zu haben. Lesenswert scheint uns dieses Buch vor allem deswegen, weil in ihm das wirkliche Amerika von einem geistigen und kulturkritischen Menschen erlebt wird, von einem Menschen, der zugleich Fleisch von unserem Fleisch und Blut von unserem Blute ist. Als einziges Kind wohlhabender Eltern ist er in der ruhigen und vornehmen Athmospäre des Berlin der 80er Jahre aufgewachsen, jenes Berlin, das mit dem heutigen nur noch den Namen und einige verstaubte Erinnerungen gemeinsam hat. Der Sohn einer Generation, die dem Judentum viel ferner perf d,en sie »^SiTig rna*Flamme“ zu lOPfq. mit StrobmunDftück in f leganter Blechpackung 5igarettenfabrik Dibolb, fflundien und der deutschen Kultur — auch innerlich — viel näher stand als die assimilierte Schicht von heute. öer wirtschaftliche Zusammenbruch zwingt die Familie mit dem kaum achtjährigen Knaben in die Südstaaten der Union auszuwandern. Die Einwohner der kleinen Stadt in Georgia, in der die Familie von nahen Verwandten auf genommen wird, mit ihrer aristokratischen, der Sklavenhaltermoral des Südens kaum entwachsenen Lebensauffassung, stehen in merkwürdigem Kontrast zu der feinen, im besten Sinne liberalen europäischen Tradition der Neuankömmlinge. Es ist eigentlich kein Wunder, daß die Familie, der alle Wege in die amerikanische Gesellschaft verschlossen sind, sich dem Sektierertum in die Arme wirft und der junge L. auch äußerlich die christliche Religion annimmt. Dem vor allem literarisch hoch begabten Jungen eröffnen sich für seine weitere Laufbahn die besten Aussichten. Da tritt ihm schon nach dem Verlassen der Universität der amerikanische Rassenantisemitismus entgegen — ein Antisemitismus von einer Konsequenz und Grausamkeit, der um so tiefer trifft, da er sich unter der Maske äußerer Höflichkeit gegen einen innerlich und äußerlich seinem Volke entwachsenen Menschen richtet. Dieser Kampf gegen eine fremde und feindselige Welt, die ihn aus Gründen der materiellen Selbsterhaltung selbst zur literarischen Prostitution an die „Gartenlaubenpresse“ treibt, zermürbt schließlich die durch starke Bande zusammengehaltene Familie. Erst nach längerer Zeit eröffnet sich ihm der Weg an eine der Universitäten des Middle West. Das Erbteil vieler GeneratiQnen, die fanatische Wahrheits- und Gerechtigkeitsliebe der Propheten, lassen ihn zum schonungslosen Kritiker an der amerikanischen Gesellschaft werden. Sein mutiges und ritterliches Eintreten für das Land seiner Geburt, das ihm um so leichter fiel, da er noch das idealisierte Bild des Deutschlands der 80er Jahre im Herzen trug, schuf ihm bei Kriegsbeginn neue Feindschaft und trieb ihn aufs neue auf die Wanderschaft, diesmal nach New York, dem Sammelpunkt für alle diejenigen, die sich von dem gierigen Moloch des Anglo-Amerikanismus nicht bedingungslos verschlingen lassen wollen. Wir erhalten tiefe Einblicke in den Geist oder besser den Ungeist der amerikanischen Universitäten, auf denen sich der geistiger eingestellte Mensch in einer furchtbaren Isolierung gegenüber dem zweckhaften und nur auf das Praktische gerichteten Treiben der Umwelt befinden muß. # * * Wir können dem Autor leider nicht den Gefallen tun, in seiner Biographie den Weg eines Sonderschicksals zu sehen. Hätte Sie, Ludwig Lewisohn, nicht ein blindes Geschick über den Ozean verschlagen, Sie hätten mit der gleichen Wahrheits¬ und Gerechtigkeitsliebe, mit dem gleichen Fanatismus und — auch mit der gleichen Portion von Ressentiment der deutschen Gesellschaft ihre Schwächen und Sünden ins Gesicht geschleudert. Sie säßen heute vielleicht auch hinter den Gefängnismauern von Niederschönenfeld und hätten eine andere Meinung von dem Deutschland von heute, wenn das Bild Ihrer Kindheit durch die Erlebnisse des männlichen Bewußtseins korrigiert worden wäre. Ihr Schicksal ist das Schicksal des jüdischen Literaten, Literaten im besten und keineswegs verächtlichen Sinne und es ist dadurch noch ein besonders tragisches, daß Ihnen der Rückweg fast ganz abgeschnitten ist. Wenn Sie die im Vorhof der amerikanischen Zivilisation wartenden Nationen, darunter auch die Juden, vor der unbedingten Assimilation warnen, so zeigen Sie wenigstens deq anderen den Weg, den Sie aus diesen und jenen

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